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Weidmann-Plan: Der große Zahltag für Steuerzahler und Sparer kommt

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat ein Konzept vorgelegt, wie die Risiko-Banken und die Schulden-Staaten gerettet werden sollen. Die gute Nachricht: Dieses Konzept wird funktionieren. Die schlechte Nachricht: Die Bürger werden als Steuerzahler und als Sparer bezahlen.

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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist gerne gesehener Gast in Berlin, hier am Kabinettstisch im Kanzleramt. Er hat nun einen Weg gefunden, wie er es allen recht machen kann. Naja, fast allen. (Foto: DWN/Laurence Chaperon)

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist gerne gesehener Gast in Berlin, hier am Kabinettstisch im Kanzleramt. Er hat nun einen Weg gefunden, wie er es allen recht machen kann. Naja, fast allen. (Foto: DWN/Laurence Chaperon)

Weltweit suchen die Zentralbanken Lösungs-Konzepte für die globale Schulden-Krise.

Alle Marktteilnehmer verfolgen derzeit jeden Wimpernschlag eines Zentralbankers – in der Hoffnung, an den hochgezogenen Augenbrauen die Marschrichtung für den Notausgang zu erkennen.

Die Nervosität zeigt, wie hoch der Einsatz ist, mit dem gepokert wird. Jedwede Ankündigung eines Zentralbankers hat Folgen – obwohl die Zentralbanker eigentlich nur eine ordnungspolitische Rolle spielen sollten. Das Gegenteil ist der Fall: Die exzessive Geldpolitik der Notenbanken in aller Welt ist zum moralischen Vabanque-Spiel verkommen.

Denn durch das billige Geld wurden keine Produkte oder wirtschaftlichen Werte geschaffen. Die Folgen waren lediglich die Erhöhung der Preise von Assets. Durch die unkontrollierten internationalen Verflechtungen wurde die Inflation in die Schwellenländer exportiert (hier). Eine andere Alternative ist die Deflation, wie sie sich zwangsläufig abzeichnet.

Die Zentralbanker können die Folgen ihres Tuns nicht mehr kontrollieren.

Aber man sollte die Zentralbanken nicht unterschätzen.

Sie robben sich an den Exit heran.

In dieser unübersichtlichen Lagen besinnen sich die Zentralbanken auf ihre Rolle als Diener zweier Herren. Sie müssen den Banken dienen und den Schulden-Staaten.

Als Retter für beide kommen nur zwei Gruppen in Frage: Die Steuerzahler oder die Sparer.

Und um diese beiden Gruppen wird die Schlinge gelegt.

Immer fester zieht sie sich zu.

Die Zentralbanken sind per Mandat keine Anwälte des Volkes. Sie tragen zwar das Mantra der Preisstabilität vor sich her. Doch ihre Politik bewirkt das Gegenteil: Die reale Inflation ist mittlerweile deutlich höher als jene Werte, die die Zentralbanken immer verkünden (mehr hier).

Bald muss irgendwer die Rechnung bezahlen.

Das werden entweder die Banken sein oder die Schulden-Staaten – so scheint es.

Aber ist es wirklich so?

In einer Rede am Montag bei der Botschafterkonferenz 2013 in Berlin ergriff Bundesbank-Präsident Jens Weidmann Partei für beide Parteien. 

Seine Rede ist ein Meisterwerk der Waidmanns-Kunst.

Denn Weidmann sagt die Wahrheit.

Doch er tut es so, dass diejenigen, die eigentlich aufheulen müssten, gar nicht mitbekommen, wohin der Hase läuft.

Waidmann Weidmann hat eine Formel gefunden, mit der auf den ersten Blick Banken und Staaten gleichmassen für die schönen Tage im Finanz-Kasino zahlen müssen.

Aber das ist nur der erste Blick.

Zunächst attackiert Weidmann scheinbar die Schulden-Staaten.

