Manöver: USA wollen totalen Blackout nach Terror-Angriff simulieren

Die USA werden im November in einem großangelegten Manöver einen Total-Ausfall des Stromnetzes simulieren. Dieser soll von Terroristen durch eine Cyber-Attacke ausgelöst werden. Über 150 Firmen und mehrere staatliche Dienste nehmen daran teil.

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Die USA, Kanada und Mexiko planen eine große Übung zum Thema Energiesicherheit. Simuliert wird ein weitreichender Stromausfall durch Cyberattacken und Terrorismus. Dadurch sollen die Regierungen auf mögliche Versorgungskrisen in Folge eines Blackouts vorbereitet werden. (flickr/NASA Goddard photo and video)

Die USA, Kanada und Mexiko planen eine große Übung zum Thema Energiesicherheit. Simuliert wird ein weitreichender Stromausfall durch Cyberattacken und Terrorismus. Dadurch sollen die Regierungen auf mögliche Versorgungskrisen in Folge eines Blackouts vorbereitet werden. (flickr/NASA Goddard photo and video)

Eine Kooperation aus Regierungsbehörden, Anti-Terroreinheiten und privaten Firmen plant eine großangelegte Notfall-Simulation zur Energiesicherheit. Dabei wird am 13. Und 14. November 2013 in Nordamerika der totale Blackout in Folge von Cyberattacken und Terrorismus geprobt. Dies berichtet die New York Times.

Demnach sind an der Übung GridEx II tausende Beschäftigte aus den öffentlichen Versorgungsbetrieben, Geschäftsführer von Privatunternehmen, Regierungsbeamte, Nationalgardisten und FBI Agenten der Anti-Terrorismus Division beteiligt. Mehr als 150 verschiedene Firmen und Organisationen nehmen an der Notfallübung teil. Simuliert werden dabei zum einen ein physischer Schlag gegen das Stromnetz und zum anderen ein Angriff durch Hacker auf die elektronische Infrastruktur.

Die letzte Übung in diesem Bereich liegt zwei Jahre zurück und hatte zur Annahme, dass die Elektrizität wieder relativ schnell bereitgestellt wird. GridEx II hingegen simuliert einen folgenschweren Totalausfall des Netzes. Ein Ziel dieser Übung soll es sein, die Handlungsfähigkeiten der Regierungen bei einem solchen Blackout und der daraus folgenden Versorgungskrise zu erproben.

„Das wird etwas völlig anderes sein, als wenn ein Hurrikane Land X,Y und Z im Südosten trifft und folglich ein regionaler Stromausfall für drei bis vier Tage herrscht.“ sagt der Verantwortliche der Notfallübung Brian M. Harrel von der North American Electric Reliability Corporation (NERC): „Wir wollen über einen solchen Fall hinausgehen.”

Die meisten Teilnehmer werden an der Übung von ihrem Arbeitsplatz aus teilnehmen. NERC wird die Koordinierung übernehmen und aufeinander folgende Ausfälle des Netzes bekanntgeben. Ein mögliches Szenario sähe so aus: Ein Einbrecher dringt in ein Umspannwerk ein. Zunächst hält der Netzbetreiber es für einen Fall von Kupferdiebstahl. Doch dann lädt der Einbrecher per USB-Stick ein schadhaftes Virus ins Computernetzwerk hoch, das einen Kollaps der Infrastruktur zur Folge hat.

Private und staatliche Experten für Strom-Sicherheit beschreiben das amerikanische Stromnetz als „Glaskinn der Industrie“. Sollte ein Gegner einen kritischen Treffer landen, könnten weite Teile des Stromnetzes für den gesamten nordamerikanischen Kontinent wochenlang ausfallen. Das hätte enorme Auswirkungen auf die Versorgungslage in den betroffenen Ländern. Die Wasser-, Treibstoff- und Lebensmittelversorgung sowie jegliche Kommunikation würden binnen kurzer Zeit zusammenbrechen. Die Konsequenzen einer solchen Störung auf die Versorgung wären weitreichender als nach dem Hurrikan Sandy oder den Attacken des 11. September 2001.

Der Großteil des Netzes wird von privaten Firmen betrieben, die nicht selten an den Wartungskosten sparen. 99 Prozent aller militärischen Einrichtungen sind nach Aussagen des Weißen Hauses abhängig von kommerzieller Stromversorgung. Die privaten Netzbetreiber kontrollieren über 5.800 große Kraftwerke und etwa 724.000 Kilometer Hochspannungsleitungen allein in den USA. Diese werden mit Hilfe von Geräten überwacht und kontrolliert, die teilweise schon vor Jahrzehnten installiert wurden. Manche Betreiber nutzen ihre eigenen Computerprotokolle und haben deshalb bei einem Hackerangriff wenig zu befürchten. Man spricht dabei vom Prinzip der „Sicherheit durch Obskurität“. 

Andere Betreiber wiederum verlassen sich auf Windows-basierte Kontrollsysteme. Häufig seien nicht alle Verbindungen ins öffentliche Internet bekannt und verzeichnet, was diese Betreiber anfälliger für Malware macht. Malware in Form von Trojanern, Würmern oder Viren könnte die Kontrollsysteme außer Kraft setzen, die Kommunikation blockieren oder schwer-ersetzbare Teile zerstören. Mit einer terroristischen Attacke auf solche Teile beschäftigte sich vor kurzem die National Academy of Sciences (NAC) in einer Studie. Sie kommt zu dem Schluss, dass bei einer terroristischen Attacke auf Knotenpunkte des Stromnetzes ein mehrwöchiger Blackout zu erwarten sei.

Die Angst der Amerikaner vor einem Ausfall des Stromnetzes ist berechtigt. Erst Anfang dieses Jahres wurde der Superbowl, das meistgesehene Sportereignis der Welt, durch einen halbstündigen Blackout lahmgelegt. Schätzungen zufolge waren etwa 50 Millionen Amerikaner zeitweise ohne Strom.

Auch in Deutschland ist das Thema präsent. Zwar ist die Infrastruktur hierzulande moderner als in den USA, dafür aber sorgen sich die Netzbetreiber um eine Überlastung des Stromnetzes durch Überkapazitäten (mehr hier). So musste die Bundesnetzagentur Anfang 2013 massiv eingreifen, um die Energiesicherheit zu gewährleisten und einen Blackout für Deutschland abzuwenden.

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