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Fukushima: „Die Brennelemente müssen da unbedingt heraus“

In Fukushimas droht der Super-GAU: In der havarierten Atomanlage befinden sich noch immer Brennelemente in instabilen Gebäuden. Das Dilemma: Die Entleerung ist höchst riskant. Niemand weiß genau, wie das geschehen soll. Die Gefahr steigt mit jeder weiteren Minute, in der die radioaktiven Brennstäbe im Reaktor bleiben.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Im Abklingbecken des Blocks 4 befinden sich mehr als 1.300 verbrauchte Brennelemente. Das Gebäude ist instabil und weist Lecks auf. Tepco will nun diese Brennelemente herausholen. Ein höchst riskantes Vorhaben. Was kann dabei passieren?

Stephan Kurth: Das ist eines der größten Probleme, die wir in Fukushima haben. Denn in diesen Brennelementen, die jetzt noch in den Lagerbecken liegen, ist noch ein sehr sehr großes Inventar an radioaktiven Stoffen. Das ist eigentlich die wichtigste Maßnahme. Das sieht auch die Betreiber-Seite so, denn das ist ein akuter Gefahrenherd.

Die Lagerbecken sind beschädigt, Wasser läuft aus. Auch hier droht wieder ein Kühl-Problem und das Entweichen von kontaminiertem Wasser. Die Becken sind kaum noch geschützt. Besonders das Gebäude in Block 4 ist massiv geschädigt. Es wurde zwar eine Art Hülle oder Abdeckung darüber konstruiert. Das ist aber eher ein Witterungsschutz.

Bestandteil der bisherigen Maßnahmen war es, das Gebäude zu stützen und zu sichern, damit die eigentliche Arbeit möglichst risikoarm erfolgen kann: Das Herausheben der Brennelemente und das Umlagern in andere Behälter.

Das Problem ist: Eine große Anzahl von Brennelementen ist einfach vor Ort. Die müssen so oder so da weg. Dafür sind jetzt keine idealen Voraussetzungen vorhanden. Die Gebäude so sind wie sie sind – vorgeschädigt. Die Brennelemente müssen trotzdem da weg – und das möglichst schnell.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was passiert bei einem Erdbeben oder einer anderer Naturkatastrophe?

Stephan Kurth vom Öko-Institut sieht keine klare Lösung für die Probleme in Fukushima. (Foto: Öko-Institut e.V.)

Stephan Kurth vom Öko-Institut sieht keine klare Lösung für die Probleme in Fukushima. (Foto: Öko-Institut e.V.)

Stephan Kurth: Die Betreiberseite sagt, das Gebäude sei nun so weit abgesichert, dass es auch ein Erdbeben aushalten werde. Wenn allerdings doch eine Neuschädigung erfolgen sollte, wäre die Gefahr, dass das Becken komplett versagt. Brennelemente könnten abstürzen oder von Trümmern beschädigt werden, sodass die dann leck werden.

 

Das würde bedeuten, dass zumindest die leicht flüchtigen radioaktiven Stoffe nach außen dringen. Das würde neue große Belastungen in der Umgebung hervorrufen. Schäden können aber auch bei Fehlern bei der Handhabung auftreten. Dann würden nur einzelne Brennelemente betroffen sein. Im schlimmsten Fall würde das Gebäude beispielsweise durch ein Erbeben komplett einstürzen, bevor das Lagerbecken entleert worden ist.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Von welcher möglichen Belastung in der Umgebung sprechen wir hier?

Stephan Kurth: Das ist eine Frage der Freisetzungsmenge und der Ausbreitung. Da sind vor allem die leicht flüchtige Stoffen. Die werden allein schon über den Wind verbreitet. Entscheidend sind dann die konkreten Witterungsbedingungen zu dem Zeitpunkt.

