Banken in Europa: Trotz Stress-Test 1,3 Billionen Finanzierungs-Lücke

Europäische Banken sollen nach den Vorstellungen der EZB eine Eigenkapitalquote von 8 Prozent erreichen, um als sicher zu gelten. Das reicht bei weitem nicht: Die europäischen Banken haben aktuell eine Finanzierungslücke von 1,3 Billionen Euro. Insgesamt werden 130 Banken untersucht – die deutschen Sparkassen und Landesbanken blieben unter nationaler Aufsicht.

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Der im nächsten Frühjahr vorgesehene Bankenstresstest schlägt bereits jetzt hohe Wellen. Die EBA plant neue Standarddefinitionen, die es internationalen Anlegern ermöglichen sollen, das verschwundene Vertrauen in die europäischen Banken wieder herzustellen. Die EZB sieht keine „bösen Überraschungen“ in den Bankbilanzen lauern.

Indessen sieht die Ratingagentur Standard and Poor’s (S&P) enorme Finanzierungslücken für die Banken Europas. Ende 2012 fehlten nach Analysen der Agentur insgesamt 36 europäischen Bankhäusern etwa 1,3 Billionen Euro, um die künftigen Anforderungen der Regulierer an ihre stabile langfristige Refinanzierungsbasis zu erfüllen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Vor zwei Jahren betrug die Lücke noch 2,1 Billionen. Der überwiegende Anteil, nämlich 80 Prozent, betreffen spanische, französische und skandinavische Banken.

Im Vorfeld des geplanten Bankenstresstests empfiehlt die European Banking Authority (EBA), es für die internationalen Investoren einfacher zu machen, den „Gesundheitszustand“ der europäischen Banken mittels gemeinsamer Definitionen vergleichbarer zu machen. Dies soll sich im Wesentlichen auf die Bestimmungen der faulen Kredite beziehen.

Demnach soll es laut der EBA im Hinblick auf die Stresstests eine Standarddefinition für „nicht notleidende Kredite“ und „Selbstkontrollen“ geben, wenn sich die Rückzahlungen von Krediten verzögerten.

Die neuen Regeln sollen den nationalen Regulierungsbehörden weniger Handlungsspielraum einräumen als in früheren Stresstests. Andererseits werde ihnen erlaubt, selbst zu entscheiden, welche Assets (Vermögenswerte) im Fokus stehen sollen. Zu diesem Zweck sollten zwei unterschiedliche Kennziffern eingeführt werden, die Banken erreichen müssten.

Im Hinblick auf die Durchführung der Stresstests steht die EZB vor zwei gegensätzlichen Erwägungen: Einerseits müssten die Banken ihre Glaubwürdigkeit behalten – EZB-Chef Mario hatte von der Notwendigkeit, gesprochen „den Nebel um Bankbilanzen in der Eurozone zu zerstreuen“. Auf der anderen Seite bestehen ungedeckte und klaffende Löcher in den Bankbilanzen, die eine immense Kapitalerhöhung erforderten. Dies könnte eine erneute Bankenkrise auslösen, wo doch gerade der anstehende Stresstest versuchen sollte, die Gefahr einer Krise – in diesem Sinne das Vertrauen in die Banken – zu zerstreuen, berichtet die Financial Times.

Hochrangige EZB-Beamte betonen, die Spannungen könnten gelöst werden, da keine enormen bösen Überraschungen in den Bilanzen lauerten. Vítor Constâncio, Vizepräsident der EZB, sagte der Financial Times Anfang dieses Monats, die europäischen Banken befänden sich in einem viel besseren Zustand, als dies die Markt-Wahrnehmungen suggerierten.

Die EZB will in den nächsten zwölf Monaten 128 Banken aus den künftig 18 Euro-Ländern prüfen. Darunter befinden sich 24 deutsche Banken. Ausgenommen sind die deutschen Landesbanken und Sparkassen – sie haben bisher am lautesten gegen die Einordnung protestiert. Der Grund: Die Sparkassen sind so etwas wie die Finanz-Institute der regionalen Politik. Der Posten eines Sparkassendirektors ist eine Möglichkeit der politischen Karriereleiter. Die Landesbanken haben in der Vergangenheit vor allem spekuliert und waren den Ministerpräsidenten zu Diensten – wie der Fall der BayernLB zeigt: Die Bank hat bei einem Deal mit Jörg Haiders Hypo Alpe Adria massiv Steuergelder verschleudert.

Für die deutsche Politik ist das eine interessante Variante: Sie kann versuchen, die Sparer mit dem Schreckgespenst der Zwangsenteignung bei internationalen Banken die deutschen Sparer zu den Sparkassen zu treiben.

Die untersuchten Banken müssen in dem Stress-Test ein Eigenkapitalpolster von acht Prozent ihrer Bilanzrisiken vorweisen.

„Transparenz ist das vorrangige Ziel“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Die Banken in Europa hätten zwar in den fünf Jahren seit der Finanzkrise schon viel getan, um ihre Bilanzen zu bereinigen. Sie hätten 225 Milliarden Euro Kapital eingesammelt und weitere 275 Milliarden Euro an Staatshilfen erhalten. Draghi: „Wir erwarten, dass die Überprüfung das Vertrauen des privaten Sektors in die Banken der Euro-Zone und in die Qualität ihrer Bilanzen stärken wird.“


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