Hochwasser: Wie man sich ohne fremde Hilfe schützen kann

Viele Opfer der Hochwassers können nicht auf fremde Hilfe hoffen. Zu schnell ist der Wasserpegel in vielen Regionen Deutschlands gestiegen. Die schnellste Hilfe kommt meist von der Feuerwehr. Dennoch kann auch der Einzelne Vorsorge treffen, um sich gegen die Fluten zu schützen.

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Weite Teile Süd- und Ostdeutschlands stehen unter Hochwasser. Wochenlanger Dauerregen hat zu einem dramatischen Ansteigen der Wasserpegel geführt. Ausnahmezustände, Katastrophenalarm, Evakuierungen, überflutete Straßen und vollgelaufene Keller sind die Folge.

Hochwasser gab es schon immer

Hochwasser entsteht dadurch, dass der Wassereinfluss in ein Gewässer extrem hoch ist und der Abfluss nicht schnell genug erfolgt. Doch das ist kein „neues“ Phänomen. Immer wieder wurde Deutschland davon heimgesucht. Die ersten Überlieferungen liegen bereits ab Mitte des 11. Jahrhunderts vor.

„Neu“ ist jedoch, dass die Häufigkeit der Hochwasserkatastrophen zunimmt. Da die durchschnittliche Temperatur in den letzten Jahrzehnten leicht gestiegen ist, nimmt gleichzeitig auch der Niederschlag zu. Früher fungierten die alpinen Gletscher als enorme Wasserspeicher, die den Regen in kühlen Wintern einfroren. Doch immer mehr Gletscher schmelzen ab und speisen die Flüsse stattdessen mit gigantischen Wassermengen.

Dazu kommt, dass der Mensch selbst die Gefahren für Hochwasser schafft, indem er die Landschaft immer weiter versiegelt: Mehr und mehr Verkehrswege werden gebaut und immer neue Landschaftsstriche werden als Äcker und Grundstücke erschlossen. Begradigungen und Betonierungen kleinerer Gewässer tragen ihren Teil dazu bei. Wälder und Wiesen, die den Regen zwischenspeichern können, verschwinden und machen Asphaltstraßen Platz. Weil die Flussufer begradigt wurden, fehlt die Randvegetation. Das wiederum führt zu einer höheren Fließgeschwindigkeit des Wassers, das durch die beschriebenen baulichen Eingriffe nicht mehr versickern kann. Der Regen sammelt sich und gelangt zusätzlich in die bereits überfüllten Flüsse, die dann über ihre Ufer treten.

Je schneller das Wasser kommt, desto weniger Reaktionszeit bleibt den Betroffenen in den Hochwassergebieten. Dadurch entstehen vielfältige Gefahren: Überflutete elektrische Einrichtungen oder losgespülte Kabel können Stromschläge verursachen. Die Wassermassen führen oft Bäume, Äste und sogar Autos mit sich. Was viele Menschen unterschätzen sind Gullydeckel. Sie können bei Hochwasser eine starke Sogwirkung entfalten. Verunreinigtes Wasser stellt zudem ein nicht zu unterschätzender Infektionsherd dar. Bergrutsche können gefährliche Schlammlawinen auslösen, die in die Täler rauschen und alles unter sich begraben.

Was kann der Einzelne tun?

Zunächst einmal sollte man sich bei der Auswahl einer Immobilie oder einer Wohnung erkundigen, ob man in einer Hochwassergefährdeten Region wohnt. Ist das der Fall ist eine „höher gelegene“ Immobilie oder eine Wohnung im dritten oder vierten Stock sinnvoll. Auch wenn es romantisch ist: In Flussnähe zu wohnen kann im Ernstfall ganz schön teuer werden.

Zu den obligatorischen Sandsäcken, die Türen, Fenster und Keller schützen, sollte man auch an Lebensmittelvorräte und eine autarke Stromversorgung denken.

Zudem ist es hilfreich seinen Versicherungsschutz zu prüfen. Übernehmen die Elementarschadensversicherung, die Wohngebäudeversicherung und die Hausratsversicherung Schäden durch Hochwasser? Wie sieht es mit Autos und Motorrädern aus? Zahlt die Teil- oder Vollkaskoversicherung in diesem Fall?

Wenn die Assekuranz sich weigert oder wenn man gar keinen Versicherungsschutz hat, bleibt nur noch die Hoffnung auf die Hilfsprogramme von Bund und Länder. Die Schäden sollten aber auf jeden Fall durch Fotos oder Videoaufnahmen dokumentiert werden.

Schäden an der eigenen Immobilie können in der Steuererklärung als „außergewöhnliche Belastung“ angesetzt werden. Hier entscheiden die Finanzämter aber unterschiedlich. Die Rücksprache mit einem Steuerberater ist auf jeden Fall sinnvoll.

