Wall Street Banker setzen Obama die Daumenschraube an

Eine Gruppe von Bank-Managern warnt US-Präsident Obama, dass Amerika nicht mit dem Gedanken einer Staats-Pleite spielen sollte. Das Land müsse seine Schulden bezahlen. Dieselben Banken, die vor fünf Jahren noch als Bittsteller nach Washington gekommen waren, zeigen sich nun unerbittlich: Sie wollen Geld sehen. Sie entreißen dem nackten Kaiser das letzte Hemd. Business as usual.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Men in Black in Washington: Die Banken verstehen keinen Spaß, wenn es um schlechte Schuldner geht. Goldman & Co. erhöhen den Druck auf Obama, das Kasino braucht frisches Geld. (Screenshots: CNBC)

Men in Black in Washington: Die Banken verstehen keinen Spaß, wenn es um schlechte Schuldner geht. Goldman & Co. erhöhen den Druck auf Obama, das Kasino braucht frisches Geld. (Screenshots: CNBC)

Bisher waren die „Men in Black“, also die Aufseher der Troika aus IWF, EZB und EU, nur in Griechenland, Irland und Portugal aufmarschiert.

Sie sind die Schulden-Eintreiber, wenn ein Land zahlungsunfähig ist.

Am Mittwoch erschienen die Top-Banker der Wall Street persönlich bei US-Präsident Barack Obama. Ihre Botschaft war unmissverständlich: Schon die Idee einer Staats-Pleite der USA sei unakzeptabel. Die Regierung müsse ihre Schulden bezahlen, sonst werde es zu einer globalen Wirtschafts-Katastrophe kommen. Origineller Weise gab der Chef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, den Anwalt der kleinen und mittleren Unternehmen: Diese würden im Falle einer Staats-Pleite zusammenbrechen. Niemand wolle das, daher müssten sich nun Demokraten und Republikaner auf ein Budget einigen.

Obama schien die Botschaft verstanden zu haben und erinnerte in einem Interview mit CNBC daran, dass kleine und mittlere Unternehmen monatlich aktuell etwa eine Milliarde Dollar an Krediten von der Regierung erhielten. Diese Kreditlinien seien nun gestoppt.

Doch Blankfein und seinen Kollegen geht es natürlich nicht um die kleinen Unternehmen.

Es geht ihnen darum, dass das weltweite Finanz-Kasino flüssig bleiben müsse. Die Botschaft der Banker, unmissverständlich zwischen den Zeilen zu hören: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) muss weiter Geld drucken. Dieses Geld wird im Welt-Finanzsystem benötigt, um die Preise für Assets künstlich hochzuhalten. Nur so können Profite hochgehalten werden.

Auch die Fed griff die Anregung sofort auf: Der Präsident der Fed von Boston, Eric Rosengren, sagte, dass die Zentralbanken ihre Pläne, die Geld-Flut einzudämmen, nun fallen lassen müsse. Die Begründung Rosengrens entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Wegen der Schließung der US-Behörden seien auch die staatlichen Statistik-Ämter nicht mehr in der Lage, die aktuellen Zahlen korrekt zu berechnen. Daher habe die Fed keine Zahlen, die ein Ende des Geld-Druckens rechtfertigen würden. Rosengren räumte ein, dass es ein weiteres Problem gäbe: Die Vorhersagen der Fed stimmten nicht immer mit der Realität überein.

Die Logik: Weil man bisher falsche Vorhersagen getroffen habe und die Schleusen wegen dieser Vorhersagen geöffnet habe, müsse man nun auf dem Irrtum beharren – und weiter Geld drucken. Eine Rückführung der Liquidität solle nur in kleinen Dosen erfolgen, sagte Rosengren.
So schnell wirkt also die Daumenschraube der Finanzindustrie.

Obama ist ein Sklave der Finanzindustrie. Die spielt ihre Karten nach Belieben aus: Vor fünf Jahren noch waren die Banken in Washington scheinbar kleinlaut angetreten, um ihre Unternehmen vom Steuerzahler retten zu lassen.

Nun treten sie an, um zu fordern: Gebt Goldman was Goldmans ist.

Dem Kaiser Obama wird das letzte Hemd entrissen. Er steht nackt da, und erhält die Peitschenhiebe stellvertretend für die wahnwitzige Schuldenpolitik, auf der das ganze System aufgebaut ist.

Unter den Henkern von Washington war auch der Chef on JPMorgan, Jaime Dimon: Die Regierung verhandelt mit ihm gerade über ein Milliarden-Bußgeld wegen der betrügerischen Aktionen der Bank mit undurchsichtigen Schuld-Papieren.

Obama wich der Frage von CNBC aus, wie er sich fühle, nun mit Dimon über das Chaos der US-Finanzen sprechen zu müssen.

Blankfein sagte, er habe kein gesteigertes Interesse an einer US-Pleite.

Ihn interessiert, dass gezahlt wird.

Business as usual.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick