Bad Banks: Deutsche Steuerzahler sitzen auf 600 Milliarden Euro-Zeitbombe

Das deutsche Finanzsystem ist keineswegs stabil. Faule oder nicht mehr liquide Vermögenswerte im Umfang von fast 600 Milliarden schlummern im Bankensystem: In den Bilanzen der Bad Banks und in bankeninternen Abteilungen.

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Die Zahl der faulen Kredite in den Bilanzen der südlichen Euroländer steigt stetig. Bei Frankreichs und Spaniens Banken tun sich immer neue Finanzlücken auf (hier). Doch auch das deutsche Bankensystem ist nicht frei von jeglichen Risiken. Toxische Papiere in Milliardenhöhe, größtenteils noch aus der Finanzkrise, befinden sich in den Portfolios der deutschen Banken.

Faule oder nicht mehr liquide Vermögenswerte in Höhe von etwa 580 Milliarden Euro schlummern noch immer in den Portfolios der deutschen Bad Banks und in internen Abteilungen von deutschen Geldhäusern, so Les Echos. Ende des Jahres 2008 waren es noch 940 Milliarden Euro. Dennoch ist noch nicht einmal die Hälfte der toxischen Papiere abgewickelt worden. Dazu gehören Derivate, Darlehen und andere Finanzprodukte. Ein immenses Risiko, das am Ende der deutsche Steuerzahler zu tragen hat.

Die Schrottpapiere der HRE beispielsweise landeten im Portfolio der FMS Wertmanagement. Von den damals so aufgenommenen Risikopapieren im Umfang von 176 Milliarden Euro sind noch immer etwa 137 Milliarden Euro verblieben.

Die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) hat die Risikopapiere der WestLB in Höhe von 200 Milliarden Euro. Bisher gelang es diese um 70 Milliarden Euro zu reduzieren. Dabei wurden jedoch Verluste in Höhe von 2,5 Milliarden Euro eingefahren. Was in etwa 80 Prozent ihres Kapitals entsprach. Theoretisch soll die EAA 2027 geschlossen werden. Angesichts der drohenden massiven Verluste durch die Abwicklung der restlichen toxischen Papiere ein schwieriges Unterfangen für die kommenden 14 Jahre.

Bei der teilverstaatlichten Commerzbank wurden bisher Schottpapiere mit einem Nennwert von 143 Milliarden Euro mittels einer internen Abteilung abgewickelt. Etwas weniger als die Hälfte des ursprünglichen Portfolios in Höhe von 289 Milliarden Euro. Angeblich geschah dies ohne Wertverlust. Darüber hinaus besteht aber zum Beispiel auch ein großes Risiko in der Bilanz der HSH Nordbank. Hier spielt die anhaltende Krise in der Schifffahrtsbranche eine nicht unerhebliche Rolle. Die Bank erwartet Verluste im Umfang von 4,5 Milliarden Euro bis 2025. Auch anderen deutschen Banken droht hier noch ein böses Erwachen (mehr hier).

Doch nicht nur die bereits als Giftmüll angesehenen Papiere in den Bilanzen der deutschen Banken sind problematisch. Auch die noch nicht als solche explizit der Öffentlichkeit als Risiko dargelegten Portfolios bürgen immense Gefahren: für das deutsche Bankensystem und den deutschen Steuerzahler. Äußerst besorgniserregend ist vor allem die Bilanz der Deutschen Bank. Da die Bank das Risiko ihres Portfolios teilweise selbst bewerten darf, steht sie unter den Basel III Regeln eigentlich ganz gut dar. Doch ein Blick in die Bilanz der Bank zeigt das Gegenteil: Riskante Wetten, Derivategeschäfte, im Umfang von 48 Billionen Euro hat das Geldhaus in den Büchern (mehr hier).

Eine ebenfalls merkwürdige Rolle spielt in Deutschland in diesem Zusammenhang Portigon, die  Nachfolgebank der WestLB. Diese verwaltet nach eigenen Angaben ein Derivate-Portfolio im Nennwert von 1,5 Billionen Euro (hier). Portigon zufolge liegt das Risiko dieses Portfolios jedoch allein beim Auftraggeber. Doch selbst wenn die 1,5 Billionen Euro nur verwaltet werden, stellt sich die Frage: Was sind das für Produkte? Wer sind die Auftraggeber? Sind es die anderen Landesbanken? Sind dies die Assets aus der Bad Bank EAA? Was muss der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) noch erwarten? Welches Risiko lauert hier für den deutschen Steuerzahler?

Mit Blick auf Europa sieht die Situation nicht besser aus. Insgesamt liegt der Nennwert der toxischen und nicht liquiden Papiere  allein in den Bilanzen der europäischen Bad Banks bei mehr als 1.000 Milliarden Euro (hier). Hinzu kommen noch faule Kredite im Umfang von geschätzten 720 Milliarden Euro, die sich nur in den Portfolios der jeweiligen nationalen Banken finden (mehr hier).

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