Deshalb ist das eine vordringliche Maßnahme: Die Brennelemente müssen da unbedingt heraus. Das ist erst die Voraussetzung für weitere Maßnahmen, wie die Sanierung der Bauwerke, die Sicherung des Reaktorkerns usw.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: In der vergangenen Woche ist es in Fukushima erneut zu einer Panne gekommen. In einer Sperre im Meer sei ein Loch entdeckt worden, durch das kontaminiertes Wasser strömt. Tepco zufolge wird das nur als „geringes Risiko“ eingestuft. Kann man das so glauben?

Stephan Kurth: Wir müssen an dem Standort ja schon länger damit leben, dass verunreinigtes Wasser ins Meer gelangt. Das ist kein neues Problem. Es wurden verschiedenen Maßnahmen getroffen: Absperrungen oder eine Schutzwand, die das Einströmen von Grundwasser verhindern sollen. Wichtig ist jedoch die Quelle zu beseitigen. Da die nicht beseitigt ist, muss man das erstmal akzeptieren.

Zum Risiko: Wenn ich mir die Grundwasserproben über einen längeren Zeitraum anschaue, ist die Aktivität gesunken. Was wir auch vor Augen haben müssen ist die deutliche Verdünnung im Meer. Insofern werden die Konzentrationen noch einmal herabgesetzt. Nichtsdestotrotz ist es absolut unerwünscht und nicht tragbar, wenn das auf Dauer so weitergeht.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Immer wieder gibt es Probleme mit kontaminiertem Grundwasser. Die Tanks weisen Lecks auf. Wie können die Lecks langfristig geschlossen werden?

Stephan Kurth: Als Quelle für die Verunreinigung haben wir die Einträge, die allein schon durch den Unfall hervorgerufen wurden. Da sind schon radioaktive Stoffe in die Umgebung, den Boden gelangt und breiten sich mit dem Grundwasser weiter aus. Außerdem bestehen immer noch Verunreinigungen, die von den zerstörten oder undichten Gebäuden ausgehen.

Wir haben immer noch einen Wasserstrom in die Gebäude, in die Keller und Fundamente und wieder heraus. Wir haben also ständig neue radioaktive Stoffe. Wenn man das in den Griff bekommen will, muss man die Quelle beseitigen. Man muss an den Reaktor oder an die undichten Gebäude herankommen. Das ist eine Voraussetzung für eine langfristige Lösung. Aber derzeit ist man noch gar nicht in der Lage, überhaupt an diese Gebäude heranzukommen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was müsste dafür geschehen?

Stephan Kurth: Das kommt immer auf den Teil des Reaktors an. Es gibt den Reaktorkern oder die nähere Umgebung mit extrem starker Strahlung. Auch bei dem Rest der Gebäude muss mit weitgehender Zerstörung gekämpft werden. Hier stellt sich die Frage, wie nah man überhaupt herankommen kann. Ein Versuch besteht darin, mit ferngesteuerten Robotern vor Ort zu kommen.

Der nächste Schritt wäre dann, dorthin zu gelangen, wo verunreinigtes Wasser nach außen tritt. Für eine Sanierung müssen diese Stellen bekannt und zugänglich sein und ggf. erst leergepumpt werden.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist es überhaupt möglich, das Wasser so zu reinigen, dass es unbedenklich ins Meer abgelassen werden kann?

Stephan Kurth: Tepco hat es geschafft, einen Kühlkreislauf zu installieren. Kühleres Wasser wird in die Nähe des Reaktorkerns eingeleitet und kommt auf einem anderen Weg wieder heraus. Auf dem Weg durch den Reaktor wird das Wasser mit radioaktiven Stoffen stark belastet. Im Kreislauf wird es gereinigt. Bestimmte Radionukleide, vor allem Schwermetalle werden mit einem Ionenaustauscher abgetrennt. Es bleibt aber ein Teil, der durch diese Filteranlagen nicht abgetrennt werden kann. Dieses Wasser wird auf dem Gelände in den Tanks gelagert.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist eine weitergehende Reinigung denn nicht möglich?

