Brüssel: Praktikanten bei Polit-Organisationen protestieren gegen Ausbeutung

Praktikanten der Brüsseler EU-Institutionen organisierten am Mittwoch gegen ungerechte Arbeitsbedingungen. Sie fordern eine faire Bezahlung der Praktika. Hier zeigt sich: Die Großen lassen es sich gut gehen, für das Fußvolk reicht es gerade mal für ein Sandwich.

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Vor dem EU-Parlament protestierten die Brüsseler Praktikanten gegen unfaire Arbeitsbedingungen. (Foto: BXL Intern)

Vor dem EU-Parlament protestierten die Brüsseler Praktikanten gegen unfaire Arbeitsbedingungen. (Foto: BXL Intern)

Die Praktikanten der in Brüssel angesiedelten politischen Organisationen protestierten am Mittwoch gegen die in ihren Augen unfaire Bezahlung. Etwa 100 Teilnehmer fanden sich dazu vor dem Europäischen Parlament ein, berichtet Euractiv.

Die Proteste wurden über die sozialen Medien organisiert. „Wann hattest du das letzte Mal etwas anderes als ein Sandwich zu Mittag?“, lautete das Motto. Neben der ungerechten Bezahlung kritisieren die Demonstranten außerdem, dass während der Praktika keine wirklichen Fähigkeiten vermittelt werden und Perspektiven für eine dauerhafte Anstellung fehlen.

Praktikumsstellen in Brüssel sind bei vielen Studenten und Uni-Abgängern in ganz Europ heiß begehrt. Die Organisatoren betonen dementsprechend, dass viele junge Arbeitnehmer über die Möglichkeit eines Praktikums in Brüssel froh seien.

Die EU hat den Leuten lang genug eingeredet, dass sie das Heil der Welt wäre.

Solange es nichts kostet und die Mitarbeiter keine Ansprüche stellen.

Nur selten sind die Arbeitsverhältnisse vertraglich geregelt und ordentlich bezahlt. Oft wird nur ein symbolischer Betrag bezahlt. Von einer fairen Abgeltung der Leistung kann nur selten die Rede sein. Ein halbjähriger Aufenthalt in Brüssel kann somit schnell zu einem Karriere-Abstecher werden, bei dem man noch draufzahlt.

Die Kampagne schließt alle Praktikanten in Brüssel ein, egal ob sie bei den EU-Institutionen, bei NGOs, internationalen Organisationen oder bei privaten Unternehmen tätig sind. Am häufigsten von schlecht bezahlten Praktika betroffen seien junge Arbeitnehmer aber bei den offiziellen EU-Institutionen, sagen die Protest-Organisatoren.

Die Praktikantenstellen entlasten die öffentlichen Budgets. So bietet etwa das Europäische Parlament gänzlich unbezahlte Praktika an. Weniger gespart wird bei den hochrangigen Mitarbeitern der Organisationen. In den letzten Monaten haben sich die EU-Beamten energisch gegen Kürzungen im Dienstrecht gewehrt, unter anderem auch mit Streiks (hier).

Der Konflikt zeigt, dass es mit der Moral der politischen Organisationen nicht weit her ist: Appelle an die Wirtschaft sind das eine, die gelebte Praxis das andere.

Beim Geld hört die Freundschaft auf.

Und bei den kleinen Leuten wie den Praktikanten lässt es sich am leichtesten sparen.

Ekelhaft.


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