Türkei warnt USA: Syrien spielt nur auf Zeit

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu hält nichts von einer friedlichen Lösung des Syrien-Konfliktes. Dank der zögerlichen Haltung der USA, könne Assad nun auf Zeit spielen. Außerdem sei nicht sichergestellt, dass Syrien tatsächlich alle Depots chemischer Waffen preisgibt und vernichtet. Eine Suche nach den Waffenlagern könnte Monate dauern.

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    Der türkische Außenminister sieht einen Verzicht auf eine Intervention in Syrien kritisch. Eine Bestrafung Assads sei notwendig. (Foto: Screenshot via Youtube)

Der türkische Außenminister sieht einen Verzicht auf eine Intervention in Syrien kritisch. Eine Bestrafung Assads sei notwendig. (Foto: Screenshot via Youtube)

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu will der syrischen Regierung keine Verhandlungen in Aussicht stellen. Ein Deal, wonach eine Intervention der USA und seiner Verbündeten ausbliebe, wenn Syrien seine chemischen Waffen abgäbe, würde Assads Armee nur mehr Zeit für weitere Massaker verschaffen. Die türkische Regierung drängt auf eine Intervention mit dem Ziel, Assad zu stürzen.

In einem Interview mit dem regierungsnahen Sender Habertürk macht Davutoglu die syrische Armee für den Giftgaseinsatz verantwortlich. Innerhalb der Opposition gebe es keine Spezialisten, die eine solche Attacke durchführen könnten. Daher komme nur die syrische Armee in Frage. Der türkische Ministerpräsident Erdogan hatte zuvor von den USA eine Intervention vom Ausmaß des Kosovo-Einsatzes der Nato von 1998 gefordert.

„Wenn heute mit einer solchen, rein kosmetischen Methode das Massaker in Vergessenheit gerät, weil die Suche nach den Chemiewaffendepots Monate dauern würde, (…) würde es darauf hinauslaufen, Bashar al-Assad mehr Zeit für weitere Massaker zu geben“. Die Giftgasattacke sollte syrische Zivilisten von einer Beteiligung an den Kämpfen gegen die Regierungsarmee abschrecken, so der Außenminister.

Dass die türkische Regierung mit Nachdruck an einem Sturz von Assad arbeitet, hat mehrere Gründe. Einerseits nehmen die Flüchtlingsströme aus Syrien weiter zu. Inzwischen befinden sich nach offiziellen Angaben 200.000 syrische Flüchtlinge in den staatlichen Camps, Hilfsorganisationen gehen von weiteren 200.000 Syrern aus, die außerhalb der Flüchtlingslager untergekommen sind.

Andererseits möchte die türkische Regierung ihren Einfluss auf Syrien erweitern und das ist ohne Assad weitaus einfacher. Der einst enge Verbündete Erdogans könnte, wenn der Westen nicht interveniert, seinen Krieg gegen die Rebellen fortführen. Syrien würde in instabile Teilstaaten zerfallen: einen alawitischen, einen kurdischen und einen sunnitischen. Die Türkei wäre als das Land mit der geographisch längsten Grenze zu Syrien von der Instabilität seines Nachbarn unmittelbar betroffen.

Eine westliche Intervention soll Assad in die Knie zwingen. Eine neue syrische Regierung als Verbündeter der Türkei ist das optimale Szenario für Ankara. Nicht umsonst unterstützt die türkische Regierung die „Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte“, die ihren Sitz in Istanbul hat. Zwar wird diese Exil-Opposition von Großbritannien, den USA und Frankreich als einzig legitime Vertretung des syrischen Volkes anerkannt. Sie hat aber kaum einen Einfluss auf das tatsächliche Kriegsgeschehen in Syrien.


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