Weidmann verlangt, dass die von den Banken in den Krisenstaaten angekauften Staatsanleihen mit mehr Eigenkapital zu unterlegen sind. Dies sei für die Sicherung der Finanzstabilität aber noch nicht ausreichend: „Ein wichtiger Grundsatz für Anleger lautet: Risiken streuen“, so Weidmann. „Doch wenn es um Staatsanleihen geht, lassen europäische Banken diese Regeln oftmals außer Acht.“

Noch hielten viele europäische Banken in ihren Büchern zu viele Staatsanleihen, meist die ihres Heimatlandes, sagte Weidmann. Hieraus entstehe jedoch eine enge Verbindung zwischen Kreditinstituten und Staaten, die Risiken für die Finanzstabilität berge. „Denn strauchelnde Staaten können Banken mit sich reißen, die große Bestände an Staatsanleihen halten“, so Weidmann.

Weidmann präzisierte nicht, woher das vermehrte Kapital zur „Absicherung“ der Schrottpapiere in den Banken der Krisenländer kommen soll. Bekanntlich sind die Banken in der Peripherie am höchsten verschuldet. Dazu zählen auch die landeseigenen – zu großen Teilen schrottreifen – Staatsanleihen. Spanien, Irland, Italien und Zypern gelten hier als Beispiele.

Worauf Weidmann abzielt: Noch immer werden die von den Banken der eigenen Heimatländer gehaltenen schrottreifen Staatsanleihen in den jeweiligen Bankbilanzen als gänzlich risikofrei eingestuft.

In Wirklichkeit sind diese von den Banken der Krisenstaaten gehaltenen Staatsanleihen jedoch ein beträchtliches Risiko und stellen somit das größte Gefahrenpotential in deren Bilanzen dar.

Denn keine Anlegerinstitution auf der ganzen Welt wird diese in den Banken gebunkerten Staatsanleihen erwerben wollen. Es sei denn, die EZB müsste auf Geheiß der Eurostaaten besagte Schrott-Anleihen aufkaufen. Und die EZB hat mittels ihres früheren SMP-Programms (Securities Markets Programme) bis einschließlich Mai 2012 bereits Anleihen der Euro-Krisenländer in Höhe von 214 Milliarden Euro in ihrer Bilanz.

Nun fordert Weidmann, dass die Banken entlastet werden – und zwar durch „Großkreditgrenzen für einzelne staatliche Schuldner. Sie sind eine notwendige Ergänzung zur angemessenen Risikogewichtung.“

Das heißt: Staaten sollen nicht mehr unbegrenzt Schulden machen können.

1:0 für die Banken.

Doch Weidmann wäre nicht das Sprachrohr von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble, wenn er nicht auch die Interessen der Politik im Auge hätte. Daher erneuerte Weidmann die inzwischen allgemein bekannte Ankündigung, dass nicht mehr die Steuerzahler die Banken retten sollen, sondern die Bank-Kunden mit der Zwangsabgabe. Er tat dies mit einer Selbstverständlichkeit, die man daran erkennen kann, dass er die Zwangsabgabe gewissermaßen en passant erwähnte. Weidmann kleidete die bittere Wahrheit in technokratische Worte, die man leicht überhören kann:

„Daher brauchen wir den europäischen Restrukturierungs- und Abwicklungsmechanismus. Er soll gewährleisten, dass im Restrukturierungs- und Abwicklungsfall die Eigentümer und Gläubiger der Banken hinreichend an den Verlusten beteiligt werden. So ist sichergestellt, dass derjenige, der vom Ertrag einer Anlage profitiert, die Verantwortung für ihr Risiko übernimmt.“

Damit ermöglicht es Weidmann den Schulden-Staaten, zumindest im Fall einer Banken-Pleite die Steuerzahler zu schonen.

Statt der Steuerzahler sollen künftig die Bank-Kunden haften.

Man nennt die Bankkunden neuerdings die Gläubiger einer Bank.

Banken:Staaten – 1:1

Der Deal, den die Zentralbanken zwischen den Risiko-Banken und den Schulden-Staaten zu vermitteln suchen, bekommt also immer deutlichere Konturen.

