Panik: US-Banken fürchten Bank-Run in Amerika

Die amerikanischen Banken halten tägliche Krisen-Sitzungen und haben teilweise Notfall-Pläne aktiviert. Demnach wurde bis zu 30 Prozent mehr Geld in die Bankomaten des Landes gefüllt, falls die Amerikaner in Panik Geld abheben wollen. Die Maßnahmen zeigen, dass die Lage in Amerika ausgesprochen kritisch ist.

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Der Auftritt der Banker bei US-Präsident Barack Obama hat offenbar einen bisher unbekannten Grund: Die Banken fürchten wegen des Defizit-Chaos einen Bank-Run der Amerikaner. Wie die FT berichtet, haben einige Banken ihre Notfall-Pläne aus dem Jahr 2011 aktiviert. Täglich werden in allen Banken Krisen-Sitzungen abgehalten.

Zwei Banken haben nun auch ihre Bargeld-Bestände in den Bankomaten um 20 bis 30 Prozent aufgestockt. Sie wollen sichergehen, dass die Kunden genug Geld aus den Automaten ziehen, wenn sie in Panik feststellen, dass wegen einer möglichen Staats-Pleite ihre eigenen Geldreserven ausgeschöpft sind. Welche Banken diese Maßnahmen ergriffen haben, schreibt die FT nicht.

Die Spareinlagen sind in den USA in einer Höhe von 250.000 Dollar versichert. Es ist jedoch eine grundsätzliche Frage, ob das amerikanische Finanz-System tatsächlich in der Lage wäre, für diese Versicherungen geradezustehen.

Schon jetzt klagen vor allem Staatsbedienstete über Liquiditäts-Engpässe. Sie seien auf das Geld von den Pay-Checks angewiesen, sagte Angestellte mehreren US-Networks. Auch zahlreiche Unternehmen, die mit der Regierung Geschäfte machen, sind von den Zahlungsausfällen betroffen. So hat die Rüstungsindustrie angekündigt, vorübergehend Personal abbauen zu müssen, weil erwartete Zahlungen vom Staat ausbleiben.

Erspartes haben die Amerikaner kaum: Man hat ihnen das Sparen in den vergangenen Jahren strukturell ausgetrieben. Durch die Niedrigzins-Politik der US-Regierung, die unter Bill Clinton und Alan Greenspan begonnen hatte, ist es für den durchschnittlichen Amerikaner unattraktiv geworden, Geld bei der Bank anzulegen. Im Gegenteil: Durch die niedrigen Zinsen wurden die Bürger ins Schulden-Machen getrieben. Heute stellen unter anderem die Studenten-Kredite eine Zeitbombe vor allem für die jüngere Generation dar.

Außerdem hat man den Amerikanern eingeredet, dass Bargeld in einer modernen Wirtschaft nicht nötig sei. Dadurch schieben viele US-Bürger erhebliche Kreditkarten-Schulden vor sich her. Wenn das Konto am Monats-Ende nicht die nötige Deckung aufweist, wird das Thema mit einem Schlag zu einem gewaltigen Problem für die Banken.

IWF-Chefin Christine Lagarde zeigte sich daher auch sehr beunruhigt über die Entwicklung: Eine Staats-Pleite der USA wäre eine Katastrophe für die US- und für die Welt-Wirtschafts, sagte Lagarde am Donnerstag.

Hinter verschlossenen Türen verhandeln unterdessen Republikaner und Demokraten über einen Ausweg aus dem Chaos.

Es wird erwartet, dass sich die Parteien vor dem 17. Oktober auf einen Kompromiss verständigen werden.

Dieser ist jedoch keine Lösung, auch wenn er den Crash des US-Wirtschafts-Systems noch einmal abwendet.

Was immer die Politik in Washington nun unternimmt: Es ist eine klassische Insolvenzverschleppung.

Die größte Industrie-Nation der Welt wandelt damit auf den Spuren Griechenlands.

Die Auswirkungen auf die Psychologie der Märkte dürften von den zerstrittenen Parteien übersehen worden seien.

Wenn die Banken jetzt schon Angst vor einem Bank-Run haben, ist das ein äußerst bedenkliches Signal für alle Investoren. Denn auch die US-Notenbank Federal Reserve ist wegen der massiven Aufkäufe von Staatsanleihen faktisch insolvent. Ihre aufgeblähte Bilanz-Summe ist eine Zeitbombe, die es ihr schwer macht, Obama in der Not zu helfen.

Das System nähert sich seinem Ende.

High Noon in Washington – und kein Retter in Sicht.

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