Stephan Kurth: Über den Ionenaustauscher wurden die Schwermetalle bereits abgetrennt. Aber beispielsweise die Tritiumbelastung bekommt man auf diesem Weg nicht heraus.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Dass das nicht mehr lange gutgehen kann, ist abzusehen. Welche Möglichkeiten gibt es?

Stephan Kurth: Wenn man das kontaminierte Wasser irgendwo weit draußen im Pazifik ablässt, hat man natürlich eine starke Verdünnung. In irgendeiner Entfernung wird das dann gar nicht mehr bemerkbar sein. Aber es ist eigentlich nicht verantwortbar, dass man so große Mengen gezielt ablässt.

Eine andere Möglichkeit wäre eine Lagerung, bis die Radioaktivität abgeklungen ist. Das würde allerdings viele, viele Jahre dauern. Das radioaktive Wasser kann auch in Betonstrukturen eingebunden werden, die dann aber wieder auf einer Deponie gelagert werden müssen.

Tepco muss sich überlegen, was mit diesen Mengen an Wasser passieren soll. Die Lagerkpazität lässt sich nicht unendlich ausdehnen. Es gibt noch keine schlüssige Strategie.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Gibt es denn überhaupt irgendeine Situation, an der sich Japan orientieren könnte?

Stephan Kurth: Nein. Wir hatten noch keinen derartig umfangreichen Reaktorunfall. Auch Tschernobyl war vollkommen anders. Tschernobyl lag nicht am Meer und man hat keinen derartigen Kühlkreislauf installieren müssen..

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Schon 2011 wurden Japan und Tepco mangelnde Transparenz vorgeworfen. Hat sich daran mittlerweile etwas geändert?

Stephan Kurth: Schaut man sich die Historie an, den Unfall selbst, die Maßnahmen, die unmittelbar darauf getroffen wurden, die Evakuierung, die späteren Sanierungsmaßnahmen. Dann erhält man ein Bild: Es besteht ein massives Kommunikationsproblem. Einerseits zwischen Betreiber und Regierung. Das versucht die Regierung nun in den Griff zu bekommen, indem der Betreiber bei bestimmten Dingen einfach herausgehalten wird.

Das betrifft aber auch die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Das rächt sich natürlich bei allen Schwierigkeiten und Ungereimtheiten, die jetzt auftauchen oder immer mal wieder auftauchen werden.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Inwieweit wird dabei auf internationale Hilfe zurückgegriffen?

Stephan Kurth: Es sind immer mal wieder internationale Organisationen und Experten involviert. Eigentlich müsste auch dazu die Kommunikation massiv und offensiv betrieben werden. So ein weitreichender Unfall wird am ehesten zu „bewältigen“ sein, wenn das nötige Know-How auf allen Ebenen angesprochen und miteinbezogen wird.

Stephan Kurth ist Mitarbeiter im Bereich Nukleartechnik und Anlagensicherheit beim Öko-Institut. Das Darmstädter Institut ist eine europaweit führende Forschungseinrichtung, die unter anderem Ministerien auf Bundes- und Landesebene berät.

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Nato strebt wegen EU-Krise stärkere Rolle in Europa an
Nato strebt wegen EU-Krise stärkere Rolle in Europa an
Die neue Union in Europa könnte eine starke militärische Komponente haben: Die Nato hat nach dem Brexit ihren Anspruch angemeldet, als Plattform für alle EU-Staaten einzuspringen. Die britischen und US-Geheimdienste unterstützen den Brexit ebenfalls: Sie halten die EU in sicherheitspolitischer…
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Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. (Foto: dpa)

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. (Foto: dpa)