Die Staaten werden als Risiko eingestuft. Daher verteuern sich die Kredite, die Staaten von den Banken erhalten.

Die höheren Kosten dafür tragen Merkel, Schäuble und Sigmar Gabriel aus eigener Tasche die deutsche Steuerzahler.

Die Banken müssen für ihr eigenes Risiko vorsorgen. Die Kosten im Crash-Fall zahlen die Herren Jain, Fitschen, Blessing sowie alle Bank-Vorstände aus eigener Tasche die deutschen Bankkunden.

Das ist ein bestechendes Konzept: Weder die Staaten, noch die Banken müssen dafür geradestehen, wenn sie die ihnen anvertrauten Institutionen in den Abgrund manövrieren.

Dafür gibt es den Souverän. Er wird, wegen der historischen Dimension des zu erwartenden Fiasko doppelt bezahlen: Als Steuerzahler und als Bank-Kunde.

Für den Souverän gibt es zwei Auswege: Er kann auswandern und sein Geld komplett von der Bank abheben.

Auswandern ist für den Staatsbürger in der Regel mit einigen wirtschaftlichen Komplikationen verbunden. Man kann verstehen, dass sich nur wenige Bürger zu diesem Schritt aufraffen.

Weniger gut kann man verstehen, dass die Bank-Kunden weiterhin seelenruhig ihr Geld auf den Banken lassen, obwohl die Warnungen praktisch im Wochenrhythmus öffentlich ausgesprochen werden.

In der Schweiz hat die Bankenaufsicht sogar schon Summen für Crashs bei den Großbanken genannt (mehr dazu hier).

Weil also in beiden Fällen die Bürger in die Falle tappen müssen, kann man bei dem Rettungsplan Weidmanns, der die EU-Pläne weiter konkretisiert, getrost von einem doppelten Blattschuss reden.

Der eigentliche Sieger dieser Pirsch wären die Zentralbanken. Sie hätten alle Probleme gelöst und könnten wieder zur Tagesordnung übergehen. Weidmanns Fazit:

„Dann wird es gelingen, Geldpolitik in der Währungsunion wieder zu einer langweiligen Aufgabe zu machen. Und wie Mervyn King mit seiner Aussage ,boring is best‘ ganz richtig bemerkte, gibt es nichts, was wir Notenbanker uns sehnlicher wünschen.“

Zentralbanken gegen den Rest der Welt: 2:0

So sehen Sieger aus.

Weidmanns Heil!

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Zentralbanken können der Weltwirtschaft nicht mehr helfen
Zentralbanken können der Weltwirtschaft nicht mehr helfen
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht die Zentralbanken am Ende ihrer Möglichkeiten – mit ihrer expansiven Geldpolitik ließe sich die Weltwirtschaft nicht mehr stimulieren. Dringend notwendig sei eine radikale Neuausrichtung und ein Abbau der hohen Schulden.
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Fed-Chefin Janet Yellen, EZB-Präsident Mario Draghi und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei G7-Treffen 2016 in Japan. Die Zentralbanken der G7-Staaten müssen sich dringend ein neues Konzept einfallen lassen. (Foto: dpa)

Fed-Chefin Janet Yellen, EZB-Präsident Mario Draghi und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei G7-Treffen 2016 in Japan. (Foto: dpa)

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – eine Art Zentralbank der Zentralbanken – plädiert für eine grundlegende wirtschaftspolitische Neuausrichtung. Anders sei der Abschwung der Weltwirtschaft und die hohe Verschuldung nicht mehr in den Griff zu bekommen, schreibt die BIZ in ihrem aktuellen Jahresbericht.

Eine „riskante Dreierkonstellation“ aus einem ungewöhnlich niedrigen Produktivitäts-Wachstum, beispiellos hohen Schuldenständen weltweit und einem äußerst engen wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum verhindere eine nachhaltige Erholung der Weltwirtschaft nach der Krise von 2008/2009, so die BIZ.

