Proteste in Istanbul: Türkische Polizei geht erneut gewaltsam gegen Demonstranten vor

Die türkische Polizei hat am Montag abermals Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten eingesetzt. Im Istanbuler Bezirk Şişli kam es zu heftigen Zusammenstößen, nachdem eine Gruppe versucht hatte auf den Taksim Platz zu gelangen. In Ankara und Izmir verliefen die Zusammenkünfte der Gewerkschaften dagegen ohne Zwischenfälle.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der türkischen Polizei und den Demonstranten reißen nicht ab. Am Montag kam es im Istanbuler Bezirk Şişli erneut zu schweren Zusammenstößen. In der İstiklal Straße wurden, wie schon am vergangenen Wochenende, Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, um die Menschenmenge auseinander zu treiben.

Die Niederschlagungen durch die türkischen Sicherheitskräfte begannen in der Nachbarschaft von Osmanbey, nachdem eine Gruppe von Demonstranten versuchte, von dort aus auf den Taksim Platz zu gelangen. Dieser war, anders als noch am Morgen, nach einem Befehl des Istanbuler Gouverneurs für Fußgänger gesperrt worden. Eine illegale Versammlung, so Hüseyin Avni Mutlu am Mittag, werde auf dem Taksim Platz nicht mehr geduldet.

Polizei soll Plastikgeschosse eingesetzt haben

Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, habe die Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften der Türkei (DİSK) ihren Marsch mittlerweile beendet. Einige Gruppen hätten die Straßen darauf hin bereits verlassen. Andere hätten ihre Proteste jedoch fortgesetzt. Einige der Streikenden versammelten sich, um auf den Taksim-Platz zu kommen. Die Sicherheitskräfte hinderten sie allerdings daran. Daraufhin soll ein Teil der Gruppe versucht haben, sich der Anweisung zu widersetzen und auf den Platz zu gelangen. Die Polizei soll auch Plastikgeschosse verwendet haben, um die Demonstranten zurückzutreiben.

Friedliche Demos in Ankara und Izmir

Am Morgen hatte eine der größten Arbeitergewerkschaften in der Türkei, die Kamu Emekçileri Sendikaları Konfederasyonu (KESK), gemeinsam mit der Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften der Türkei (DİSK) zu einem Generalstreik aufgerufen. Die türkische Zeitung Zaman rechnete mit rund 800.000 Teilnehmern. Eine Demonstration in Ankara soll unterdessen friedlich verlaufen sein. Tausende, so berichtet ABC News, hätten auf dem Kizilay Platz Gewerkschaftsflaggen geschwungen. Zwar hätte die Polizei Warnungen in Richtung der Demonstranten ausgesprochen, doch nach gut drei Stunden hätten die Menschen den Platz friedlich verlassen. Auch in Izmir sollen Hunderte Demonstranten zusammengekommen sein.

Am Nachmittag drohte der stellvertretende türkische Premier Bülent Arınç mit dem Einsatz der türkischen Armee, falls Polizei und Gendarmerie der Lage nicht Herr werden sollten.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***


media-fastclick media-fastclick