Roubini: Goldpreis wird auf 1.000 Dollar stürzen

Nouriel Roubini geht davon aus, dass der Goldpreis bis 2015 unter die 1.000 Dollar-Marke fallen wird. Es gebe derzeit keine Notwendigkeit, Gold zu kaufen. Die Nachfrage werde weiter fallen und die hochverschuldeten Staaten werden ihre Goldreserven abbauen, um ihre Schulden zu begleichen.

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Roubini: Hochverschuldete Länder haben immense Goldvorräte. Sie werden einen Teil verkaufen, um ihre Schulden zu tilgen. Das wird den Goldpreis immens drücken. (Foto: bankofengland.co.uk)

Roubini: Hochverschuldete Länder haben immense Goldvorräte. Sie werden einen Teil verkaufen, um ihre Schulden zu tilgen. Das wird den Goldpreis immens drücken. (Foto: bankofengland.co.uk)

Der Goldpreis schwankt extrem und wird nicht weiter steigen. Vielmehr hat sich in den vergangenen Jahren eine Goldblase gebildet, die platzen wird, so der Ökonom Roubini. Die Nachfrage wird sinken und zahlreiche Ausverkäufe werden von statten gehen. Gold wird bald seinen Wert verlieren.

Während der Goldpreis Anfang 2009 bei etwa 800 Dollar pro Unze lag, stieg er bis zum Herbst 2011 auf über 1.900 Dollar. Viele Ökonomen und Investoren rechnen deshalb damit, dass der Preis in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Doch Roubini führt in einem Essay sechs Gründe an, warum der Goldpreis seiner Meinung nach bis 2015 auf die Marke von unter 1.000 Dollar sinken wird.

So steigt der Preis des Goldes beispielsweise meist in Zeiten wirtschaftlicher, finanzieller und geopolitischer Unsicherheit. „Aber selbst in diesem düsteren Szenario könnte Gold eine schlechte Investition sein“, schreibt Roubini. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008/2009 fiel der Goldpreis mehrere Male sehr stark. Kreditklemmen in Krisenzeiten können Notverkäufe von Gold auslösen und dadurch den Preis rasant drücken. Gold ist einfach sehr volatil, der Kurs schwankt. Selbst wenn sich die Krise nun noch verschärfen sollte, heißt das also noch lange nicht, dass der Goldpreis einfach weiter steigt, so Roubini.

Der zweite Grund, warum der Goldpreis sinken wird, ist das Thema der Inflation. Oft macht Gold eine gute Figur, wenn das Risiko einer hohen Inflation besteht. Doch trotz der exzessiven Geldpolitik vieler Zentralbanken „ist die weltweite Inflation tatsächlich niedrig und sinkt weiter“. Zwar steigt die Geldmenge, aber „die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist zusammengebrochen“, so Roubini. Die Banken horten das Geld der Zentralbanken, während die privaten und öffentlichen Schulden steigen. Und auch die Löhne steigen nicht, zu wenig Spielraum haben die Gewerkschaften in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und billiger Konkurrenz aus Asien. Steigen die Löhne kaum, ist eine hohe Inflation bei den Gütern unwahrscheinlich, schreibt der Ökonom. Vielmehr werde die Inflation sogar weiter zurückgehen, da die Rohstoffpreise aufgrund des weltweit schwachen Wirtschaftswachstums sinken.

Roubini zufolge hat Gold jedoch auch grundsätzlich einen entscheidenden Nachteil. Während Aktien Dividenden, Staatsanleihen Rendite und Häuser Miete abwerfen, „ist Gold nur ein Spiel auf Kapitalzuwachs“. Da sich die Weltwirtschaft jedoch erholt, werden Aktien oder auch Immobilien noch höhere Gewinne erzielen. Das  wird Gold zunehmend unattraktiver machen, schreibt Roubini.

Als vierten Grund für den kommenden Sturz des Goldpreises führt Roubini die Entwicklung der Zinsen an. Wenn die inflationsbereinigten Zinsen aufgrund von lockerer Geldpolitik ins Negative rutschen, ist es Zeit, Gold zu kaufen. Aber je mehr positive Prognosen für die Weltwirtschaft kommen, umso wahrscheinlicher ist es, dass sich die Zentralbanken von der Niedrigzins-Politik verabschieden. Dann steigen die realen Zinsen wieder und Gold wird unattraktiv.

Einen weiteren Einfluss auf den Goldpreis hat die Staatsverschuldung. „Einige argumentierten, dass hoch verschuldete Staaten die Anleger zum Goldkauf bewegten, als die Staatsanleihen riskanter wurden“, so Roubini „Aber derzeit geschieht das Gegenteil.“ Denn viele der hochverschuldeten Länder besitzen immense Mengen an Goldreserven (hier). Sie könnten sich entscheiden, Gold abzustoßen, um ihre Schulden zu verringern. Das würde den Goldpreis rasant sinken lassen. Allein die Nachricht, dass Zypern auch nur einen Bruchteil seiner Reserven verkaufen werde (hier), löste einen Rückgang des Goldpreises um 13 Prozent aus.

Als letzten Punkt nennt Roubini die Rolle „einiger extrem Konservativer“ in dem bisherigen Anstieg des Goldpreises. Diese lobten Gold in den Himmel und nannten es die einzige Absicherung gegen das Risiko einer Regierungsverschwörung, die die Enteignung der Privatvermögen vorsieht. Das trieb den Preis ebenfalls nach oben. Doch deren Gründe für einen Goldkauf werden immer unglaubwürdiger. Sie finden kein Gehör mehr:

„Diese Fanatiker glauben auch, dass eine Rückkehr zum Goldstandard unvermeidlich ist, da durch die von den Zentralbanken verursachte Entwertung des Papiergeldes eine Hyperinflation auslösen wird. Aber angesichts des Fehlens jeglicher Verschwörung, der sinkenden Inflation, und der Unfähigkeit, Gold als Währung verwenden, können solche Argumente nicht aufrechterhalten werden.

Gold sei eben doch nur ein „barbarisches Relikt“, zitiert Roubini Keynes. „Ohne inneren Wert und vor allem als Absicherung gegen meist irrationale Angst und Panik“, schreibt Roubini. Während sich der Goldpreis also in den nächsten Jahren noch etwas nach oben bewegen kann, werde er sehr schwankend bleiben und im Laufe der Zeit fallen. Spätestens dann, wenn sich die Weltwirtschaft bessert, so Roubini. „Der Goldrausch ist vorbei.“

Roubinis positive Sicht der globalen Wirtschaftslage ist eine Überraschung. In seinen jüngsten Prognosen hatte Roubini stets vor einem Crash gewarnt. Insbesondere die Lage in der Euro-Zone sah Roubini kritisch: Er sprach stets von einem Zugsunglück in Zeitlupe. Noch vor nicht allzu langer Zeit hatte Roubini gesagt, die Krise in Italien werde eine Finanz-Tsunami auslösen.

Es ist denkbar, dass Roubini mit seinen Aussagen den Goldpreis noch weiter drücken möchte, um für Investoren noch bessere Preise für Zukäufe herbeizureden.

Wenn er nun kritisiert, dass Angst und Panik keine guten Ratgeber für Investments seien, muss man sich fragen, ob nicht seine teilweise apokalyptischen Prognosen mehr zu diesen Gefühlen beitragen als der Kauf von Gold.

Für Wirtschaftsprognosen gilt jedenfalls: Hier ist nicht alles Gold was glänzt.

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