Zwar „lag das globale BIP-Wachstum pro Person im erwerbsfähigen Alter leicht über seinem historischen Durchschnitt, und die Arbeitslosenquoten waren im Allgemeinen rückläufig“, von einer grundlegenden Erholung der Volkswirtschaften könne aber keine Rede sein, schreibt die BIZ. Dafür machen die Ökonomen insbesondere die Nachwirkungen zahlreicher Auf- und Abschwünge an den Finanzmärkten und den immensen Schuldenaufbau verantwortlich.

Während die Industrieländer kaum nennenswerte Impulse lieferten, kühle sich gleichzeitig das Wachstum in den aufstrebenden Schwellenländern ab. „In den rohstoffexportierenden aufstrebenden Volkswirtschaften verstärkte der Abschwung im inländischen Finanzzyklus zumeist den Verfall der Exportpreise und die Währungsabwertungen, während sich gleichzeitig die Wirtschaftslage verschlechterte. Im Allgemeinen verschärfte der restriktivere Zugang zu Dollarmitteln diese Entwicklungen noch“, heißt es im Jahresbericht.

Die Zentralbanken, so die BIZ, hätten ihre Möglichkeiten fast ausgeschöpft und seien offenbar nicht mehr in der Lage, nachhaltige Impulse für die Realwirtschaft zu liefern. Zwar unterstütze eine expansive Geldpolitik die Volkswirtschaften prinzipiell, aber ihr Handlungsspielraum werde immer enger und eine Normalisierung der Geldpolitik immer weiter verschoben. Das Phänomen von Null- oder Negativzinsen als Konsequenz verzerre die Märkte und stelle Sparer und Anleger vor ernsthafte Schwierigkeiten: „Die inflationsbereinigten Leitzinssätze sind noch weiter unter null gefallen und verlängern damit die längste Negativzinsphase seit dem Zweiten Weltkrieg.  Diese Zinssätze sagen einiges aus: Die Marktteilnehmer blicken mit einer gewissen Besorgnis in die Zukunft; trotz der massiven Zentralbankmaßnahmen seit der Krise verharrt die Inflation hartnäckig auf niedrigem Niveau und das Produktionswachstum ist enttäuschend; und von der Geldpolitik wird schon viel zu lange zu viel verlangt.“

Die Schulden, beklagen die BIZ-Ökonomen, nähmen weltweit unvermindert zu und würden Unternehmen und Staaten an Investitionen hindern. Dieser Befund ist eigentlich keine Neuigkeit: es ist bekannt, dass ein auf Zinseszinsen aufgebautes Finanzsystem zwangsläufig zur Folge hat, dass sich immer größere Guthaben ansammeln, während die Schulden spiegelbildlich weiter anwachsen. „In den von der Krise am stärksten betroffenen fortgeschrittenen Volkswirtschaften stand einer begrüßenswerten Verringerung bzw. Stabilisierung der Verschuldung des privaten Sektors tendenziell ein weiterer Anstieg der Verschuldung des öffentlichen Sektors gegenüber. In anderen Ländern nahm die Verschuldung im privaten Sektor entweder im Gleichklang mit der Verschuldung im öffentlichen Sektor zu oder ihr Anstieg überwog den Schuldenabbau im öffentlichen Sektor“, lautet der Befund der BIZ.

Die BIZ plädiert für eine grundlegende und international koordinierte Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik. Diese gehe mit einer Entlastung der Geldpolitik einher. Um harte Strukturreformen kämen die allermeisten Staaten nicht mehr herum. Diese sollten zudem die verbliebenen fiskalischen Spielräume nutzen, um Schulden abzubauen.

Die Zentralbanken der G7-Staaten haben nach Angaben der Gruppe Schritte eingeleitet, um eine angemessene Liquidität zu gewährleisten und das Funktionieren der Märkte zu unterstützen. Die G7 gingen weiter davon aus, dass die britische Wirtschaft und der Finanzsektor widerstandsfähig blieben.

