Antibiotika im Grill-Fleisch: Unsichtbare Gefahr für die Gesundheit

In Deutschland gibt es keinen ausreichenden Schutz gegen Übermengen von Antibiotika im Fleisch. Die Folgen sind langfristig beträchtlich: Bakterielle Organismen werden resistent. Wenn jemand erkrankt, hilft das herkömmliche Antibiotikum oftmals nicht mehr.

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Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Tiermast zieht große Probleme für die menschliche Gesundheit nach sich. Immer mehr bakterielle Organismen werden den Mitteln gegenüber resistent und können in der Humanmedizin nicht mehr mit den gängigen Methoden behandelt werden. Dadurch wird der Schutz von Infektions-Krankheiten durch Antibiotika massiv ausgehöhlt – meist, ohne dass die behandelnden Ärzte eine Ahnung haben, warum der Patient bei bestimmten Medikamenten keine Heilungserfolge erlebt.

Der Grund kann eine Bockwurst sein.

Oder ein Grill-Würstel.

Oder ein Steak.

In den vergangenen Jahren sei es in Europa zu einem explosionsartigen Anstieg resistenter Mikroorganismen gekommen, heißt es dazu in einer am Montag veröffentlichten Studie. Hauptursache sei der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Tiermast. In Deutschland werden dafür heute mehr als doppelt so viel Antibiotika eingesetzt wie im gesamten Humanbereich – nämlich 1700 Tonnen pro Jahr. Das fördere massiv die Entwicklung von Resistenzen.

Die im Auftrag der Grünen Fraktion im Europaparlament erarbeitete Studie sieht in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern mit starker Fleischproduktion große Versäumnisse. So hätten die Niederlande die Verkaufszahlen für Antibiotika im Tierbereich innerhalb von drei Jahren um 50 Prozent reduziert. Dänemark habe ein strenges Kontrollsystem eingeführt, bei dem Betriebe mit auffälligem Antibiotika-Gebrauch entsprechend bestraft werden. „In diesen Ländern hat Verbraucherschutz anscheinend Vorrang vor Wirtschaftsinteressen – anders als in Deutschland“, sagt die Autorin der Studie, Kathrin Birkel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

In Deutschland wird seit mehr als einem Jahr darüber diskutiert, das Arzneimittelgesetz zu ändern. Geschehen ist nichts – obwohl die Folgen des Antibiotika-Fleisches gravierend sein dürften: „Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einem Zeitalter, in dem Antibiotika gegen Bakterien nichts mehr ausrichten können. Die Regierung muss den Antibiotika-Verbrauch in der Landwirtschaft so eindämmen, dass die Gesundheit der Bürger und Bürgerinnen nicht aufs Spiel gesetzt wird“, so Birkel weiter. Grundvoraussetzung dafür sei die Förderung einer tiergerechten Haltung.

Als Zielvorgabe solle sich die EU bis zum Jahr 2018 selbst eine Reduktion des Antibiotika-Einsatzes in der Tierhaltung um 50 Prozent gegenüber dem Niveau von 2012 verschreiben. Als Mittel dazu wird unter anderem die Erfassung aller Antibiotika-Einsätze in der Tierhaltung in einer zentralen Datenbank gefordert. So soll verhindert werden, dass Länder mit strengeren Regeln von der Nachlässigkeit anderer Länder nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Deutschland ist noch weit von einem verantwortungsvollen Umgang mit den Antibiotika entfernt. Es empfiehlt sich beim Kauf von Fleisch, genau auf die Herkunft zu achten.

Beim Massen-Kauf des in den deutschen Schrebergärten beliebten Grill-Gutes gilt dagegen: „Über Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Landwirtschaftsministerin oder den Apotheker.“


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