Die Nato sieht nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU die Chance, ihre eigene Position in Europa signifikant zu stärken. Nato-Chef Jens Stoltenberg gibt in einem Statement bekannt, dass Großbritannien weiterhin eine führende Rolle innerhalb der Nato spielen werde. Stoltenberg wörtlich: „Da wir uns höherer Unsicherheit und Ungewissheiten gegenüber sehen, ist die Nato als Plattform der Kooperation zwischen den europäischen Alliierten wichtiger denn je, ebenso wie zwischen Europa und Nord Amerika. Eine starke, vereinigte und entschlossene Nato bliebt ein essentieller Pfeiler der Stabilität in einer turbulenten Welt. Sie trägt entscheidend zum internationalen Frieden und zur Sicherheit bei.“

Die Wortmeldung von Stoltenberg zeigt, dass die Militär-Allianz die Einschätzung von  George Soros teilt, der den Zerfall der EU im Chaos erwartet. 

Die Nato-Denkfabrik Globsec warnt die EU-Staaten, wegen des Brexits Druck auf Großbritannien auszuüben: „Das Vereinigte Königreich wird weiterhin einen wichtigen Beitrag zur europäischen Sicherheit leisten und wird schlussendlich mehr über die Nato machen, als es derzeit über die EU und die Nato tut (…) Natürlich ist die aktuelle Situation nicht ideal (…) Aber die wirkliche Gefahr für Europa ist jetzt, die Botschaft der Briten zu ignorieren, oder Großbritannien als Paria zu behandeln“, so Globsec.

Die CIA-Denkfabrik Heritage Foundation hatte kurz vor dem Brexit-Referendum berichtet, dass ein Ausstieg Großbritanniens aus der EU die „amerikanische, britische und europäische Sicherheit fördern“ werde.

Die Heritage Foundation schreibt: „Die Verteidiger der EU behaupten, dass die EU die Kriege auf dem europäischen Kontinent beendet habe, was eine falsche Behauptung ist. Die Kriege in Europa wurden durch die Rivalität der verschiedenen europäischen Mächte verursacht, die die Kontrolle über den Kontinent erringen wollten. Zweitens wurden die Kriege durch antidemokratische Ideologien wie dem Nazismus, Faschismus oder Kommunismus verursacht (…) Der Krieg in Europa schwand nach 1945, weil die Dominanz der beiden Supermächte – USA und UDSSR – es unmöglich machten für die europäischen Mächte, ihre Rivalitäten wieder aufzunehmen.“

Die Denkfabrik geht mit der EU hart ins Gericht: Der Beitrag der EU zur Sicherheitspolitik sei „erbärmlich“. Die EU hätten nichts zur europäischen Sicherheit beigetragen, sondern vor allem die USA und die Nato. „Die EU ist keine Lösung. Es ist das Problem“, so die CIA-Denkfabrik.

Die britischen und US-Geheimdienste stehen schon seit Monaten einem Brexit positiv gegenüber: Im März sagte der ehemalige MI6-Chef Richard Dearlove, dass ein Austritt Großbritanniens aus der EU Großbritannien sicherer machen könnte. Ein Brexit würde sich positiv auf die nationale Sicherheit auswirken. „Der Brexit würde zwei potentiell wichtige Sicherheitsgewinne mit sich bringen: Die Fähigkeit die europäische Menschenrechtskonvention außer Kraft zu setzen (…) und was noch wichtiger ist, eine größere Kontrolle über die Einwanderung aus der EU“, zitiert City A.M. Dearlove. Die Möglichkeit, dass einer der EU-Staaten seine Beziehungen zu Großbritannien einfrieren würde, hält er für unwahrscheinlich.

Ebenfalls im März sagte der ehemalige CIA-Chef Michael Hayden im Gespräch mit BBC Radio 4, dass er Dearlove zustimme. Großbritanniens Sicherheit würde von einem Brexit profitieren, zumal die Geheimdienste der Briten und Franzosen „sehr gut“ und „dynamisch“ seien. Alle anderen Dienste in Europa seien schwach und würden somit ohnehin keinen Sicherheitsgewinn für Großbritannien darstellen, zitiert ihn die BBC. Vor allem Belgien habe genug mit den Problemen der eigenen Regierung zu tun und leiste keinen Beitrag. Bemerkenswert: Deutschland findet unter dem Sicherheitsaspekt keine Erwähnung.