IWF-Chefin Christine Lagarde fordert die Verantwortlichen in Großbritannien und Europa auf, bei der Gestaltung der neuen Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Königreich und der EU nach dem Brexit auf einen sanften Übergang hinzuarbeiten (Video am Anfang des Artikels). Sie befürworte die Maßnahmen der Bank of England und der EZB, das Bankensystem mit ausreichend Liquidität zu versorgen.

„Volksverräter“: Bundespräsident Gauck in Sachsen massiv beschimpft
„Volksverräter“: Bundespräsident Gauck in Sachsen massiv beschimpft
Am Rande des Deutschen Wandertages kam es zu Tumulten bei einem Besuch von Bundespräsident Gauck. Gauck wurde beschimpft. Es wurden Bonbons in Richtung des Bundespräsidenten geworfen.
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Polizeischutz für Bundespräsident Joachim Gauck. (Foto: dpa)

Polizeischutz für Bundespräsident Joachim Gauck. (Foto: dpa)

Eine aggressive Menschenmenge hat Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Besuch im ostsächsischen Sebnitz heftig beschimpft und beleidigt. Mit Sprechchören wie „Hau ab“ und „Volksverräter“ wurde das Staatsoberhaupt am Sonntag beim 116. Deutschen Wandertag in der Kleinstadt in der Sächsischen Schweiz empfangen.

Einige Demonstranten zeigten den Mittelfinger oder trugen Fahnen mit der Aufschrift „Das Pack grüßt Gauck“ oder „Willkommen in Dunkeldeutschland“. Bonbons und Trillerpfeifen wurden in Richtung Gauck geworfen.

Bereits im März war Gauck bei einem Besuch im sächsischen Bautzen beschimpft und beleidigt worden. Damals hatte er mit Bürgern über die Flüchtlingskrise diskutiert. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesjustizminister Heiko Maas haben bereits in Sachsen ähnliche Fälle von aggressiver Stimmung erlebt.

In Sebnitz wurde Gauck nach Angaben der Polizei am Sonntag von etwa 30 Menschen „verbal attackiert“. Eine Person sei in Gewahrsam genommen worden und habe Widerstand geleistet. Dabei wurde nach Polizeiangaben Reizgas eingesetzt. Ein Umstehender musste anschließend behandelt werden.

Von mehreren Störern seien die Personalien festgestellt worden. 250 Menschen hätten auf dem Wanderfest friedlich gefeiert. Augenzeugenberichten zufolge kam es zwischen Gauck-Gegnern und Besuchern des Wandertages zu tumultartigen Szenen.

Der Bundespräsident versuchte, sich bei seinem Besuch nicht von der aggressiven Stimmung beirren zu lassen. Mit dabei waren auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt.

Eine Sprecherin Gaucks bestätigte, dass es sehr heftige verbale Angriffe gegeben habe. „Das war nicht schön.“ Es habe aber auch Beifall gegeben. Gauck habe es zur Kenntnis genommen und freundlichen Menschen die Hand gereicht.

Ministerpräsident Tillich nannte die Verbalattacken gegen Gauck unwürdig. „Ich finde es beschämend, dass Menschen zusammenkommen, um den Bundespräsidenten persönlich zu beleidigen und zu verunglimpfen“, erklärte er.

Justizminister Maas nannte die Verbalattacken erschreckend und verstörend. „Wer so agiert wie die Störer von Sebnitz und anderswo, hat jegliches Interesse an einer sachlichen Auseinandersetzung verloren“, sagte Maas am Sonntag. „Da geht es nur noch um gezielte Provokation und persönlichen Frustabbau.“

Gelassener nahm es dagegen der Oberbürgermeister von Sebnitz, Mike Ruckh (CDU): „Das ist wie bei einem Gewitter. Da schüttelt man sich und dann geht es wieder weiter“, sagte er laut MDR.

