Reichen-Steuer: Französische Fußballer kündigen General-Streik an

Francois Hollande steht vor seiner bisher größten Belastungsprobe: Die französischen Fußball-Clubs werden am letzten November-Wochenende alle Spiele ausfallen lassen. Der Grund: Die Reichen-Steuer von 75 Prozent ist den Fußball-Millionären ein Dorn im Auge.

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Am letzten November-Wochenende werden in Frankreich keine Fußballspiele stattfinden. Alle Spiele wurde abgesagt – weil die Fußball-Clubs gegen die 75prozentige Reichensteuer protestieren. Die Steuer wird für jeden fällig, der jährlich ein höheres Gehalt als eine Million Euro bezieht.

Der Chef des französischen Fußball-Verbandes UCPF, Jean-Pierre Louvel, erklärte am Donnerstag: „Wir sprechen über den Tod des französischen Fußballs.“ Louvel: „Wir sind jetzt schon die am höchsten besteuerte Liga in Europa, und die anderen Ligen sind jetzt schon stärker als wir.“

Tatsächlich wetteifern die Clubs aus Spanien, England, Deutschland und Italien um die Millionäre. Vor allem in Spanien scheint es keine Grenzen zu geben. Erst kürzlich hat Real Madrid den Spieler Gareth Bale für 100 Millionen Euro von Tottenham gekauft. Viele spanische Clubs können nur weitermachen, weil sie sich mit staatlichen Garantien weiter verschulden können.

Auch die meisten französischen Clubs schreiben rote Zahlen. Einige, wie der Pariser Club aus St. Germain, können nur in der europäischen Einkommens-Spitzenklasse mitspielen, weil die Scheichs aus Katar eingestiegen sind: Die Kataris haben bereits 300 Millionen Euro für Transfers ausgegeben. 200 Millionen Euro kostete der schwedische Spieler Zlatan Ibrahimovic. Der Spieler erhält ein jährliches Gehalt von etwa 15 Millionen Euro.

Präsident Hollande will die Fußball-Fürsten in der kommende Woche treffen.

Erstaunlicherweise haben die Fans kein Verständnis für die Millionäre: Eine Umfrage von LCI hat ergeben, dass 85 Prozent der Franzosen eine Reichensteuer in der geplanten Höhe für die Fußballer für angemessen halten.

Tatsächlich zeigt der Konflikt, wie wahnwitzig die Gehälter im Sport geworden sind: Jahresgehälter von über einer Million Euro für Fußball-Spieler sind mit dem gesunden Menschen-Verstand nicht zu erfassen.

Doch in der Logik der Finanz-Eliten, die längst auch den Fußball beherrschen, sind solche Gehälter schlüssig: Die Fußballer sind Assets, über die die Schuldenspirale im internationalen Fußball nach oben getrieben werden kann. Mit jedem neuen Kredit verdient eine Bank.

Die Konsequenz ist bei den Fußballern wie im richtigen Leben: Die Einkommens-Schere zwischen Arm und Reich geht in dem Maß auseinander, in dem es gelingt, die Märkte zu globalisieren. Nur so kann erreicht werden, dass Gelder über Grenzen hinweg verschoben werden können. Es entsteht eine Elite der Super-Reichen, die als Legionäre durch Europa tingeln – je nachdem, wo es das meiste Geld gibt.

Über die europäischen TV-Rechte, die in Deutschland vom Steuerzahler Gebührenzahler berappt werden, weil ARD und ZDF für alle wichtigen Wettbewerbe die privaten Konkurrenz ausgestochen haben, trägt auch der Fußball die Merkmale eines Schneeball-Systems und kann daher mit einigem Recht der Finanz-Branche zugeordnet werden.

Es ist eine Art ewiger Bail-Out: Die Bürger müssen für den Luxus einer kleinen Elite zahlen.

Als Gerd Müller 1964 vom TSV Nördlingen zum FC Bayern München wechselte, erhielt er ein Handgeld von 5.000 DM und ein monatliches Gehalt von 160 Mark.


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