Bei großen Hochwasserkatastrophen können die Helfer nicht überall gleichzeitig tätig sein. Das heißt, man muss sein Hab und Gut selbst in Sicherheit bringen. Als erstes bedrohen die Wassermassen das eigene Anwesen. Bevor auch noch das Inventar in Gefahr geraten kann, sollte man es von außen schützen.

Der „eigene“ Damm

Eine gute Möglichkeit hierfür ist der Bau eines „eigenen“ Dammes. Der soll wie ein „Rammbock“ gegen das Hochwasser wirken. Dazu braucht man Sandsäcke. Zunächst sollte man aber die Lichtschächte, Eingänge und die Kellerfenster damit abdichten. Sandsäcke sind in Fachgeschäften erhältlich. Aber auch die örtliche Feuerwehr oder das THW können Auskünfte geben. Wertgegenstände und teure Anschaffungen sollten in höher gelegene Stockwerke gebracht werden.

Ist diese „Grundabsicherung“ geschehen, sollte man sich auf den eigenen kleinen Damm konzentrieren. Es versteht sich von selbst, dass dieser auch auf der Seite gebaut werden muss, an der das Wasser ankommen wird. Doch er sollte nicht zu nahe an den Gebäudewänden errichtet werden, weil das Gewicht der Sandsäcke die Hausstruktur beeinträchtigen oder sogar beschädigen kann.

Beim Befüllen der Säcke sollte man beachten, dass sie nur so voll gemacht werden, um sie oben noch richtig zubinden zu können. Der Standort der Säcke ist ebenfalls wichtig. Rutschige Blätter, Äste oder Kies sollten vom Lageplatz entfernt werden. Gerade die Reibung zwischen Boden und Säcken halten diese nämlich an der Stelle.

Muss der Damm höher als ein Meter sein, sollte zuerst ein 15 Zentimeter tiefer und 60 Zentimeter breiter Graben ausgehoben werden, in den dann eine Sackreihe gelegt wird. Darauf die restlichen Säcke stapeln. Das erhöht die Stabilität. Faustregel: Die Dammunterseite sollte zwei- bis dreimal breiter sein als seine Höhe.

Sollten keine Sandsäcke mehr zu erhalten sein, können sie durch befüllte Kissenbezüge, zusammengebundene Shirts, Pullover, Hosen und Socken notdürftig ersetzt werden. Zum Dammbau können auch alte Möbel, Schutt oder Steine dienen.

Wenn man in die Fluten stürzt

Aber auch wenn man sein Hab und Gut abgesichert hat, kann einen eine plötzliche Sturzflut überraschen. In diesem Falle gilt: So schnell wie möglich Höhe erreichen. Ein Felsen, eine Anhöhe oder ein Baum kann das Leben retten.

Stürzt man dennoch in die Fluten muss man unbedingt versuchen, an der Wasseroberfläche zu bleiben. Da treibende Gegenstände gefährliche Verletzungen hervorrufen können, ist es wichtig, Kopf und Oberkörper zu schützen. Beine flutabwärts strecken, um Hindernisse wie Bäume oder Felsen abzuwehren. Vielleicht gelingt es auch sich festzuhalten und sich aus dem Wasser zu ziehen.

Nach der Flut

Wenn sich das Hochwasser zurückgezogen hat, ist noch keine Entwarnung gegeben. Denn auch dann noch ist größte Vorsicht geboten. Das Fundament oder das Dach des eigenen Hauses können so beschädigt sein, dass ein Betreten lebensgefährlich ist. Dies sollte zunächst geprüft werden.
Elektrische Anlagen, Stromschalter und den Sicherungskasten sollte man nicht mit den bloßen Händen berühren. Gummihandschuhe und ein Besenstil können vor einem Stromschlag schützen. Nasse Geräte unbedingt ausgeschaltet lassen.

Auch die „Entwässerung“ vollgelaufener Räume sollte nicht zu schnell geschehen. Denn auch dies kann die Stabilität des Hauses beeinträchtigen. Täglich sollte nur etwa ein Drittel der Wassermenge abgepumpt oder ausgeschaufelt werden.

„Autoflucht“ ist gefährlich

Aber auch eine Flucht mit dem Auto kann gefährlich sein. Was viele nicht wissen: Bereits bei 15 Zentimetern Wasserhöhe sind die meisten Fahrzeuge nicht mehr zu kontrollieren oder der Motor „säuft“ ab. Ab einem Pegelstand von 60 Zentimetern werden Autos einfach weggeschwemmt.
Das treibende Fahrzeug kann so zu einer tödlichen Falle werden, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Schnell steigendes Wasser im Innenraum kann zum Ertrinken führen oder das Auto kann an einem Hindernis zerschellen. Am besten ist es, das Fahrzeug schon vorher so schnell wie möglich zu verlassen.

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