Erdoğan mobilisiert AKP: Wieder schwere Ausschreitungen in der Türkei

Am Samstagabend ist es erneut zu schweren Ausschreitungen gekommen. Aus Istanbul und Ankara werden Straßenschlachten gemeldet.Ministerpräsident Erdoğan will, dass ihn seine islamistische AKP in der kommenden Woche mit Großveranstaltungen unterstützt.

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Der Vorstand der Regierungspartei AKP hat der Öffentlichkeit nach ihrer Sondersitzung mitgeteilt, dass zwei „Großkundgebungen“ in Planung seien. Die erste AKP-Kundgebung werde am 15. Juni in Ankara und die zweite Kundgebung am 16. Juni auf dem Kazlıçeşme-Platz in Istanbul stattfinden.

Mit dieser Entscheidung könnte es zu einer weiteren Eskalation der Situation kommen. Denn ein Aufeinandertreffen von AKP-Anhängern und Regierungsgegnern ist dann nicht mehr ausgeschlossen.

Zusammenstöße in Ankara und Istanbul

Gleich nach Beendigung der Sondersitzung ist es in Ankara zu Zusammenstößen zwischen etwa 5000 Demonstranten und den Sicherheitskräften gekommen, berichtet die Hürriyet. Die Kämpfe sollen andauern. Die Polizei setze Wasserwerfer und Tränengas ein. Die Demonstranten sollen offenbar versucht haben, sich Zugang zum Regierungssitz des Ministerpräsidenten Erdoğan zu verschaffen. Auch im Gazi-Viertel von Istanbul fänden aktuell Ausschreitungen statt.

Zuvor wurde Erdoğan bei seiner Rückkehr von einem Staatsbesuch am Atatürk-Flughafen von Zehntausenden Menschen empfangen und gefeiert. Die Straßen Istanbuls waren völlig verstopft, weil Menschen aus allem Vierteln der Metropole zum Flughafen fuhren.

Kulturkampf und soziale Spannungen

Die Türkei ist in vieler Hinsicht gespalten: Stadt und Land, traditionelle Religiosität und westlicher Lebensstil, Arm und Reich. Es geht um den sozialen Konflikt zwischen der islamischen und sehr traditionellen Landbevölkerung und einer liberalen, an westlichen Lebensformen orientierten Stadtbevölkerung.

Traditionelle Gesellschaftsvorstellungen auf dem Land kollidieren mit eher an einer westlicher ausgerichteten Lebensweise der Stadtbevölkerung. Offenbar hat die Schlacht um die Zukunft der Türkei schon längst begonnen.

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