Türkei verfolgt Militär-Putsch in Ägypten mit Unbehagen

Ungewohnte Einigkeit in der Türkei: Kemalisten und die AKP von Premier Erdogan lehnen den Militär-Putsch in Kairo ab. Sie fürchten offenbar, dass auch in der Türkei Erinnerungen an die Zeit der Militär-Diktatur wach werden könnten.

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Während am Tahrir-Platz die Mursi-Gegner feierten, begann in den Seitenstraßen von Kairo die Jagd auf die Muslime. Zahlreiche Führer der Muslim-Brüder wurden verhaftet, der Rest befindet sich auf der Flucht.

Während am Tahrir-Platz die Mursi-Gegner feierten, begann in den Seitenstraßen von Kairo die Jagd auf die Muslime. Zahlreiche Führer der Muslim-Brüder wurden verhaftet, der Rest befindet sich auf der Flucht.

In der Türkei zeigen sich die AKP und die CHP in Bezug auf die Ereignisse in Ägypten ungewohnt einig. Beide Parteien unterstützen Präsident Mursi und warnen vor einem demokratischen Rückschritt.

„Ist Mursi in der Lage, sich gegen Panzer und Bomben zu wehren?“, so Hüseyin Celik, Vize-Vorsitzender der AKP. Mursis Haltung, sich gegen das Militär zu stellen, sei „bewundernswert“. An dem Putsch seien auch „ausländische Mächte“ beteiligt. „Einige westliche Länder, konnten nicht verkraften, dass die Muslimbrüder an die Macht gekommen sind“, sagt er. Die Lage in Ägypten ähnele der türkischen in den 60er und 80er Jahren, als es ebenfalls zu Militär-Diktaturen kam.

„Das ist ein Zeichen von Rückständigkeit. Dass sich dieses Bild in Ägypten zeigt, macht uns betroffen“, so Celik weiter.

Auch die CHP zeigt sich kritisch, äußerte sich jedoch weniger scharf. Der Vize-Vorsitzende Faruk Logoglu gab bekannt, dass seine Partei es wie in jedem Land nicht richtig finde, wenn sich das Militär in Regierungs-Angelegenheiten einmische. Die aktuellen Ereignisse würden den Demokratisierungsprozess, der in Ägypten seit dem Sturz von Mubarak angestoßen worden sei, zurückwerfen.

Egemen Bağış, türkischer Europaminister, lobt Mursis „Standhaftigkeit“ gegen alle Widerstände. Denn sogar die schlechteste Demokratie sei immer noch besser, als ein Militärputsch.

Es gebe große Unterschiede zwischen dem „blutrünstigen Diktator Mubarak“ und dem „demokratisch gewählten“ Präsidenten Mohammed Mursi. Schließlich seien rund zwei Drittel aller Ägypter auf der Seite des Präsidenten.

Unterstützung für Mursi gibt es teilweise auch seitens der türkischen Zivilgesellschaft. Das islamisch-konservative NGO, Özgür-Der, hat am Mittwoch eine Kundgebung zur Unterstützung von Mohammed Mursi veranstaltet.

Der Vorsitzender der Özgür-Der, Rıdvan Kaya, sagte, dass die Menschen auf dem Tahrir-Platz nicht die Mehrheit der Ägypter repräsentieren. „Seit dem Sturz Mubaraks hat es insgesamt vier demokratische Wahlgänge gegeben. Bei allen vier Wahlen hat das Volk mehrheitlich für die Muslimbrüder gestimmt“, zitiert die Zeitung Bugün Kaya.

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