Der belgische EU-Abgeordnete Philippe De Backer bezeichnet Haydens Aussagen als heuchlerisch. „Wenn er in den USA mit getrennten Diensten konfrontiert werden würde, wäre er der Erste, der für eine Zentralisierung der Geheimdienste plädieren würde“, so De Backer.

Die Argumentation von Bundeskanzlerin Angela Merkel deckt sich mit der Nato-Warnung, man möge Großbritannien jetzt nicht schlecht behandeln: Merkel sagte am Samstag, das Tempo der Austrittsverhandlungen Großbritanniens mit der EU sei nicht entscheidend. „Ehrlich gesagt soll es nicht ewig dauern, das ist richtig, aber ich würde mich auch nicht wegen einer kurzen Zeit verkämpfen“, sagte Merkel.

Wann Großbritannien seinen Antrag auf Austritt aus der EU nach Artikel 50 stellen werde, müsse das Land selbst entscheiden. Merkel sagte, sie gehe davon aus, dass Großbritannien das Ergebnis des Referendums nun auch umsetzen wolle.

Auf EU-Ebene kann man nicht erkennen, dass die Nato für die EU in die Bresche springen könnte. Der Grüne EU-Parlamentarier Reinhard Bütikofer sagte am Samstag bei einer Europa-Veranstaltung in Rothen in Mecklenburg-Vorpommern, dass er nicht glaube, dass die Nato eine stärkere Rolle auf Kosten der EU übernehmen könne. Die Nato sei zerstritten, es gäbe sehr unterschiedliche Positionen im Bündnis. Als Beispiel führte er die Extreme an, die sich im Bündnis fänden: Polen fordere, auf Russland nur mit Abschreckung zu reagieren, während Bundesaußenminister Steinmeier erst vor wenigen Tagen den Dialog mit Russland in den Vordergrund gestellt habe.

George Soros: EU steuert auf Auflösung im Chaos zu
George Soros: EU steuert auf Auflösung im Chaos zu
George Soros hat keinen Zweifel am Zerfall der EU. Dieser werde im Chaos enden. Soros wirft Bundeskanzlerin Merkel vor, die Entwicklung mit ihrer Flüchtlingspolitik beschleunigt zu haben.
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Angela Merkel nach dem Brexit in Berlin. (Foto: dpa)

Angela Merkel nach dem Brexit in Berlin. (Foto: dpa)

George Soros sieht nach dem Votum Großbritanniens für den Brexit das Ende der EU gekommen. Die Auflösung der EU sei damit praktisch irreversibel, schrieb der Milliardär in einem Beitrag für das Project Syndicate. Soros attackiert die EU scharf: Sie habe versagt und es nicht geschafft, den Bürgern die Werte zu bringen, die sie versprochen habe. Die EU steuere auf eine Auflösung im Chaos zu. Das Chaos werde Europa in einem schlimmeren Zustand zurücklassen als wenn es die EU nie gegeben hätte.

Bemerkenswert: Soros macht Bundeskanzlerin Merkel unverhohlen für die Niederlage der EU beim britischen Referendum verantwortlich: Ihre Geste, die Grenzen für alle Flüchtlinge zu öffnen, sie zwar gut gemeint gewesen, jedoch habe Merkel das Problem nicht zu Ende gedacht. Die Briten hätten aus Angst vor einer unkontrollierten Massenzuwanderung gegen die EU gestimmt. Die EU habe zuvor versagt, weil sie die Flüchtlingskrise nicht bewältigt habe.

Auch Großbritannien könne zerfallen, schreibt Soros im Hinblick auf die Sezessionsbestrebungen von Schottland.

