Krise fordert Menschenleben: Folgen eines mörderischen Plans

Die finanziellen Folgen für viele Bürger in den südeuropäischen Ländern haben dramatische Auswirkungen. So ist in Italien die Zahl der Selbstmorde im ersten Quartal dieses Jahres um 40 Prozent gestiegen. In Griechenland starb eine Lehrerin, nachdem ihr mitgeteilt wurde, dass sie auf der Liste jener steht, die gekündigt werden müssen.

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Für viele Europäer hat die Krise existentielle Folgen. Etliche, die Job und Perspektive verloren haben, sehen keinen Ausweg mehr. (Foto: DWN)

Für viele Europäer hat die Krise existentielle Folgen. Etliche, die Job und Perspektive verloren haben, sehen keinen Ausweg mehr. (Foto: DWN)

Die Euro-Krise bringt viele Europäer in existentielle Probleme.

Nach Griechen, Iren, Spaniern und Portugiesen bekommen nun die Italiener zu spüren, wie schwierig die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist.

Zwar unterliegt Italien noch keinem Bailout-Programm, doch die Folgen der Rezession sind jetzt schon gravierend. 15 Millionen Italiener sind von akuter Armut bedroht (hier). Diese Situation hat dramatische Auswirkungen, wie der aktuelle Bericht Global Rights 2013 zeigt. Demnach hat ich die Selbstmordrate im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahresquartal um 40 Prozent erhöht.

In Italien ist die Selbstmordrate vor allem bei Unternehmen von kleinen und mittleren Betrieben auffallend hoch. Viele Unternehmen sehen keinen Ausweg aus der Schuldenfalle und sind daher zum Äußersten entschlossen.

Bei fast der Hälfte der Selbstmorde wird die wirtschaftliche Situation als Grund angegeben, zitiert die italienische Nachrichtenagentur Ansa den Bericht. Der Verlust der Arbeit wurde in 28,1 Prozent der Fälle angegeben. In den vergangenen 15 Monaten begingen 121 Menschen in Italien Selbstmord – allein 32 davon in den ersten drei Monaten des Jahres 2013, so Sergio Segio, der für die Studie zuständige Analyst.

In Griechenland sind durch das Bailout-Programm ebenfalls sehr viele Bürger von Schicksalsschlägen betroffen. Erst jüngst winkte das Parlament die geforderte Massenentlassungen im Öffentlichen Dienst durch (hier). Wie hoch die Belastung ist, zeigt sich an der kürzlich verstorbenen Kleopatra Kapsahati. Sie war Lehrerin für Krankenpflege an der Technischen Hochschule von Tyrnavos in Larissa. Sie verstarb am 27 Juli.

Kleopatra Kapsahati hatte kurz zuvor gebeten, aus dem Mobilitäts-Programm ausgenommen zu werden. Das Mobilitäts-Programm hätte bedeutet, neun Monate lang nur 75 Prozent des normalen Gehalts und im Anschluss daran die Kündigung zu erhalten. Ihre Bitte, nicht in das Programm gesteckt zu werden, wurde jedoch abgelehnt. Keeptalkinggreece.com, berichtet, dass die Lehrerin wenig später verstarb. Vor eineinhalb Jahre musste sie sich einer Bypass-Operation unterziehen. Kleopatra Kapsahate war eine von insgesamt 121 Lehrern der Technischen Hochschule, die in das Mobilitäts-Programm transferiert werden sollte.

Anfang Juli hatte sich ein griechischer Fernseh- und Theaterregisseur das Leben genommen. Er war 55 Jahre alt und es gelang ihm in den vergangenen Jahren nicht mehr, auch nur einen Vertrag an Land zu ziehen. Einen Tag zuvor erhängte sich eine 39-jährige Mutter von zwei Kindern. Eine weitere Frau, die sich mit Tabletten das Leben nehmen wollte, konnte am selben Tag noch im letzten Moment gerettet werden, so keeptalkinggreece.com. 2011 stieg die Selbstmordrate in Griechenland um 26,5 Prozent. 2010 hatte Griechenland Eurostat zufolge noch eine der niedrigste Selbstmordraten der EU: 2,9 Prozent

In Spanien verloren seit Beginn der Krise über 350.000 Bürger wegen nicht bezahlter Hypotheken ihr Zuhause. Viele begingen Selbstmord. Anfang März starb ein 50-Jähriger Mann in Bilbao, nachdem er aus dem vierten Stock seines Hauses gesprungen war. Seine Wohnung sollte wegen nicht bezahlter Miete zwangsgeräumt werden. In Spanien werden pro Tag 500 Immobilien zwangsgeräumt (mehr hier). Nach dem Selbstmord des Mannes setzte die Regierung die Zwangsräumungen aus.


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