Lebensversicherungen sind keine Geld-Anlage mehr

Die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken wirkt sich zunehmend negativ auf Lebensversicherungen aus. Diese haben Probleme, ihre Renditeziele zu erreichen. Darunter leiden langfristig auch die Kunden der Versicherungen. Die Konditionen werden weiter sinken.

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Kunden sollten ihre Konditionen der Lebensversicherung überprüfen. Sonst kann es ein böses Erwachen geben. (Screenshot: DMN/Youtube)

Kunden sollten ihre Konditionen der Lebensversicherung überprüfen. Sonst kann es ein böses Erwachen geben. (Screenshot: DMN/Youtube)

Die historisch tiefen Zinsen der Zentralbanken führen dazu, dass Sparer nicht mehr wissen, wo sie ihr Geld noch gewinnbringend anlegen sollen. Auch große Unternehmen aus der Versicherungsbranche haben Probleme, die einst an ihre Kunden versprochenen Renditeziele zu erfüllen. Dies meldet die Nachrichtenagentur Reuters und bezieht sich auf einen Bericht des Bundesfinanzministeriums.

„Das im Wesentlichen unverändert anhaltende Niedrigzinsumfeld stellt nach wie vor eine Herausforderung für Anleger wie (Lebens-) Versicherungen, Bausparkassen und Pensionskassen dar“, so der Bericht des Finanzministeriums. Auch für die Kunden sind Lebensversicherungen keine rentable Geldanlage mehr.

In den 90er Jahren wurden Versicherungspolicen mit einem Garantiezins von vier Prozent an deutsche Kunden verkauft. Damals war es auch noch kein Problem, diese Renditen zu erwirtschaften. Doch heute liegt der europäische Leitzins bei gerade einmal 0,5 Prozent und Versicherer sowie Pensionskassen müssen immer größere Risiken am Kapitalmarkt eingehen, um ihre Renditeziele noch zu erreichen.

Gewinnausschüttung frisst die Rendite

Mit einer Erholung in der Branche ist nicht zu rechnen. Zudem geraten die Versicherungsunternehmen durch Gewinnausschüttungen an ihre Kunden zusätzlich unter Druck.

„Aufgrund der weiterhin niedrigen Zinsen und der unveränderten Rechtslage ist auch für 2013 mit einer vergleichbar hohen Ausschüttung von Bewertungsreserven wie 2012 zu rechnen“, so der Bericht weiter. Nach der Ausschüttung bleibt fast keine Rendite mehr für die Versicherungen übrig.

Hintergrund hierzu ist ein Gesetz, das Versicherer dazu verpflichtet, ihre Kunden durch eine Gewinnausschüttung an Kapitalerträgen zu beteiligen. Diese Erträge sind aber vor allem durch Kursgewinne am Staatsanleihenmarkt zu Stande gekommen. Die Laufzeit der Anleihen beträgt bis zu zehn Jahre. Angesichts der weltwirtschaftlichen Lage ist die Chance sehr hoch, dass die kurzfristigen Kursgewinne der jeweiligen Staatsanleihen in diesem Zeitraum wieder dahin schmelzen. In diesem Fall haben die Versicherer Buchgewinne an ihre Kunden ausgeschüttet, die sie dringend als Risikoreserve bräuchten.

Das Bundesfinanzministerium sieht daher mittel- und langfristig Probleme auf die Versicherungsunternehmen zukommen: „Dies führt zu einer Verschlechterung der künftigen Risikotragfähigkeit der Versicherer“, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

BaFin soll Versicherungen helfen

Die Versicherungen versuchen sich mit allen Mitteln aus dieser Misere zu befreien. In der letzten Woche sorgte ein Medienbericht für Wirbel, aus dem hervorging, dass mehr als zehn Versicherungsunternehmen die BaFin um Hilfe gebeten haben (mehr dazu – hier). Im Kern ging es den Versicherern darum, die Gewinnbeteiligung ihrer Kunden senken zu dürfen, um so den finanziellen Druck auf die Unternehmen zu mindern.

Die Bundesregierung bekräftigte, sich international stärker für die Risikotragfähigkeit und die Stabilität der Lebensversicherer in Zeiten der Niedrigzinspolitik einzusetzen. Dafür müsse sie aber zunächst abwarten, wie die künftige europäische Regulierung der Lebensversicherer aussehen werde. Erst dann könne man entsprechenden Vorschlag vorlegen.

Auch die Pensionskassen geraten zunehmend unter Druck. So verkündete Lufthansa vor kurzem, dass das derzeitige Niveau der Betriebsrenten nicht mehr finanzierbar sei und man neue Verträge aushandeln müsse (hier).

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