Die Finanzmärkte dürften so lange starken Schwankungen unterworfen sein, wie der lange und komplizierte Prozess des politischen und wirtschaftlichen Austritts aus der EU verhandelt werde. Die Folgen für die Realwirtschaft würden vermutlich mit denen der Finanzkrise 2007 bis 2008 vergleichbar sein. Er mahnte zugleich einen massiven Umbau der EU an. Bei dem Referendum am Donnerstag hatte sich eine Mehrheit von fast 52 Prozent der britischen Wähler für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ausgesprochen.

Soros hat vom Brexit mit einer Wette auf Gold erheblich profitiert.

Soros hatte 1992 mit einer Wette gegen das britische Pfund riesige Gewinne eingefahren. Der Sterling brach massiv ein. Die Währung schied damals aus dem europäischen Wechselkursmechanismus EWS aus – der Tag ging als „Schwarzer Mittwoch“ in die Finanzgeschichte ein.

Frankreich schlägt Referendum über „neue EU“ in ganz Europa vor
Frankreich schlägt Referendum über „neue EU“ in ganz Europa vor
Angesichts des zunehmenden Drucks des Front National will die französische Regierung die EU neu erfinden und alle EU-Bürger darüber abstimmen lassen. In mehreren Ländern haben rechte Parteien ihre Aktivitäten verstärkt, um die Wähler über die EU-Mitgliedschaft ihrer Länder abstimmen zu…
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Präsident Francois Hollande und sein Wirtschaftsminister Emmanuel Macron. (Foto: dpa)

Präsident Francois Hollande und sein Wirtschaftsminister Emmanuel Macron. (Foto: dpa)

Nach dem Brexit-Votum der Briten hat Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron den Entwurf eines neuen „Europa-Projekts“ und die Abstimmung darüber in einem Referendum vorgeschlagen. Die Wähler in der Europäischen Union müssten stärker einbezogen und nach ihrer Meinung befragt werden, sagte Macron am Samstag. „Wir würden zuerst dieses neue Projekt zusammen mit den europäischen Völkern erstellen und dann diesen neuen Fahrplan, dieses neue Projekt, zum Volksentscheid vorlegen“, sagte der sozialistische Politiker.

Die französische Regierung will mit dieser Initiative offenkundig den stärker werdenden Bestrebungen rechter Parteien in der EU entgegentreten, mit denen diese Referenden über die EU fordern: Die Chefin des Front National, Marine Le Pen, hat nach dem Brexit-Votum in Großbritannien weitere Abstimmungen in den EU-Mitgliedsstaaten gefordert. „Sieg der Freiheit!“, schrieb Le Pen am Freitagmorgen auf Twitter. „Wie ich es seit Jahren fordere, brauchen wir jetzt dasselbe Referendum in Frankreich und in den Ländern der EU.“ Zuvor hatte bereits ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen, Abgeordnete der Nationalversammlung, von einem „Frexit“ gesprochen. „Es ist jetzt an der Zeit, die Demokratie in unser Land zu importieren“, schrieb sie.

Die tschechische Zeitung MF Dnes schreibt: „Auch andernorts werden sich die Menschen nun um eine Volksabstimmung bemühen, vor allem in Schweden, den Niederlanden und möglicherweise auch in Österreich. Mit dem Austritt Großbritanniens beginnt ein langsamer und langfristiger Zerfallsprozess der EU.“

Die rechte slowakische Volkspartei (LSNS) sammelt bereits ab kommender Woche Unterschriften für ein Referendum über den Austritt des Landes aus der EU. Am 1. Juli übernimmt die Slowakei den EU-Ratsvorsitz. „Es wird höchste Zeit, dass auch die Slowakei diese untergehende europäische Titanic verlässt“, sagte der LSNS-Vorsitzende Marian Kotleba am Samstag zur Brexit-Entscheidung der Briten.

