Ökonom: Alpine-Pleite ist Glücksfall für Österreich

Durch die Insolvenz der Alpine Bau, Österreichs zweitgrößtem Bau-Unternehmen, verlieren 6.500 Arbeitnehmer ihren Job. Doch nicht alle in Österreich sehen die Mega-Pleite als Problem: Eine Marktbereinigung in der Baubranche scheint unumgänglich.

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Die Alpine-Pleite lässt die Konkurrenz im österreichischen Baugewerbe auf einen entspannteren Wettbewerb hoffen (Foto: Alpine Bau Deutschland AG)

Die Alpine-Pleite lässt die Konkurrenz im österreichischen Baugewerbe auf einen entspannteren Wettbewerb hoffen (Foto: Alpine Bau Deutschland AG)

Neben den allgemeinen Klagen über den Wegfall von Arbeitsplätzen nach der Pleite des österreichischen Baukonzerns Alpine gibt es auch Unternehmen, die von den Ereignissen profitieren: Zahlreiche kleine und mittlere österreichischen Bauunternehmen sind in den vergangenen Wochen eingesprungen und haben sich Aufträge geschnappt, die die Alpine nicht mehr zu Ende führen konnte.

Der Kollaps des zweitgrößten Bauunternehmens des Landes könne eine notwendige Konsolidierung der Branche bringen, sagt Christian Keuschnigg, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts IHS. Für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung habe die Alpine-Pleite hingegen keine schlimmen Auswirkungen.

Die Alpine plagen nach eigenen Angaben Schulden in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Ende Juni stellte der im Eigentum des spanischen Mischkonzerns FCC stehende Konzern deshalb einen Insolvenzantrag. Die Gründe dafür liegen vor allem in der kostspieligen Expansion nach Deutschland, Italien und vielen osteuropäischen Ländern (mehr hier). Dabei verhob man sich gleich mit einer ganzen Reihe an uferlosen Großprojekten.

Bisher gilt der Bau-Bereich in Österreich als deutlich überdimensioniert, sagte Keuschnigg in einem Interview für die New York Times. „Eine Markt-Reinigung ist mehr als willkommen“, so der Wirtschaftsforscher. Und weiter: „Die herausfallenden Unternehmen geben den anderen Mitbewerbern die Chance auf eine stärkere Robustheit in dem aktuell schwierigen wirtschaftlichen Umfeld“.

Auch andere Analysten gehen davon aus, dass die meisten der 6.500 Alpine-Angestellten von konkurrierenden Bau-Unternehmen übernommen werden, genau wie die laufenden Projekte. Der Schaden für die österreichische Wirtschaft dürfte sich also in engen Grenzen halten. Das war auch der österreichischen Bundesregierung bekannt, als sie kurz nach Bekanntwerden der Pleite ein Konjunkturpaket in Höhe von 1,5 Milliarden Euro verabschiedete. Die Ankündigung war mit Blick auf die im September stattfindende Nationalratswahl mehr ein Geschenk an die Wähler.

„Langfristig wird der Bau-Sektor in Österreich größere strukturelle Anpassungen durchmachen“, sagt auch Michael Peneder, Vize-Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO. „Das bedeutet unausweichlich weniger Arbeitsplätze im Baugewerbe“, so Peneder.

Für Keuschnigg ist diese Entwicklung durchaus willkommen. Das österreichische Baugewerbe habe zu viele Kapazitäten, die Aussichten auf dem Markt seien sehr schlecht. „Ein Markt mit zu hohem Umfang kann immer eine Säuberung gebrauchen“, so der IHS-Chef. „Das ist ein gutes Zeichen für die Industrie – die anderen Unternehmen können wachsen“. Die Alpine-Konkurrenz wird dem kaum widersprechen.

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