Banken melden erneut hohe Aktien-Verluste
Banken melden erneut hohe Aktien-Verluste
Auch am Montag hat sich die Negativserie für Aktien europäischer Banken fortgesetzt. Mehrere Geldhäuser meldeten neue historische Tiefstände – darunter auch die Deutsche Bank. Hier finden Sie eine Liste der wichtigsten Aktienkurse.
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Die Aktien wichtiger europäischer Banken stehen den zweiten Tag in Folge im Fokus. (Foto: dpa)

Die Aktien wichtiger europäischer Banken stehen den zweiten Tag in Folge im Fokus. (Foto: dpa)

Die Aktie der Credit Suisse in der Jahressicht. (Grafik: ariva.de)

Die Aktie der Credit Suisse in der Jahressicht. (Grafik: ariva.de)

Die Aktie der Deutschen Bank in der Jahressicht. (Grafik: ariva.de)

Die Aktie der Deutschen Bank in der Jahressicht. (Grafik: ariva.de)

Die Aktie der UniCredit in der Jahressicht. (Grafik: ariva.de)

Die Aktie der UniCredit in der Jahressicht. (Grafik: ariva.de)

Die Unsicherheit nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU hat die Aktienmärkte auch am Montag beeinflusst. Unter Druck gerieten dabei einmal mehr Titel von Banken und Finanzdienstleistern. „Die Brexit-Entscheidung hat die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt“, sagte Fondsmanager Lex Van Dam von Hampstead Capital. „Es gibt zurzeit viele Gründe, auf der Seitenlinie stehen zu bleiben.“

Der europäische Banken-Index fiel um sechs Prozent auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Die Aktie der Deutschen Bank brach um acht Prozent auf ein Rekordtief von 12,30 Euro ein. Auch Titel der Schweizer Großbank Credit Suisse fielen auf den tiefsten jemals gemessenen Stand. Mit Kursverlusten von bis zu 14 Prozent gehörten Aktien der britischen Geldhäuser Royal Bank of Scotland und Barclays zu den größten Verlierern.

Der europäische Versicherungsindex gab mehr als vier Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief nach. „Die Dinge sind derzeit so unsicher, dass Investoren keine Ahnung haben, wie viel ihrer riskanten Anlagen sie noch verkaufen müssen“, sagte Analyst Hiroko Iwaki vom Researchhaus Mizuho Securities.

Die wichtigsten europäischen Banken im Überblick:

Deutsche Bank: -7 %

Credit Suisse: -8 %

UBS: -5 %

Barclays: -12 %

Royal Bank of Scotland: -15 %

Lloyds Banking: -9 %

Credit Agricole: -5 %

BNP Paribas: -6 %

UniCredit: -8 %

Banco Santander: -3,5 %

Helaba: Friedliche Einigung der EU mit Großbritannien wahrscheinlich
Helaba: Friedliche Einigung der EU mit Großbritannien wahrscheinlich
Die Helaba präsentiert drei Szenarien, wie sich das Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU entwickeln könnte. Am wahrscheinlichsten sei eine geordnete "Scheidung". Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass es zu tiefgreifenden Konflikten komme, unter denen beide Seiten leiden.
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Die kommenden Monate werden von großer Unsicherheit geprägt sein. (Foto: dpa)

Die kommenden Monate werden von großer Unsicherheit geprägt sein. (Foto: dpa)

Die Helaba hat in einer interessanten Analyse drei Szenarien ausgearbeitet, wie sich das Verhältnis Großbritanniens zur EU verändern und welche Seite davon mehr profitieren könnte:

Szenario Kompromiss (60 %)

Am wahrscheinlichsten ist, dass sich die Briten mit der EU auf einen „Scheidungsvertrag“ im Zeitrahmen von zwei Jahren einigen. Das Land behält den weitgehenden Zugang zum EU-Binnenmarkt bei Waren. Bei Dienstleistungen, insbesondere im Finanzsektor, gibt es einige Einschränkungen. Grundsätzlich behält aber der Finanzplatz London seine dominante Rolle. Die Briten können über manche Belange selbst bestimmen und z.T. deregulieren. Die langfristigen wirtschaftlichen Konsequenzen halten sich in Grenzen, zumal das Land nicht wirklich unabhängig von der EU ist, da viele Regeln weiterhin aus Brüssel kommen.