Kotleba ist Präsident der mittelslowakischen Region Banska Bystrica. Bei der Parlamentswahl Anfang März hatte seine Partei überraschend mit einer Kampagne gegen Flüchtlinge 8,6 Prozent der Stimmen geholt.

Regierungschef Robert Fico hatte die Opposition vor der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli zu einem verantwortungsvollen Verhalten aufgerufen. „Destruktion und Hass führen zu nichts“, betonte der Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei Smer. Zugleich forderte er grundlegende Veränderungen bei der EU. „Ein enormer Teil der Menschen in Europa lehnt die EU-Migrationspolitik ab und ist unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik der Gemeinschaft“, sagte der 51-Jährige.

Mehrheit der Amerikaner hält Islam für unvereinbar mit US-Kultur
Mehrheit der Amerikaner hält Islam für unvereinbar mit US-Kultur
Eine Umfrage hat eine erstaunlich hohe Ablehnung des Islam bei den Amerikanern zu Tage gefördert. Die Umfrage bestätigt die Anti-Islam-Strategie von Donald Trump.
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Donald Trump im Wahlkampf in New York. (Foto: dpa)

Donald Trump im Wahlkampf in New York. (Foto: dpa)

Nach einer Umfrage des Public Religion Research Institute und der Brookings Instution glauben etwa 55 Prozent der Amerikaner, dass ihre „Kultur“ durch „ausländische Einflüsse“ bedroht sei und deshalb verteidigt werden müsse. Besonders hoch ist dieser Anteil mit 62 Prozent bei der „weißen Arbeiterklasse“.

Etwa 57 Prozent der Amerikaner sind der Ansicht, dass der Islam nicht kompatibel sei mit amerikanischen „Werten“. Mit 79 Prozent ist dieser Anteil besonders bei den Republikanern hoch, doch bei den Trump-Unterstützern liegt dieser Anteil sogar bei 83 Prozent. Etwa 55 Prozent der Demokraten teilen Sichtweise, dass der Islam kompatibel sei mit amerikanischen „Werten“. Die „weißen, evangelikalen Protestanten“ des Landes sind besonders pessimistisch. Über 59 Prozent von ihnen sind der Ansicht, dass Amerika kein christliches Land mehr sei.

Die Umfrage ergab auch, dass 69 Prozent der Republikaner autoritäre Orientierungen haben. Doch auch bei den Demokraten liegt eine autoritäre Orientierung von 55 Prozent vor. Besonders hoch ist diese Orientierung mit 54 Prozent bei den weißen Amerikanern, wobei dieser Anteil bei der weißen Arbeiter klasse mit 69 Prozent besonders hoch ist.

Gegen Sanktionen: Deutsche Unternehmen bauen Fabriken in Russland
Gegen Sanktionen: Deutsche Unternehmen bauen Fabriken in Russland
Russland profitiert auf unerwartete Weise von den EU-Sanktionen: Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen erreichen neue Höchststände, weil die Unternehmen direkt in Russland Fabriken bauen. Sie wollen den wichtigen russischen Markt nicht wegen der Sanktionen verlieren.
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Gerhard Schröder mit Russlands Präsident in St. Petersburg. (Foto: dpa)

Gerhard Schröder mit Russlands Präsident in St. Petersburg. (Foto: dpa)

Deutsche Unternehmen investieren verstärkt direkt in Russland. Wegen der Export-Sanktionen bauten Mittelständler und Konzerne dort nun eigene Fabriken auf, um weiter im Geschäft zu bleiben, berichtete die Welt am Sonntag unter Berufung auf eine Statistik der Deutschen Bundesbank.

Die Direktinvestitionen deutscher Firmen seien laut Bundesbank im Jahr 2015 auf 1,78 Milliarden Euro gestiegen, berichtete die Zeitung. Dieser Wert sei nur in den Boomjahren von 2006 bis 2008 sowie im Jahr 2010 übertroffen worden.

