Sturm-Warnung in Fukushima: Größte Krise der Menschheit droht

Im Katastrophen-Kraftwerk von Fukushima wurde ein weiteres Leck entdeckt. Nun ziehen Tropenstürme auf die Insel zu. Wenn das Gebäude, in dem die Brennstäbe noch lagern, einstürzt, kann es zu einer weltweiten Katastrophe kommen. Die freigelegten Brennelement können 15.000-mal mehr radioaktive Strahlung freisetzen als die Atombombe auf Hiroshima. Es bleiben noch wenige Wochen, um die Gefahr abzuwenden.

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Fukushima: Japan sendet Hilfe-Ruf an die Welt-Gemeinschaft

Unfassbar: Die Brennstäbe in Fukushima sind teilweise schwer beschädigt. Wenn sie nicht geborgen und unter Wasser gehalten werden können, ist die Zivilisation weltweit bedroht. (Foto: Tepco)

Unfassbar: Die Brennstäbe in Fukushima sind teilweise schwer beschädigt. Wenn sie nicht geborgen und unter Wasser gehalten werden können, ist die Zivilisation weltweit bedroht. (Foto: Tepco)

Das zerstörte Atomkraftwerk von Fukushima bedroht die ganze Welt: Am Montag wurde erneut ein Leck entdeckt. Die Betreiber haben das verseuchte Wasser ins Meer abgelassen. Arbeiter haben beim Ablassen weitere Fehler gemacht, berichtet Reuters.

Die Uhr tickt.

Niemand weiß, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist.

In der Ruine lagern 1.300 hoch radioaktive Brennstäbe. Wenn sie freigelegt werden, droht eine unvorstellbare Katastrophe.

Experten warnen davor, dass die Lage außer Kontrolle geraten könnte.

Stephan Kurth vom Öko-Institut sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten:

„Das Problem ist: Eine große Anzahl von Brennelementen ist einfach vor Ort. Die müssen so oder so da weg. Dafür sind jetzt keine idealen Voraussetzungen vorhanden. Die Gebäude so sind wie sie sind – vorgeschädigt. Die Brennelemente müssen … da weg – und das möglichst schnell.“ (Interview hier).

Der Aktivist und Chefredakteur der Columbus Free Press Harvey Wasserman schreibt in einem Beitrag für globalreserach.ca mit dem Titel „Der gefährlichste Moment der Menschheit: Das Wasserbecken mit den Brennelementen im Unit 4 von Fukushima“:

 „Wir sind nur noch zwei Monate von dem möglicherweise gefährlichsten Augenblick der Menschheit seit der Kuba-Krise entfernt.

Es gibt keine Ausrede, jetzt untätig zu bleiben. Alle Ressourcen, die wir als Menschheit jetzt mobilisieren können, müssen für die Brennelemente in der Unit 4 von Fukushima bereitgestellt werden.

Tepco, die Betreiber-Firma des Kernkraftwerks von Fukushima, behauptet: Man werde innerhalb der nächsten 60 Tage damit beginnen, die 1.300 Brennstäbe aus dem schwer beschädigten Wasserbehälter zu entfernen, die etwa 30 Meter in die Luft ragen. Der Behälter sitzt auf einem schwer beschädigten Gebäude, welches schlingert, sinkt und beim nächsten Erdbeben oder sogar von selbst einstürzen kann.

Etwa 400 Tonnen von verseuchter Flüssigkeit könnten eine 15.000mal höhere Radioaktivität freisetzen als die bei der Atombombe von Hiroshima der Fall gewesen ist.

Das einzige, was wir über diese Krise wissen: Tepco hat weder die wissenschaftlichen, Ingenieur-technischen oder wirtschaftlichen Ressourcen, mit dem Problem fertig zu werden. Auch die japanische Regierung kann das Problem nicht lösen. Die Lage erfordert einen koordinierten Einsatz der besten Wissenschaftler und Ingenieure, die es auf der Welt in diesem Bereich gibt.“

Allerdings gibt es keine Anzeichen, dass die internationale Gemeinschaft die Gefahr wirklich ernst nimmt. Die Japaner versuchen mehr oder weniger allein, die Lage in den Griff zu bekommen (hier).

Für kommende Woche sind schwere tropische Stürme für den Süden Japans angekündigt. Wenn die Ruine einstürzt, sind die Folgen unabsehbar.

Update: Der Taifun Danas wird am 10. Oktober die zerstörte Anlage erreichen (aktuell hier). 

Update 2: Der Taifun Danas ist über Fukushima hinweggezogen. Es gab heftige Regenfälle. Über die Folgen des Regens ist noch nichts bekannt. Tepco hat dzu keinerlei Informationen geliefert.

Harvey Wasserman:

„Die abgebrannten Brennelemente müssen irgendwie unter Wasser bleiben. Sie sind mit einer Zirconium-Legierung umgeben, welche sich sofort entzünden wird, wenn sie in Kontakt mit Luft kommt. Wir kennen das Phänomen von den alten Kameras, wo Zirconium für den Blitz verwendet wurde. Das Material brennt mit einer extrem hellen und heißen Flamme. Jeder einzelne Brennstab strahlt so viel Radioaktivität aus, dass jemand, der in der Nähe steht, innerhalb von Minuten getötet würde. Wenn es zu einem Brand kommt, würde das gesamte Sicherheitspersonal gezwungen sein, den Ort sofort zu verlassen. Die ganze elektronische Maschinerie der Anlage würde dann unbrauchbar werden.

Der Atom-Ingenieur Arnie Gunderson, der vierzig Jahre für die Industrie gearbeitet hat, sagt, dass die Brennstäbe in der Unit 4 verbogen und beschädigt sind. Sie sind in einem solch schlechten Zustand, dass sie zu zerfallen drohen.“

Murata Mitsuhei, der ehemalige Botschafter Japans in der Schweiz sagte, der in Fukushima drohende Kontrollverlust könnte „die globale Umwelt und die Zivilisation zerstören“.

Bereits jetzt ist ein sprunghafter Anstieg von Schilddrüsen-Erkrankungen bei japanischen Kindern zu beobachten. Besorgniserregend: Der Radius der Erkrankungen weitet sich immer stärker aus, so dass davon auszugehen ist, dass sich die Radioaktivität mit großer Schnelligkeit ausbreitet.

Japanische Designer haben eine interaktive Karte entwickelt, die das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigt. Die Werte werden ständig aktualisiert (mehr hier).

Japaner und Aktivisten aus aller Welt haben eine Petition gestartet, damit der Kampf gegen die Verseuchung von Lebensmitteln aufgenommen wird.

In einer weiteren Petition werden die UN aufgefordert, bei der Bergung der Brennelemente zu helfen: Zur Petition hier.

Auch in Europa wächst unterdessen die Sorge um marode Atom-Anlagen. Denn der Fall Fukushima zeigt: Es gibt kein Lehrbuch für die Zeit nach dem GAU (mehr dazu hier).

Update: Japans Regierungs-Chef Shinzu Abe hat am Sonntag die Welt-Gemeinschaft um Hilfe gebeten. Die Lage scheint der Regierung vollends zu entgleiten (mehr dazu aktuell hier).

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