Vernichtendes Urteil: Bürger halten die deutschen Medien für korrupt

Erstmals werden Medien in Deutschland als korrupter wahrgenommen als die öffentliche Verwaltung und das Parlament. Damit rangieren die Medien nur noch knapp hinter den politischen Parteien und der Privatwirtschaft. Weltweit hat die Korruption branchenübergreifend zugenommen.

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Die Kontrolleure sind korrupt: Die Deutschen stellen den Medien ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. (Grafik: Transparency International)

Die Kontrolleure sind korrupt: Die Deutschen stellen den Medien ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. (Grafik: Transparency International)

Die Ergebnisse des Globalen Korruptions-Barometers müssen die Medien in Deutschland und ihre Konsumenten alarmieren: Mehrheitlich halten die Deutschen die Medien in Deutschland für korrupt. Bei einer Umfrage von Transparency International mussten die Teilnehmer Fragen zum Thema Korruption beantworten. Auf einer Skala von eins (überhaupt nicht korrupt) bis fünf (höchst korrupt) erhielten deutsche Medien den Wert 3,6.

Fast überall auf der Welt hat das Ausmaß der Korruption zugenommen. (Grafik: Transparency International)

Fast überall auf der Welt hat das Ausmaß der Korruption zugenommen. (Grafik: Transparency International)

Das ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahres-Ergebnis (3,0). Damit haben die deutschen Medien fast zu den politischen Parteien (3,8) und der Privatwirtschaft (3,7)  aufgeschlossen. Die Medien werden erstmals korrupter eingeschätzt als die öffentliche Verwaltung und das Parlament (mit einem Wert von jeweils 3,4).

„Die kritische Berichterstattung durch die Medien spielt eine wichtige Rolle bei der Korruptionsbekämpfung“, sagte Edda Müller, Vorsitzende von Transparency International Deutschland. „Es ist daher ein alarmierendes Zeichen, wenn das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien zu sinken scheint.“

Für die Resultate wurden 114.270 Personen in 107 Ländern befragt. Weltweit gelten die politischen Parteien als korrupteste Institutionen. Aber auch absolut gesehen hat sich das Ausmaß der Korruption institutionenübergreifend und weltweit erhöht. Mehr als jeder vierte Befragte gab an, bereits mindestens einmal Schmiergeld bezahlt zu haben.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Michael Konken, hält es für „fatal“, wenn Leser, Zuschauer und Hörer den Eindruck gewinnen, dass nicht mehr sorgfältig zwischen Werbung und journalistischen Inhalten getrennt wird“, sagte er in einer Pressemitteilung.

Die weltweite Wahrnehmung der Korruption in verschiedenen Institutionen. In Deutschland liegt der Wert weit über dem internationalen Durchschnitt. (Grafik: Transparency International)

Die weltweite Wahrnehmung der Korruption in verschiedenen Institutionen. In Deutschland liegt der Wert weit über dem internationalen Durchschnitt. (Grafik: Transparency International)


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