Dieses Jahr könnte ein neuer Rekord erreicht werden. Bereits im ersten Quartal summierten sich laut „WamS“ die Direktinvestitionen aus Deutschland bereits auf fast 1,1 Milliarden Euro.

Die deutschen Unternehmen haben keine Alternativen zu diesem Weg. China ist drauf und dran den Europäern den wichtigen russischen Absatzmarkt abzujagen. Bundeskanzlerin Merkel ist davon nicht beeindruckt und hat sich in der EU für die Verlängerung der Sanktionen stark gemacht.

Merkel zu Integration von Flüchtlingen: „Wir schaffen das“
Merkel zu Integration von Flüchtlingen: „Wir schaffen das“
Bundeskanzlerin Merkel ist überzeugt, dass die Integration der Flüchtlinge in Deutschland gelingen werde. Unklar ist, welche Position Merkel zu den illegal eingereisten Personen einnimmt. Die Einreise nach Deutschland ist deutlich zurückgegangen, nachdem die Balkan-Route geschlossen wurde und Österreich seine Grenzen…
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Bundeskanzlerin Merkel und CSU-Chef Seehofer am Samstag bei ihrer Versöhnungsklausur. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Merkel und CSU-Chef Seehofer am Samstag bei ihrer Versöhnungsklausur. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Zuversicht in das Gelingen der Flüchtlingsintegration bekräftigt. In ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast zeigte sie sich überzeugt davon, dass diejenigen Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben, gut integriert werden könnten.

Mit Blick auf das vierte Treffen mit Verbänden und in der Flüchtlingshilfe engagierten Gruppen am Freitag sagte Merkel, die Botschaft an die Teilnehmer sei: „Dass wir es nur gemeinsam schaffen. Aber dann schaffen wir das.“ Das sei auch der Geist, in dem in dieser Runde diskutiert werde.

Man müsse zum Teil ganz neue Wege gehen, um das Arbeitspensum zu bewältigen, sagte die Bundeskanzlerin. Es gebe auch insgesamt einiges, was wir „besser machen können, schneller machen können“. Dass Behördengänge in Deutschland manchmal lange dauerten, empfänden nicht nur Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer so, sondern auch viele andere Menschen.

Merkel verwies darauf, dass beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) inzwischen viele zusätzliche Stellen besetzt seien. Es gebe jetzt „eine sehr gute und koordinierte Zusammenarbeit mit den Ländern“. Im Vordergrund stünden dabei die rund 600 Ausländerbehörden. Jeder Flüchtling müsse möglichst zeitnah einen Integrationskurs besuchen können. Es gehe auch um die Frage, welche Fähigkeiten Flüchtlinge hätten. „Viel Arbeit, aber da ist viel, viel in Gang gekommen“, sagte die Kanzlerin.

Mit Blick auf Sorgen und Bedenken von Bundesbürgern hinsichtlich der Flüchtlinge sagte Merkel: „Wir müssen natürlich mit den Menschen darüber sprechen.“ Sie glaube, die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln hätten „Verunsicherung mit sich gebracht“. Besonders schlimm sei in der Zeit gewesen, „dass man über die Dinge scheinbar nicht sprechen wollte“. Deshalb diene der Runde Tisch mit den verschiedenen Verbänden auch dazu, ganz offen über Schwierigkeiten bei der Integration zu sprechen.

Es gebe „sehr, sehr gute Fälle“, aber eben auch kriminelle Handlungen, „leider auch bei der deutschen Bevölkerung mit Angriffen auf Flüchtlingsheime, aber eben auch von einigen Flüchtlingen oder Menschen, die schon eine ganze Weile hier sind“.

Es gelte klar die Rechte, aber auch die Pflichten in Deutschland zu benennen. Dazu gehöre, die Gesetze einzuhalten, sich zu bemühen, die Sprache zu erlernen und seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, wo immer das möglich sei. Man könne in Deutschland frei leben, „aber immer auf der Basis des Grundgesetzes“, betonte die Kanzlerin.

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