Mit Autos für den Massenmarkt ist kaum noch Geld zu verdienen

Porsche, Maserati und Ferrari verdienen in Europa weitaus mehr pro Fahrzeug, als Massenhersteller. Ford und Fiat fahren sogar Verluste ein. Entscheidend für die Profitabilität einer Marke ist die Auslastung ihrer Werke. Nach diesem Wert ist ein Ende der Krise der Branche nicht abzusehen.

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Die Auslastung der Fabriken ist entscheidend für die Automobil-Industrie. Die Amerikaner haben hier große Probleme, wie man bei Ford sehen kann. (Foto: Ford)

Die Auslastung der Fabriken ist entscheidend für die Automobil-Industrie. Die Amerikaner haben hier große Probleme, wie man bei Ford sehen kann. (Foto: Ford)

Der Premiumhersteller Porsche verdient pro Fahrzeug 16.590 Euro in Europa. Auch Ferrari und Maserati können sich über hohe Erträge freuen (15.000 Euro pro Fahrzeug). Bei den Massenherstellern ist zum Teil das Gegenteil der Fall. Ford Europa macht pro Fahrzeug 843 Euro Verlust. Auch Peugeot Citroen und Fiat schreiben rote Zahlen pro Fahrzeug. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer.

In der Studie, die Dudenhöffer an der Universität Duisburg-Essen durchgeführt hat, werden die Bilanzen der Konzerne nach den verschiedenen Marken und Fahrzeugen aufgeschlüsselt. Fahrzeugfinanzierungen oder andere Produkte der Marken werden aus der Rechnung herausgenommen. Dadurch werden die Einnahmen pro Fahrzeug und Hersteller transparent. Es stellt sich heraus, dass der Automobilmarkt einer Zwei-Klassen-Gesellschaft gleicht, die sich in Premium- und Massenhersteller aufgliedert.

Auf Platz drei bei den Premiumherstellern liegt Audi (3.821 Euro), gefolgt von BMW (3.495 Euro) und Mercedes (2.012 Euro). Bei den Massenherstellern liegt Toyota ganz weit vorn. Pro Fahrzeug verdient der japanische Konzern 1.801 Euro und liegt dabei vor seinen Konkurrenten Hyundai (1027 Euro), Kia (911 Euro) und Nissan 861 Euro). Volkswagen verdient noch 629 Euro pro Fahrzeug.

Die Verlierer holen auf

Die Marken, die im Vorjahr noch Verluste gemacht haben, konnten diese Verluste deutlich reduzieren. Opel-Vauxhall hat seinen Verlust um die Hälfte reduziert (von 834 auf 414 Euro), ebenso wie Seat (von 364 auf 164 Euro) und Fiat (von 384 auf 130 Euro). Die Verlustbremse sei eine Folge der Restrukturierungsmaßnahmen der Hersteller. Für die Einfuhr von Gewinnen ist es aber noch zu früh, der europäische Automarkt befindet sich in der stärksten Krise seit 20 Jahren (mehr hier).

Die Unterschiede bei den Gewinnmargen haben verschiedene Gründe. Dabei sei es „nicht so, dass ein Autobauer mit hohen Gewinnen die Kunden über den Tisch zieht“, sagte Dudenhöffer einem Bericht von Format zufolge. Vielmehr komme es darauf an, wie stark die Werke ausgelastet sind. Danach ist das Image der Marke entscheidend: „Wenn die Marke profiliert ist, darf es auch beim Preis ein bisschen mehr sein“, sagt Dudenhöffer.

Das Image des Herstellers Opel hat durch die schlechte Finanz-Situation des Mutterkonzerns General Motors gelitten. In Bochum ist aufgrund der schwachen Nachfrage in Europa das Opel-Werk geschlossen worden (hier). Auch andere Hersteller haben die Situation erkannt. Daimler hat in der zweiten Hälfte 2012 in manchen Werken Zwangsurlaub verordnet (hier). Insgesamt liegt die Werksauslastung in Europa derzeit nur bei 58 Prozent (hier). Weitere Werksschließungen können nicht ausgeschlossen werden.

Ein weiterer Grund für die Krise am Automobilmarkt ist die hohe Arbeitslosigkeit in Europa. Der Preis für ein Neufahrzeug ist selbst für Arbeitende eine hohe Belastung. Zudem kommt hinzu, dass die Banken in Europa nur noch zu schlechten Konditionen Kredite vergeben. Es ist daher abzusehen, dass der Absatzmarkt für Neufahrzeuge nie wieder auf das Vorkrisen-Niveau zurückfinden wird (mehr hier).

Der Autopapst Ferdinand Dudenhöffer lobt die Sparmaßnahmen der Massenhersteller. Viele Marken schreiben dennoch rote Zahlen für jedes Fahrzeug, das vom Band geht. (Screenshot: Youtube)

Der Autopapst Ferdinand Dudenhöffer lobt die Sparmaßnahmen der Massenhersteller. Viele Marken schreiben dennoch rote Zahlen für jedes Fahrzeug, das vom Band geht. (Screenshot: Youtube)

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