Italien: Berlusconi überlistet Goldman Sachs

In Italien gibt es die nächste Regierungskrise: Der langjährige Goldman-Banker und Kurzzeit-Premier Mario Monti ist aus seiner Partei ausgetreten, weil er auf dem Ausschluss Berlusconis besteht. Der Cavalliere wittert seine Chance auf ein Comeback - und streut Zwietracht.

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Der größte Feind Silvio Berlusconis ist der ehemalige Goldman-Sachs Banker Mario Monti: Er hatte Berlusconi gestürzt und wurde an seiner Stelle Premier in Italien. Monti hat in seiner Amtszeit keine Gelegenheit ausgelassen, Berlusconi als den Teufel Italiens darzustellen. Berlusconi seinerseits attackierte den Technokraten als den Zerstörer Italiens.

Beide hatten recht.

Nun ist der Konflikt wieder aufgeflammt: Die von Monti gegründete Partei Bürgerliche Wahl (SC) soll einen Geheimpakt mit Berlusconi geschlossen haben, um dessen Ausschluss aus dem Senat zu verhindern.

Als Monti zu Ohren kam, dass seine eigene Partei mit seinem Todfeind paktiert habe, kam es zum Streit mit seinem langjährigen Vertrauten, dem jetzigen Verteidigungsminister Mauro.

Monti warf seinem Freund Verrat vor. Denn Goldman Sachs besteht aus dem Ausschluss Berlusconis aus der Politik. Monti hat es stets verstanden, sich gegenüber dem merkwürdigen Gebaren Berlusconis als seriöse politische Alternative zu präsentieren. Während die Italiener sich über Berlusconis junge Mädchen echauffierten, schob Monti der maroden Monte dei Paschi di Senia vier Milliarden-Euro an Bailout-Steuergeldern zu (hier).

Der Goldman-Banker hatte aber aktuell einen weiteren Konflikt mit seiner eigenen Truppe: Er wollten dem Budget der Sozialisten nicht zustimmen, weil diese die Steuern erhöhen. Monti, der selbst die Steuern erhöht hatte, verlangt nun, dass die Steuern gesenkt werden.

Jetzt will Silvio Berlusconi die Gunst der Stunde nutzen: Wenn sein Erzrivale Monti aus der ersten Reihe verschwindet, kann Berlusconi mit den Freunden seines Ex-Feindes eine bürgerliche Allianz gegen die Sozialisten schmieden.

Es ist nun möglich, dass die Regierung in Rom stürzt. Monti sinnt auf Rache. Italien ist einzigartig.

Die Mailänder Scala gibt am Samstag Verdis Don Carlos.

Darin verabschiedet sich der Held nach unendlichen Intrigen mit den Worten:

DON CARLOS
Ich hatte einen schönen Traum! … Er verflog, und der düstere Tag
zeigt mir einen Brand, der die Lüfte erhellt,
einen Fluss, gerötet von Blut, verlassene Dörfer,
ein Volk in Todesqualen, das mich
am Tag der höchsten Not anfleht als seinen rettenden Gott.
Ihm will ich zu Hilfe eilen und, wie mein Schicksal auch sei, glücklich sein,
wenn Ihr meinen Triumph besingt oder meinen Tod beweint!

Und abschließend:

DON CARLOS
Ah! Gott wird mich rächen,
seine Hand wird dieses Blutgericht zerschmettern!


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