Nach dem Wegfall der Unsicherheit können sich die Investitionen von der Delle wieder erholen, die konjunkturelle Entwicklung verläuft danach in gewöhnlichen Bahnen. Großbritannien erleidet nur überschaubare Wohlfahrtsverluste, neue Wachstumsimpulse außerhalb der EU werden jedoch auch kaum generiert. Mit dem sich abzeichnenden Kompromiss beruhigen sich die Finanzmärkte. Das ausländische Kapital fließt wieder ins Land: Das Pfund Sterling und die Aktienmärkte erholen sich. Bei den Staatsanleihen entfallen die Risikoprämien, allerdings könnte eine Normalisierung der Geldpolitik belasten. Britische Immobilien gewinnen an Attraktivität zurück. Da die Briten ohne nachhaltig große Verluste die EU verlassen, könnten die politischen Spannungen in der EU zunehmen und im Trend der Euro an Attraktivität verlieren.

Szenario Konflikt (30 %)

Im vorgegeben Zeitrahmen können sich die Briten nicht auf ein Abkommen mit der EU einigen, sodass es zwangsläufig in einer „schmutzigen Scheidung“ endet. Das Vereinigte Königreich verliert den uneingeschränkten Zugang zum EU-Binnenmarkt. Im Außenhandel mit der EU gelten nun automatisch die WTO-Regeln. Zölle sowie nicht-tarifäre Handelshemmnisse erschweren den Handel, so dass vor allem die britische, aber auch die deutsche Exportwirtschaft erhebliche Einbußen verzeichnet.

Insbesondere bei Finanzdienstleistungen wird der grenzüberschreitende Verkehr durch neue Regulierungen erschwert, so dass der Finanzplatz London zu Gunsten von Frankfurt und Paris erheblich leidet. Die Briten können zwar ohne Rücksicht auf die EU die Migration beschränken und die Regulierungen lockern, die wirtschaftlichen Impulse sind aber kaum fühlbar. Die britischen Exporte, ebenso bei Finanzdienstleistungen, brechen in diesem Szenario ein. Die Unternehmensinvestitionen sinken, sogar der private Konsum gibt merklich nach. Großbritannien fällt in eine markante Rezession. Da sich ausländische Investoren nachhaltig zurückhalten, bereitet die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits Probleme. Das Pfund wertet massiv ab. Die Aktienmärkte verzeichnen kräftige Kursverluste, an den Immobilienmärkten verschärft sich die Talfahrt.

Trotz einer expansiveren Geldpolitik der Bank of England leiden sogar britische Staatsanleihen, da die Risikoprämien kräftig ansteigen. Der Verlust an Steuereinnahmen liegt um einiges höher als die Ersparnis bei den Beiträgen zum EU-Haushalt. Entsprechend hoch sind die Wohlfahrtsverluste für Großbritannien. In der EU erleichtert das abschreckende Beispiel des Austritts die politische Zusammenarbeit. Trotz Einbußen beim Außenhandel dürfte die Union mehr Kapital anziehen.

Szenario Rosinenpicker (10 %)

Das am wenigsten wahrscheinliche, wenngleich nicht unmögliche Szenario ist, dass die Briten im „Scheidungsvertrag“ zu Lasten der EU deutliche Vorteile heraushandeln, sich also noch „Rosinen herauspicken“ können. Großbritannien behält den weitgehenden Zugang zum EU-Binnenmarkt und kann dennoch Sonderregeln u.a. für die Migration aushandeln. Dank einer lockereren Regulierung als in der EU gewinnt der Standort Großbritannien, nicht zuletzt der Finanzplatz London, an Attraktivität und zieht frisches Kapital an.

