Fukushima: Taifun „Wipha“ zieht auf, japanische Atom-Aufsicht nervös

Der Taifun Wipha hat die japanische Küste erreicht. Er soll ab morgen in voller Stärke über Japan hinwegfegen. In Fukushima haben hektische Abwehr-Maßnahmen begonnen. Die Atomruine wird notdürftig gesichert, alle sonst notwenigen Rettungsmaßnahmen am zerstörten KKW wurden eingestellt. Die japanische Atom-Aufsicht ist beunruhigt.

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Eine große Welle schlägt bei Kap Muroto auf - Vorbote des Taifuns Wipha. Er soll der stärkste Taifun der vergangenen zehn Jahre sein, meldet der japanische Wetterdienst. (Foto: Kyodo)

Eine große Welle schlägt bei Kap Muroto auf – Vorbote des Taifuns Wipha. Er soll der stärkste Taifun der vergangenen zehn Jahre sein, meldet der japanische Wetterdienst. (Foto: Kyodo)

Der Meteorologische Dienst Japans warnt vor dem nächsten starken Taifun, der in den kommenden Tagen über das havarierte Atomkraftwerk von Fukushima hinwegziehen wird: Taifun „Wipha“ ist der größte Taifun seit 10 Jahren, berichtet die Japan Times. Er soll am Mittwoch ungebremst auf das japanische Festland aufschlagen.

Der Sturm, der insgesamt 26. in dieser Saison, soll in etwa so stark sein wie jener des Jahres 2004, meldet der Wetterdienst.

Es werden starker Regen, hoher Wellengang und Stürme erwartet. Japan Airlines hat zahlreiche Inlands-Flüge storniert, die japanischen Eisenbahnen werden auf bestimmten Linien den Bahnverkehr einstellen.

In Fukushima hat die Betrieber-Firma Tepco damit begonnen, die Atom-Ruine des Reaktors Nummer 1 zu behelfsmäßig zu sichern. Tepco teilte mit: „Wir bereiten uns auf geeignete Maßnahmen zum Umgang mit dem verseuchten Wasser vor. Wir werden Patrouillen zu jenen Stellen schicken, wo der Sturm Wasser in die Gebäude treiben könnte.“

Patrouillen gegen einen Taifun.

Tepco hat sämtliche Routine-Sicherungen an dem Einsturz-gefährdeten KKW am Land und offshore eingestellt. Die Arbeiter binden Elektro-Kabel und Schläuche zusammen.

In Fukushima ist der Unit 4 bereits massiv unterspült. Tausende Tonnen von radioaktivem Wasser fließen in den Pazifik. In dem Gebäude lagern 1.300 abgebrannte Brennstäbe, die unbedingt gekühlt werden müssen.

Die bisherigen Sicherungen von Tepco sind abenteuerlich: Mit Plastik-Planen und Sandsäcken wurde versucht, radioaktives Material zu abzudecken und Löcher zu stopfen.

So sichern die japanische High-Tech-Experten den zerstörten Reaktor von Fukushima: Mit Plastik-Planen (links) und Sandsäcken. (Fotos: Fukushima Diary)

So sichern die japanische High-Tech-Experten den zerstörten Reaktor von Fukushima: Mit Plastik-Planen (links) und Sandsäcken. (Fotos: Fukushima Diary)

Erst vor einigen Tagen hatte es Sturm-Warnung gegeben: Der Taifun Danas hatte jedoch keine Schäden an der Atomruine verursacht. Jedenfalls hat Tepco nichts dergleichen gemeldet (mehr zu diesem Sturm – hier).

Die japanische Nuklear-Aufsicht hat Tepco gestattet, verseuchtes Wasser von der Atom-Ruine in die Umgebung und ins Meer abzulassen. Anwohner der Region hatten dagegen protestiert, doch der zuständige Beamte der Atom-Aufsicht, Toyoshi Fuketa, sagte einem Bericht des WSJ zufolge: „Wir müssen über dieses Thema heute entscheiden. Ein Taifun nähert sich. Wir haben keine Zeit mehr, diese Diskussion weiter zu führen.“

Das Krisen-Management von Fukushima erweist sich unverändert kopflos, kurzsichtig und an der Grenze zur Panik.

Für die kommenden Wochen werden weitere Taifuns erwartet. Bereits jetzt ist die Zahl der Taifune in diesem Jahr deutlich höher als in den vergangenen Jahren.

Und jedes Mal geht es in Fukushima um nicht weniger als die Zukunft des Pazifik und die Gesundheit einer Millionen-Bevölkerung in Japan.

Und am Ende um die Gesundheit der Menschheit.

Der Kampf wird noch Generationen beschäftigen.

Beobachter wie der deutsche Physiker Sebastian Pfugbeil zweifeln, dass die Rettung gelingen kann (mehr hier).

Alle aktuellen Berichte zu Fukushima hier.
Live Webcam des japanischen Fernsehens auf Fukushima hier.

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