USA: Obama kann im Alleingang Schulden machen – bis zum Crash

Trotz der Schließung der Behörden am Dienstag werden die USA nicht pleitegehen: Die Notenbank druckt weiter mit vollem Tempo. Die Verfassung enthält einen Passus, demzufolge Präsident Obama im Alleingang die Schulden weiter in die Höhe treiben kann. Der Schlusspfiff (Game Over) ertönt jedoch, wenn der Bond-Markt die USA fallen lässt. Dann gibt es kein Halten mehr.

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Der Streit zwischen Republikanern und Demokraten über den weiteren Schulden-Weg Amerikas hat am Dienstag mit der Schließung der Regierungsbehörden einen publikumswirksamen Höhepunkt erreicht (mehr hier).

Theoretischen müssen sich die Parteien nun bis zum 17. Oktober auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze einigen. Sonst ist die einstige Weltmacht an diesem Tag technisch genauso pleite wie Griechenland.

Doch dazu wird es nicht kommen: Zum einen glauben Beobachter in Washington, dass die Eskalation zum jetzigen Zeitpunkt dazu führen wird, dass sich die Parteien auf eine neue Schulden-Obergrenze einigen werden. Vor allem die Republikaner sind unter Druck, weil sie in den Umfragen eindeutig als die bösen Buben gesehen werden.

Doch Präsident Barack Obama hat noch eine zweite Trumpfkarte: Artikel 4 des 14. Amendments der Verfassung schreibt fest, dass die USA ihren Schulden-Verpflichtungen immer nachkommen müssen. Die Regelung stammt aus der Zeit der Gründung der Staaten, als die Südstaaten die Nordstaaten wegen der hohen Kriegsschulden erpressen wollten.

Das Magazin The Atlantic hatte dazu bereits im Jahr 2011 – als das Budget-Konflikt zum ersten Mal zu eskalieren drohte – dazu eine fiktive Rede Obamas entworfen, mit der der Präsident vor sein Volk treten und die Notmaßnahme verkünden wird. Dazu werden einfach neue Schuldscheine gedruckt – und die Regierung kann weitermachen wie bisher.

Im Grunde würde sich an der amerikanischen Schulden-Politik nichts ändern: Am Dienstag äußerten Beobachter die Erwartung, dass eine Fortsetzung des Defizit-Streits die US-Notenbank Federal Reserve veranlassen dürfte, das unbegrenzte Geld-Drucken einfach weiter fortzusetzen.

Die Börsen reagierten daher am Dienstag gelassen auf den Konflikt. Für sie ist entscheidend, dass weiter gedruckt wird, um genügend Spielgeld zur Verfügung zu haben.

Investor Marc Faber warnt unterdessen, dass es dass es durch das hemmungslose Drucken zu einer massiven Inflation der globalen Vermögenswerte kommen werde (mehr hier).

In der Tat ist die einzig offene Frage die nach dem Zeitpunkt, wann das Spielgeld als solches enttarnt und das Kartenhaus in sich zusammenbricht. Es ist denkbar, dass die Amerikaner die Zahlen noch einige Zeitlang weiter manipulieren können, damit die Computer an den Börsen glauben, dass die US-Wirtschaft weiter wächst.

So lange es geht, werden die Amerikaner versuchen, in einem beispiellosen Währungskrieg die Inflation zu exportieren, am liebsten in die Schwellenländer (dieser Vorgang läuft bereits – hier).

Das größte Risiko bei dieser Taktik ist China: Wenn die Chinesen mit einem Abverkauf der US-Staatsanleihen beginnen, weil sie die Kreditblase im eigenen Land nicht unter Kontrolle bekommen, dann dürfte die Entscheidungs-Schlacht bevorstehen.

Allerdings ist es auch denkbar, dass sich Chinesen, Amerikaner und Russen darauf verständigen, die EU ins offene Messer laufen zu lassen und ihnen den Schwarzen Peter der Inflation zuzuschieben.

Der Euro ist noch vergleichsweise stark. Die Zahlen in den Euro-Staaten sind unverändert schlecht, die Schulden weiter gestiegen.

Eigentlich ein ideales Crash-Szenario.

Im End-Spiel der Geld-Entwertung denkt jeder nur noch an sich.

Für Barack Obama ist die aktuelle Lage durchaus vorteilhaft: Er, der eigentlich ein schwacher Präsident ist, kann sich als standfester Kämpfer für die USA präsentieren.

Doch wie schon beim Syrien-Konflikt erlebt: Obama kann nicht bis zum übernächsten Schritt denken. Wie er die Regierung Assad unter- und die Kriegswilligkeit seiner eigenen Soldaten überschätzt hatte, so könnte er auch diesmal einen Faktor übersehen: Der Bond-Markt hat seine eigenen Gesetze.

Die Investoren, mit deren Geld Obama jetzt pokert, könnten die USA genauso schnell verlassen wie sie aus Zypern verschwanden.

Kapitalflucht nennt man das.

Und die bricht jedem Staat das Genick.

Die Globalisierung der Finanzmärkte frisst ihre Kinder.

Obama hängt am seidenen Faden der Finanz-Eliten.

Schneiden sie den Faden durch, fällt der Vorhang.

Auf Englisch: Game Over.

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