Studie: Österreichs Automobil-Industrie droht die Bedeutungslosigkeit

Die Exporte der österreichischen Autozulieferer nach Deutschland sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, obwohl die deutsche Fahrzeugindustrie vom globalen Wachstum der Branche profitiert. Österreich hat seinen Standortvorteil gegenüber Deutschland eingebüßt, auch die Konkurrenz in Südosteuropa nimmt zu.

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Die österreichischen Zulieferer stehen unter Druck. Denn der internationale Wettbewerb in der Automobilindustrie wird immer härter. (Foto: Flickr/bisgovuk)

Die österreichischen Zulieferer stehen unter Druck. Denn der internationale Wettbewerb in der Automobilindustrie wird immer härter. (Foto: Flickr/bisgovuk)

Österreich läuft Gefahr, in der Automobilindustrie massiv an Bedeutung zu verlieren, wenn sich die derzeitige Entwicklung fortsetzt. Mit circa 30.000 direkten Beschäftigten ist Fahrzeugindustrie der viertgrößte Wirtschaftszweig des Landes. Er macht 6 Prozent der industriellen Wertschöpfung aus.

Die österreichische Automobilindustrie befindet sich in einer gefährlichen Abwärtsspirale, so das Fazit einer aktuellen Studie der Fraunhofer Austria und des Instituts für Managementwissenschaften an der TU Wien.

Die Fahrzeugindustrie ist einem starken weltweiten Wandel unterzogen. Die Verteilung der Wertschöpfung zwischen Herstellern und Zulieferern verändert sich. Sowohl Absatzmärkte als auch Produktion werden in die BRIC‐Staaten verlagert. Hinzu kommen neue Technologien in den Fahrzeugen. Der internationale Wettbewerb wird immer härter.

Die österreichische Zulieferindustrie steht aufgrund ihrer Struktur vor zusätzlichen Herausforderungen, denn 90 Prozent ihres Umsatzes gehen in den Export. Eine starke Auslandsabhängigkeit der heimischen Industrie ist die Folge.

Besonders besorgniserregend ist, dass die Exporte nach Deutschland in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind. Und dies obwohl der Haupthandelspartner der österreichischen Fahrzeugindustrie vom globalen Wachstum der Branche profitiert.

Daimler baut derzeit in Peking die erste Motorenfabrik, die gleichwertig mit den deutschen Daimler-Werken ist. Ein Teil der chinesischen Produktion wird zur Weiterverarbeitung nach Deutschland exportiert. Dieser Trend könnte für die Werke in Europa von weitreichender Bedeutung sein (mehr hier).

„Bislang war Österreich ein enger Partner Deutschlands für Teile und Komponenten, die hohen Qualitätsanforderungen unterliegen. Doch die Aufträge bleiben vermehrt aus, da keine klaren Kostenvorteile Österreichs im Vergleich zu Deutschland mehr vorhanden sind. Österreich hat massiv an Attraktivität verloren“, sagte Wilfried Sihn, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria.

Einerseits erhöhe die wachsende Konkurrenz in den kostengünstigeren zentral‐ und osteuropäischen Ländern den Wettbewerbsdruck auf Österreich, so Sihn. Mit relativ hohen und im Vergleich zum EU-Durchschnitt überdurchschnittlich schnell steigenden Löhnen, büßt Österreich andererseits trotz hoher Produktivität immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit ein.

Die Fahrzeugindustrie den Wettbewerbsvorteil in den Lohnstückkosten gegenüber Deutschland fast vollständig verloren. „Auch der mit 98 Prozent extrem hohe Anteil an kollektivvertragsgebundenen Beschäftigten ist ein Spitzenwert in der EU und steht in der Branche nicht unbedingt für hohe Flexibilität etwa bei den Arbeitszeiten“, sagte Sihn.

Diese Standortnachteile machen der Fahrzeugindustrie offenbar sehr zu schaffen. Während die Direktinvestitionen nach Österreich insgesamt deutlich ansteigen, gehen sie in der Fahrzeugindustrie massiv zurück. Österreichische Unternehmen investieren dafür verstärkt im zentral‐ und osteuropäischen Ausland.

„Dass österreichische Unternehmen ins Ausland investieren, hat aber auch positive Wertschöpfungs‐ und Beschäftigungseffekte für den Standort Österreich und muss daher stärker unterstützt werden. Um neue Märkte erschließen zu können, sind internationale Aktivitäten dringend notwendig“, so Sihn.

Bei Forschung und Entwicklung ist die österreichische Fahrzeugindustrie nach wie vor stark. Hier habe Österreich den Anschluss an Innovationsführer Deutschland geschafft, so die Studie. Man dürfe sich jedoch nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen. Die Ausgaben der Unternehmen für Forschung und Entwicklung im Verhältnis zu ihrer Bruttowertschöpfung liegen bis zu 60 Prozent unter denen Deutschlands.

„Die Fahrzeughersteller sehen ihre Lieferanten immer mehr als Entwicklungspartner. Wenn man die Hersteller nicht konsequent mit neuen Lösungen unterstützt, wird man von der stärker werdenden internationalen Konkurrenz schnell aus der Wertschöpfungskette verdrängt“, sagt Henrik Gommel, Co‐Autor der Studie.

Die österreichische Fahrzeugindustrie ist mit stagnierender Wertschöpfung und rückläufiger Beschäftigung konfrontiert. Dies ist auch deshalb ein Grund zur Sorge, weil die neuen EU‐Mitgliedsländer auch bei der Qualität immer konkurrenzfähiger werden.

„Sollten sich die Wettbewerbsbedingungen für den Standort Österreich nicht ändern und österreichische Unternehmen nicht aktiver an der internationalen Verflechtung der Fahrzeugbranche teilhaben und innovative Lösungen hervorbringen, wird die österreichische Fahrzeugindustrie zur Bedeutungslosigkeit verkommen,“ so Wilfried Sihn.

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