Insgesamt profitiert das Land vom Austritt, während die EU die Kosten trägt. Die politischen Spannungen nehmen zu, der Bestand der Währungsunion wird zunehmend hinterfragt. Die politischen Probleme in der EU schlagen auf das Wachstum durch. Während der Euro deutlich nachgibt, kann das Pfund erheblich zulegen. Die britische Konjunktur läuft vergleichsweise besser als in der EU. Gleiches gilt für Aktien- und Immobilienmärkte.

Gegen Sanktionen: Deutsche Unternehmen bauen Fabriken in Russland
Gegen Sanktionen: Deutsche Unternehmen bauen Fabriken in Russland
Russland profitiert auf unerwartete Weise von den EU-Sanktionen: Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen erreichen neue Höchststände, weil die Unternehmen direkt in Russland Fabriken bauen. Sie wollen den wichtigen russischen Markt nicht wegen der Sanktionen verlieren.
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Gerhard Schröder mit Russlands Präsident in St. Petersburg. Neue Fabriken entstehen nun in Russland trotz der Sanktionen. (Foto: dpa)

Gerhard Schröder mit Russlands Präsident in St. Petersburg. (Foto: dpa)

Deutsche Unternehmen investieren verstärkt direkt in Russland. Wegen der Export-Sanktionen bauten Mittelständler und Konzerne dort nun eigene Fabriken auf, um weiter im Geschäft zu bleiben, berichtete die Welt am Sonntag unter Berufung auf eine Statistik der Deutschen Bundesbank.

Die Direktinvestitionen deutscher Firmen seien laut Bundesbank im Jahr 2015 auf 1,78 Milliarden Euro gestiegen, berichtete die Zeitung. Dieser Wert sei nur in den Boomjahren von 2006 bis 2008 sowie im Jahr 2010 übertroffen worden.

Dieses Jahr könnte ein neuer Rekord erreicht werden. Bereits im ersten Quartal summierten sich laut WamS die Direktinvestitionen aus Deutschland bereits auf fast 1,1 Milliarden Euro.

Die deutschen Unternehmen haben keine Alternativen zu diesem Weg. China ist drauf und dran, den Europäern den wichtigen russischen Absatzmarkt abzujagen. Bundeskanzlerin Merkel ist davon nicht beeindruckt und hat sich in der EU für die Verlängerung der Sanktionen stark gemacht.

Wegen Brexit: Tschechien fordert Rücktritt von Juncker
Wegen Brexit: Tschechien fordert Rücktritt von Juncker
Der tschechische Außenminister fordert den Rücktritt von EU-Präsident Juncker. Juncker hätte nicht energisch genug für den Verbleib Großbritanniens in der EU gekämpft.
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EU-Präsident Jean-Claude Juncker und Angela Merkel beim Gipfel am 23. September 2015 in Brüssel. Als Reaktion auf den Brexit wird der Rücktritt von Juncker gefordert. (Foto: dpa)

EU-Präsident Jean-Claude Juncker und Angela Merkel beim Gipfel am 23. September 2015 in Brüssel. (Foto: dpa)

Nach dem britischen Votum für den Ausstieg aus der Europäischen Union hat Tschechiens Außenminister Lubomir Zaoralek sich für den Rücktritt von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ausgesprochen. Juncker sei derzeit „nicht der richtige Mann für den Job“, sagte Zaoralek am Sonntag in einer Fernsehdebatte. „Jemand in der EU sollte vielleicht einen Rücktritt erwägen“, weil er für das Brexit-Votum verantwortlich sei, ergänzte der Minister.

Zaoralek warf Juncker vor, sich vor dem Referendum in Großbritannien nicht genügend engagiert und nicht vor Ort für den Verbleib in der EU geworben zu haben. „Ich hätte mir vorgestellt, dass die Kommission von einem ehrbaren, vertrauenswürdigen Mann angeführt wird, der in einer Situation, wo uns der Verlust eines Beines oder Armes droht, selbst in das Land geht und den Briten sagt: ‚Wir wollen, dass ihr bleibt’“, kritisierte er.

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