Zweitgrößte Bank Italiens: Bailout-Gefahr massiv gestiegen

Die steigenden Zinskosten belasten Italien. Schon in sechs Monaten könnte Italien ein Bailout benötigen, warnt Italiens zweitgrößte Bank. Die Rezession und die hohen Schulden steigern das Risiko. Eine negative Entwicklung in Slowenien oder in Argentinien könnte Italiens Schicksal schnell besiegeln.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Schon bald könnte Italiens neuer Premier Letta gezwungen sein, auserechnet die unbeliebte Troika um ein Bailout ersuchen zu müssen (Foto: Consilium).

Schon bald könnte Italiens neuer Premier Letta gezwungen sein, ausgerechnet die unbeliebte Troika um ein Bailout ersuchen zu müssen (Foto: Consilium).

Die Ankündigung der Fed und die straffe Geldpolitik der Zentralbank Chinas haben weltweit für Kursrutsche gesorgt. In Folge dessen stiegen auch wieder die Renditen für die Länder Südeuropas. Besonders für Italien könnte dies schnell zu einem Bailout-Bedarf führen.

Die zweitgrößte italienische Bank, Mediobanca, warnt in einer vertraulichen Notiz an ihre Kunden, dass Italien schon in sechs Monaten ein Bailout brauchen könnte. Vor allem, wenn die Refinanzierungskosten weiter steigen. Der Index für das Bonitätsrisiko zeige deutliche Warnsignale, zitiert der Telegraph die Bank. „Die Zeit läuft schnell“, so der Top-Analyst der Bank, Antonio Guglielmi . „Die makroökonomische Situation hat sich im vergangenen Quartal nicht verbessert.“ Im Gegenteil, „rund 160 große italienische Unternehmen haben massive Finanzierungsschwierigkeiten“, so Guglielmi.

Italien sitzt auf einem Schuldenberg in Höhe 2,1 Billionen Euro und ist damit der weltweit drittgrößte Schuldner nach den USA und Japan. Bisher schützte das Land vor allem die geringe Verschuldung der italienischen Bevölkerung selbst. Doch die Rezession im Land dreht dies gerade um. Viele Italiener befinden sich neuesten Angaben zufolge nah an der Armut (hier).  In den vergangenen zehn Jahren, sei die Industrieproduktion um 25 Prozent gefallen und die verfügbaren Einkommen hätten sich um neun Prozent reduziert, heißt es in der Mediobanca-Notiz.

Die Zinskosten für zehnjährige italienische Anleihen sind um 100 Basispunkte auf mittlerweile 4,8 Prozent gestiegen.Bisher profitierte Italien wie Spanien von den Ankündigungen der EZB, wieder in den Anleihenmarkt einzugreifen. Doch die unklare Situation über die Geldpolitik der Fed und der Zentralbank Chinas wird derzeit noch verschärft durch das noch ausstehene Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Anleihekäufe der EZB. Die Rendite für Spanien kletterte auf 5,1 Prozent und für Portugal auf 6,7 Prozent.

Italien hatte in der Vergangenheit bereits von den alten Anleihekäufen (SMP) der EZB in großem Umfang profitiert.Trotzdem das Land noch kein Bailout-Programm hatte, kaufte die EZB von Italien mehr Anleihen als von Griechenland und Portugal (hier). Der Grund liegt auf der Hand, Italien ist das Rädchen am Wagen. Kracht es hier, wackelt die Eurozone gänzlich. Auch der neue Rettungsschirm ESM ist nicht groß genug, um ein Bailout für Italien zu finanzieren (mehr hier).

Ein notwendiges Bailout für Slowenien könnte ein italienisches Bailout ebenfalls schnell notwendig machen, so Mediobanca. Aber auch die Entwicklungen in Argentinien seien entscheidend, da die italienische Wirtschaft stark mit Argentinien verwoben sei. „Vor allem Argentinien macht uns Sorgen, weil hier eine neue Staatspleite sehr wahrscheinlich ist“, so Guglielmi. Argentinien kämpft mit der Rückzahlung von umgeschuldeten Anleihen, die zu Krisenzeiten Argentiniens nicht von einem Schuldenschnitt betroffen waren. Die Begleichung der auslaufenden Kredite könnte das Land an den Rand einer erneuten Inslovenz führen.

1992 befand sich Italien schon einmal in solch einer Krise. Doch anders als damals kann das Land diesmal die eigene Währung nicht abwerten. „Es könnte mehr als zehn Jahre dauern,bis Italien das Vorkrisenniveau erreicht“, schreibt Mediobanca.

Problematisch sind in diesem Zusammenhang auch die Prozesse gegen den ehemaligen Premier Berlusconi. Erst am Montag wurde dieser in erster Instanz erneut von einem Gericht schuldig gesprochen. Das  belastet die derzeitige Regierung und drückt ebenfalls auf den Anleihenmarkt (mehr hier).

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick