Biberach: 435.000 Euro aus Steuergeldern für Fledermaus-Brücken

Für eine neue Straße in Biberach baute die Stadt gleich zwei Fledermausbrücken. Fledermäuse stehen unter Naturschutz und die neue Umfahrung stellte eine Gefahr dar. Daher wurden extra für die Tiere zwei Brücken gebaut. 435.000 Euro kostete der Bau. Sollten die Fledermäuse die Brücken nicht akzeptieren, ist das Geld weg: Die Brücken sind für Rehe und Menschen nicht zugelassen.

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Zwei Brücken nur für Fledermäuse. Anderen Tierarten wie Rehen und Füchsen nützt die Brücke beim Überqueren nichts. (Foto: M. Rösler)

Zwei Brücken nur für Fledermäuse. Anderen Tierarten wie Rehen und Füchsen nützt die Brücke beim Überqueren nichts. (Foto: M. Rösler)

Sie heißen Großes Mausohr Brücke und Großer Abendsegler Brücke – die zwei Fledermausbrücken in Biberach. Zwei Brücken, deren Nutzen für die Fledermäuse nicht nachgewiesen ist. Die aber den Steuerzahler etwa 435.000 Euro gekostet haben.

Grund für das Entstehen der Fledermausbrücken war der Bau der Nordwestumfahrung Biberach. Der Bau der neuen Umfahrung hatte das Durchschneiden von zwei Waldkomplexen zur Folge, so die Stadt Biberach. Diese werden jedoch von etlichen Fledermausarten als Jagdgebiet genutzt. Fledermäuse gelten im Bundesnaturschutzgesetz als besonders geschützte Arten, die man nicht töten darf.

„Sollte ein bauliches Vorhaben dagegen verstoßen bzw. wie die Juristen sagen ‚das Tötungsverbot verwirklichen‘, darf das Vorhaben nicht genehmigt werden“, berichtet der Bund der Steuerzahler in seinem neuen Schwarzbuch 2013. Und da Untersuchungen zeigten, dass manche Fledermäuse sich an Bepflanzungen und Böschungen etc. entlanghangeln und orientieren, hätte der Bau der Umfahrung die Fledermäuse durch die Teilung der Waldkomplexe in Gefahr gebracht. Deswegen baute man die Brücken.

Verschwendung beim gesamten Projekt

Mit seiner Kritik an den Kosten der zwei Brücken hat „der Bund der Steuerzahler einen Fehlgriff getan“, sagte Martin Rösler vom NABU Biberach den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. „Viel eher hätte das Straßenbauprojekt in seiner Gesamtdimension eine kritische Würdigung durch den Bund der Steuerzahler verdient.“ Denn es sei von der Stadt äußerst großzügig mit Geld und Landschaft umgegangen worden, wie ein Blick in den landschaftspflegerischen Begleitplan zeige:

„Indirekte Flächenverluste entstehen vor allem durch die großräumigen Anschlüsse und Anschlussinnenflächen. Der Verlust durch Böschungen ist ebenfalls relativ hoch, da die Trasse überwiegend in Dammlage bzw. Einschnittlage verläuft.“

Hier hätten bei 22 Millionen Gesamtkosten für das gesamte Straßenbauprojekt viele Millionen eingespart werden können, so Rösler. Stattdessen aber errege man sich nun im Nachhinein über die inzwischen zur Berühmtheit gewordenen Fledermausbrücken.

Andere Tiere zahlen den Blutzoll

Erst nach dem offiziellen Planfeststellungsverfahren sei der Stadt der Schutz der Fledermäuse eingefallen. Die Planer hätten dann aber ohne Einbeziehung der Naturschutzverbände „nach einer möglichst billigen Lösung gesucht – also ganz im Sinne des Bundes der Steuerzahler“, sagt Rösler:

„Dass ihre Sparbemühungen hier soweit gingen, dass eine womöglich kaputtgesparte Lösung dabei herauskam, erregt jetzt im Nachhinein die Gemüter. Sinnvoll wäre es gewesen, an dieser Stelle ein echte Grünbrücke zu realisieren, die dann nicht nur von Fledermäusen, sondern von allen Tieren, deren Lebensraum durch die Straße genauso zerschnitten wurde, genutzt werden könnte. Tote Rehe, überfahrene Füchse und andere Leichen am Straßenrand lassen erahnen, wie hoch der Blutzoll der Tierwelt durch diese neue Straße in Wirklichkeit ist.“

Effektivität der Brücken ungewiss

Im kommenden Jahr sollen Infrarotkameras testen, ob die Fledermäuse diese Brücken tatsächlich nutzen. (Foto: M. Rösler)

Im kommenden Jahr sollen Infrarotkameras testen, ob die Fledermäuse diese Brücken tatsächlich nutzen. (Foto: M. Rösler)

Die Brücken selbst sind ca. drei Meter hoch, unterscheiden sich jedoch in Länge und Breite. So ist die westliche Brücke 34 Meter lang und die östliche mit 40 Metern etwas länger. Ob dieser künstlich geschaffene Flugkorridor aber tatsächlich wie geplant von den Fledermäusen genutzt wird, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Dennoch war es notwendig gleich zwei Brücken dieser Art zu bauen. Die Gruppe Fledermäuse-Biberach zitiert dazu den Amtsleiter vom Straßenamt Biberach, Georg Stolz:

„Sie haben uns gefragt, ob es nicht möglich gewesen wäre zunächst nur eine Brücke zu errichten um die Wirksamkeit der Maßnahme festzustellen. Diesen Gedanken hatten wir auch, leider wurde uns dies verwehrt, da der Planfeststellungsbeschluss ganz klar die Notwendigkeit von zwei Querungsmöglichkeiten für die Fledermäuse vor der Verkehrsfreigabe vorsieht.“

Um nun zu sehen, ob die Fledermäuse die Brücke nutzen, sollen dann ab 2014 Infrarotkameras und Detektoren aufgestellt werden. Kostenpunkt: 35.000 Euro. Wenn sich herausstellen sollte, dass die Brücken ihren Zweck nicht erfüllen, können sie allerdings auch nicht großartig anderweitig genutzt werden. Für Fußgänger wurden die Brücken nicht freigegeben.

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