EZB-Mann enthüllt: Merkel wollte Griechenland aus dem Euro werfen

Erst im Herbst 2012 erkannte Merkel, dass ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone das gesamte Eurosystem gefährden könnte. Daher änderte sie damals sehr schnell ihre Taktik und sprach Athen ihr Vertrauen aus.

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Der frühere EZB-Mann Lorenzo Bini-Smaghi hat in seinem neuen Buch „Morire di Austerità“ (Sterben durch Sparpolitik) einige Hintergründe der Euro-Rettungspolitik enthüllt. So soll der frühere italienische Premier Silvio Berlusconi 2011 mit dem Austritt seines Landes aus der Eurozone gedroht haben. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel soll hinter den Kulissen mit dem Gedanken gespielt haben, Griechenland aus der Eurozone zu entfernen.

Bini-Smaghi schreibt, dass Berlusconi im November 2011 als italienischer Premier gestürzt worden sei, weil er Stimmung gegen die europäische Währungsunion gemacht habe. In privaten Gesprächen habe Berlusconi Kanzlerin Merkel und dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy mit dem Austritt Italiens aus der Eurozone gedroht, zitiert der Telegraph den früheren EZB-Mann.

Bereits vor einigen Monaten enthüllte ein italienischer Journalist, dass Berlusconi entfernt und durch Mario Monti ersetzt wurde. EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso persönlich hatte den Putsch gegen Berlusconi verlangt (mehr hier).

Zudem sagt Bini-Smaghi, dass Merkel lange geglaubt habe, Griechenland könne sicher aus der Eurozone entfernt werden. Erst im Herbst 2012 habe sie erkannt, dass der Euro-Austritt eine Kettenreaktion auslösen könnte, die das gesamte Eurosystem erfasst. Daher habe sie damals sehr schnell ihre Taktik geändert, sei nach Athen gereist und habe die neue Regierung für deren Reformbemühungen gelobt (hier).

Bini-Smaghi war über viele Jahre Italiens Mann bei der Bundesbank in Frankfurt. Er bestätigt, dass Target2, das interne Verrechnungssystem der EZB, massive Konsequenzen nach sich ziehen könne. So hafte Deutschland für Bundesbank-Kredite in Höhe von 574 Milliarden Euro an die Zentralbanken von Griechenland, Portugal, Irland, Italien, Zypern und Slowenien.

Wenn ein Land die Eurozone verlassen würde, dann würde es mit großer Wahrscheinlichkeit seine Auslandsschulden nicht bezahlen können. „Die Nationalbank wäre nicht in der Lage, die Verpflichtungen zu erfüllen, die sich gegenüber den anderen Mitgliedern des Eurosystems angesammelt haben“, so Bini-Smaghi.

Daher würde die Insolvenz eines Staates, der aus der Eurozone austritt, massive Verluste bei den Zentralbanken und bei den Staaten der Eurozone auslösen. Selbst Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte im vergangenen Jahr, Target2 sei ein „inakzeptables Risiko“.

Wenn das Eurosystem zusammenbricht, bleibt die Bundesbank auf Schulden von derzeit 574 Milliarden Euro sitzen. Deutschland bürgt für diese Kredite. (Grafik: Euro Crisis Monitor, Osnabrück University)

Wenn das Eurosystem zusammenbricht, bleibt die Bundesbank auf Schulden von derzeit 574 Milliarden Euro sitzen. Deutschland bürgt für diese Kredite. (Grafik: Euro Crisis Monitor, Osnabrück University)

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