Mini-Jobs: Deutsche halten Renten-Beiträge für verbranntes Geld

Die große Mehrheit der Minijobber ist nicht rentenversichert. Nur 23,8 Prozent der neuen Minijobber führen Beiträge in die staatliche Rentenkasse ab. Die Geringverdiener benötigen das Geld zum Leben.

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Die meisten Minijobber zahlen keine gesetzlichen Rentenbeiträge. Sie steuern geradewegs auf die Altersarmut zu. (Foto: Flickr/rudlavibizon/CC BY 2.0)

Die meisten Minijobber zahlen keine gesetzlichen Rentenbeiträge. Sie steuern geradewegs auf die Altersarmut zu. (Foto: Flickr/rudlavibizon/CC BY 2.0)

Seit Jahresbeginn müssen Minijobber einen Antrag stellen, wenn sie keine Rentenbeiträge zahlen wollen. Mehr als drei Viertel der betroffenen Geringverdiener tut dies.

Von den 2,6 Millionen geringfügig Beschäftigten, die seit Anfang 2013 einen Minijob angenommen haben, zahlten im August nur 23,8 Prozent Rentenbeiträge, berichtet die FAZ. Mehr als drei Viertel der neuen Minijobber haben einen Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht gestellt. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des rentenpolitischen Sprechers der Grünen-Bundestagsfraktion, Wolfgang Strengmann-Kuhn, hervor.

Anfang dieses Jahres wurde die Verdienstobergrenze für die mehr als 7 Millionen Minijobber von 400 auf 450 Euro heraufgesetzt. Zudem wurde für neue Minijobber eine Versicherungspflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung eingeführt, von der sie sich aber auf Antrag befreien lassen können. Wenn sie den Antrag auf Befreiung einmal gestellt haben, ist er für die gesamte Dauer des Minijobs bindend.

Wie viel Geld ein Minijobber für seine Rentenversicherung zahlen muss, hängt von seinem Arbeitgeber ab. Ist er in einem Privathaushalt angestellt, trägt der Minijobber 13,9 Prozent (maximal 62,55 Euro). Arbeitet er für einen gewerblichen Arbeitgeber, zahlt er nur 3,9 Prozent (maximal 17,55 Euro).

Doch die von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) durchgesetzte Versicherungspflicht für Minijobber wird von den Geringverdienern offenbar kaum angenommen. Vor allem geringverdienende Frauen seien nicht rentenversichert, so Strengmann-Kuhn.

Dabei hätte die Rentenversicherung möglicherweise auch Vorteile für die Minijobber. Immerhin werden die geringfügigen Beschäftigungen voll auf die Versicherungszeiten angerechnet. Das gilt nicht nur für den Anspruch auf Rentenzahlungen, sondern auch für Ansprüche auf Rehabilitationsmaßnahmen oder für den Zugang zu steuerlich geförderten Altersvorsorgeprodukten wie der Riester-Rente.

Dennoch entscheiden sich mehr als drei Viertel der Minijobber gegen die gesetzliche Rentenversicherung und nehmen sich sogar die Zeit, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Entweder sie benötigen das Geld hier und heute und sorgen gar nicht für das Alter vor. Oder sie sorgen privat vor. Der Abschluss einer Lebensversicherung (hier) oder ein Sparbuch (hier) sind derzeit allerdings nicht zu empfehlen.

Das Problem, ohne Altersvorsorge dazustehen, ist in Deutschland keine Randerscheinungen. Seit 1990 hat die Lohnungleichheit stetig zugenommen. Deutschland hat heute den zweitgrößten Niedriglohnsektor in Europa. Jeder vierte Deutsche arbeitet derzeit für einen Niedriglohn (mehr hier).


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