Kultur-Revolution bei Daimler: Komponenten werden in China produziert

Daimler baut in Peking die erste Motorenfabrik, die gleichwertig mit den deutschen Daimler-Werken ist. Doch dort soll nicht nur für den chinesischen Markt produziert werden. Ein Teil der Produktion wird zur Weiterverarbeitung nach Deutschland exportiert. Dieser Trend könnte für die Werke in Deutschland von weitreichender Bedeutung sein.

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Produktion des Front-Doppelkupplungsgetriebes bei Mercedes-Benz im Werkteil Stuttgart-Hedelfingen. Daimler verlagert massiv nach China - mit ungewissen Folgen für die Werke in Europa. (Foto: Daimler AG)

Produktion des Front-Doppelkupplungsgetriebes bei Mercedes-Benz im Werkteil Stuttgart-Hedelfingen. Daimler verlagert massiv nach China – mit ungewissen Folgen für die Werke in Europa. (Foto: Daimler AG)

Die Daimler AG plant Investitionen in China im Umfang von 2 Milliarden Euro. Wichtige Motorkomponenten, die bei der Produktion in Deutschland verwendet werden, sollen künftig im weltweit größten Auto-Industriepark in Peking hergestellt und von dort nach Deutschland exportiert werden.

„Es gibt [bei Daimler] die Einsicht, dass wir im Vergleich mit einigen unserer Konkurrenten unsere Position in China verbessern müssen“, zitiert die FT Daimler-Vorstand Hubertus Troska, der für die China-Aktivitäten des Konzerns verantwortlich ist.

So plant Daimler die Errichtung der „ersten vollwertigen Motorenfabrik außerhalb Deutschlands“, sagt Frank Deiss, Chef von Beijing Benz Automotive, Daimlers Joint-Venture mit den Pekinger Automobilwerken. Entscheidende Motorkomponenten, darunter Kurbelwellen, Zylinderköpfe und Motorblöcke sollten in China produziert und dann nach Deutschland exportiert werden. Troska sagt:

„Das Qualitätsniveau, das wir hier aufbauen, wird so hoch sein wie in keinem anderen Motorenwerk, das wir außerhalb Deutschlands haben, und es ist dasselbe Niveau wie in unseren deutschen Werken. (…) Die Kunden werden es überhaupt nicht merken, woher die Teile kommen, und sie müssen sich auch keine Sorgen darüber machen. (…) Ab dem kommenden Jahr werden wir die Teile tatsächlich nach Deutschland exportieren. Dort wartet man auf die Teile.“

Troska ist der erste Daimler-Vorstand, dem die Verantwortung für China übertragen worden ist. Der Konzern hinkte dort lange hinter den Konkurrenten BMW und Audi hinterher. „[Die Vertretung durch einen Vorstand] ist notwendig, um sicherzustellen, dass die Entscheidungen des Unternehmens immer auf die chinesischen Bedürfnisse und die Marktbeschaffenheit ausgerichtet sind“, so Troska.

Diese Entscheidung dürfte nachhaltige Folgen für die Daimler-Werke in Europa haben: Wenn sich herausstellt, dass Daimler auch in seinem Kernbereich, den Motoren, in China gleich gut, aber effizienter produzieren kann, dann wird sich mittelfristig die Frage stellen, welche Werke in Deutschland im Falle einer Krise von der Schließung betroffen sein könnten. Beobachter erwarten, dass Daimler keine Doppelstrukturen aufbauen will.

Auch für den Mittelstand hätte das Folgen: Viele Zulieferer könnten ihre Aufträge verlieren, weil Daimler im Zweifel auch die Zulieferer in Asien mit ins Boot holen könnte.

Im vergangenen Jahr wurden weniger als die Hälfte der 206.000 in China verkauften Mercedes Benz auch dort produziert. Bis 2015 will Daimler die Verkäufe in China auf 300.000 Autos erhöhen, wovon zwei Drittel im Pekinger Werk produziert werden sollen.

BMW und Audi verkauften im vergangenen Jahr mit 313.000 beziehungsweise 407.000 Autos deutlich mehr als Mercedes, berichtet die Zeitung Die Welt. Zudem produzieren sie schon jetzt einen viel größeren Anteil ihres chinesischen Umsatzes vor Ort.

Auch in anderer Hinsicht haben sich Daimlers Konkurrenten bisher besser an den chinesischen Markt angepasst. So stellen sie längere Autos her mit mehr Platz im Fond für reiche Chinesen, die sich komfortabel durch die verstopften Straßen chauffieren lassen wollen.

Doch Mercedes, BMW, VW, Audi und Porsche haben auch ein gemeinsames Problem: Das NDRC, Chinas höchste Wirtschaftsplanungsbehörde, ermittelt derzeit wegen angeblicher Preisabsprachen gegen alle ausländischen Hersteller von Luxusautos. Denn nirgendwo würden Importwagen so teuer verkauft wie in China. Wenn die Chinesen Anklage erheben, wären Milliardenstrafen möglich.

Die Luxus-Hersteller sind im Vergleich mit den Massen-Herstellern bisher recht gut durch die europäische Autokrise gekommen, denn auch in Europa sind ihre Werke gut ausgelastet (mehr hier).

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