USA: Nach Urteil wegen Mord an Jugendlichem drohen Ausschreitungen

Nachdem der Todesschütze eines schwarzen Teenagers freigesprochen wurde, ist es in den USA landeweit zu Protesten gekommen. Das Urteil sei rassistisch.

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George Zimmerman, Mitglied einer Bürgerwehr, hatte den unbewaffneten schwarzen Teenager Trayvon Martin erschossen. Ein Geschworenengericht befand ihn am Samstag für nicht schuldig. Die Proteste gegen den Freispruch Zimmermans führten am Wochenende landesweit zu Protesten. Demonstranten entzündeten Feuer, verbrannten US-Flaggen und schlugen Fenster und Polizeiautos ein, berichtet RT. Demonstrationen wurden aus San Francisco, Washington, New York und Chicago gemeldet. Die Polizei von Los Angeles wurde sogar in Alarmbereitschaft versetzt. Die Geschworenen hatten die Darstellung der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen, dass Zimmerman den Teenager verfolgt habe, weil er ihn wegen seiner Kleidung und seiner Hautfarbe für einen Kriminellen gehalten habe, berichtet die New York Times. Zimmerman sagte, er habe am 26. Februar in Notwehr auf Martin geschossen. Der Teenager habe ihn zu Boden geschlagen und seinen Kopf wiederholt auf den Bürgersteig geschlagen. Die Jury aus sechs Frauen befand Zimmerman nach drei Verhandlungswochen für nicht schuldig. Er habe das Recht gehabt, sich zu verteidigen. Denn unter den gegebenen Umständen habe er fürchten müssen, schwer verletzt oder gar getötet zu werden. Die Geschworenen entschieden im Zweifel für den Angeklagten, denn es gab kaum verwertbare Beweise und keine Augenzeugen. Der Fall begann als ein Routine-Mordfall in der Kleinstadt Sanford, doch entwickelte sich schnell zu einem landesweit umstritten Ereignis. Zimmerman wurde Rassismus vorgeworfen. Einen Monat nach dem Vorfall drückte sogar US-Präsident Barack Obama der Familie von Trayvon Martin seine Sympathie aus. Er sagte damals: „Wenn ich einen Sohne hätte, er würde aussehen wie Trayvon.“ Mit der Familie von Zimmerman zeigte Obama hingegen kein Mitgefühl. Zimmerman muss sich seit dem Vorfall verstecken, da ihm rassistisch motivierte Racheakte drohten. Auf dem Weg zum Gericht trug er eine kugelsichere Weste. Er hat 16 Monate voller Angst verbracht. Und ein Ende des Versteckens ist auch mit dem Urteil nicht abzusehen. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich circa hundert Demonstranten. Sie erhoben ihre Fäuste und riefen: „Keine Gerechtigkeit, kein Frieden!“ Eine Demonstrantin hielt, eine Packung Skittles, die Süßigkeit, die Martin am Abend seines Todes dabei hatte. Eine Stunde nach dem Urteil sagte sie noch immer schockiert: „Er hätte ins Gefängnis gehen müssen. Er hätte schuldig gesprochen werden sollen, schuldig, schuldig, schuldig.“ Benjamin Todd Jealous, Präsident der Schwarzen-Organisation N.A.A.C.P., sagte: „Wir sind empört und tief getroffen wegen des gestrigen Urteils.“ Zimmermans Anwalt Mark O’Mara sagte, sein Klient habe nichts Anderes getan, als eine Waffe zur Selbstverteidigung einzusetzen. Er sei auch kein Rassist gewesen. Wenn Zimmerman schwarz gewesen wäre, hätte man ihn wohl nie angeklagt, so der Anwalt. Ursprünglich hatte die Polizei im Rahmen ihrer Ermittlungen auch entschieden, Zimmerman nicht zu verhaften. Doch sechs Wochen später nahmen sie ihn doch fest, nachdem Bürgerrechtler sich für den Fall interessiert und gegen den Halb-Peruaner demonstriert hatten.

Update: Am Sonntag sagte das US-Justizministerium, es wolle das Urteil des Geschworenengerichts überprüfen.

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