Barroso lässt Deutschland-kritische Studie verschwinden

Die EU-Kommission hat vorübergehend eine kritische Studie von der EU-Website verschwinden lassen - wohl um die Genehmigung eines Notkredits für Brüssel nicht zu gefährden. In der Studie vertritt ein EU-Ökonom die Auffassung, dass Deutschland mit seinem Spar-Druck die Euro-Zone ruiniert. Doch ein Grieche hat aufgepasst und sich eine Kopie der Studie gezogen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die einzigen, die offenbar Studien der EU lesen, sind die Griechen: Der Brüssel-Korrespondent der Zeitung Kathimerini, Nikos Chrysoloras, hatte am Montag auf der Website der EU-Kommission eine brisante Studie entdeckt. Darin kommt der Ökonom Jan in ‘t Veld zu dem Schluss: Wenn Deutschland den Euro-Krisenstaaten nicht einen solch radikalen Sparkurs aufgezwungen hätte, ginge es Griechenland und Portugal heute besser.

Diese Botschaft ist Labsal auf die geplagten griechischen Seelen – wenngleich sie sachlich vermutlich falsch ist: Jan in ‘t Veld ist Keynesianer, die Frage, ob mehr staatliche Ausgaben die Lage der europäischen Staatsschulden-Wirtschaft verbessern könnte, ist theoretischer Natur. Auch der Autor räumt ein, dass selbst der Verzicht auf einen Sparkurs durch Deutschland keine Wunder für die Krisenländer bewirkt hätte.

Interessant ist jedoch, dass die EU-Kommission das brisante Papier unmittelbar nach der Veröffentlichung wieder von der EU-Website verschwinden ließ.

Chrysoloras hatte das Papier jedoch downgeloaded und darüber berichtet, von dort fand es den Weg zur FT – und damit an das Licht der Öffentlichkeit.

Die EU hatte offenbar kurzfristig Panik bekommen: In dieser Woche standen die Notverhandlungen über einen Notkredit für die insolvente EU-Kommission an – bei denen die Nationalstaaten zustimmen mussten, der Kommission einen erneuten Notgroschen zu gewähren.

In einer solchen Lage pinkelt man dem größten Netto-Zahler der EU nicht ans Bein.

Doch nachdem der aufmerksame griechische Journalist die EU-Kommission blamiert hatte, musste die Kommission das Papier wieder veröffentlichen. Als Begründung für die vorübergehende Löschung gaben Barrosos Leute an, dass noch einige Grafiken hätten geändert werden müssen.

Aber das ist dann ja schon wieder „business as usual“ in Brüssel.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick