Eklat um WDR-Intendant Buhrow: Wodka-Werbung in Live-Sendung

In der WDR-Sendung „WDR-Check“ ist es am Mittwoch zu einem Eklat gekommen: Der neue Intendant Tom Buhrow verteidigte zunächst die GEZ, dann mit betroffener Miene den Jugendschutz – um schließlich vor laufender Kamera mit einer polnischen Musik-Gruppe ein Glas Wodka ex zu trinken. Werbung für harte alkoholische Getränke in einem GEZ-Sender – das hat es bisher noch nicht gegeben. Die Statistiken zeigen einen drastischen Anstieg der Alkohol-Sucht unter Jugendlichen.

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Wodka-Saufen vor laufender Kamera: Moderatorin Bettina Böttinger und WDR-Intendant Tom Buhrow. (Screenshot: WDR)

Wodka-Saufen vor laufender Kamera: Moderatorin Bettina Böttinger und WDR-Intendant Tom Buhrow. (Screenshot: WDR)

Die Sendung WDR Check war bereits als Monstrum konzipiert: In ausufernden zwei Stunden „stellte“ sich der neue WDR-Intendant Tom Buhrow den „legitimen Fragen“ der Zuseher. Wer knapp eine Stunde der Peinlichkeiten durchhielt, in der Buhrow seine einstudierten Antworten zu GEZ, Kultur und Tatort zum Besten gab, der konnte schließlich – als Höhepunkt – eine beispiellose Entgleisung des öffentlich-rechtlichen Zwangsbeglückungs-Apparats erleben.

Der Sender hatte – wohl um zu dokumentieren, wie „bunt“ er ist – die Comedy-Gruppe Popolskis eingeladen. Die Musiker „überraschten“ schließlich den Intendanten, die Moderatorin Bettina Böttinger und zwei „Tatort“-Schauspieler mit einem Tablett mit gefüllten Wodka-Gläsern.

Der Anführer der Gruppe „nötigte“ schließlich die WDR-Stars, den Wodka in Form einer rituellen, „gewerkschaftlich vorgeschriebenen Wodka-Pause“ ex zu trinken – was der nette Herr Intendant zwar etwas verlegen, aber doch mit sichtlichem Genuss gerne tat. Auch die Wodka-Flasche wurde groß ins Live-Bild gerückt und war als polnisches Fabrikat zu erkennen.

Wir wollen einmal davon absehen, dass diese Aktion genau jene Klischees bedient, die die GEZ-Sender rund um die Uhr zu bekämpfen vorgeben: Nämlich die Darstellung der Polen als notorische Säufer.

Die Klischee-Polen im karierten Anzug servieren den Wodka auf offener Bühne. (Screenshot: WDR)

Die Klischee-Polen im karierten Anzug servieren den Wodka auf offener Bühne. (Screenshot: WDR)

Der wirkliche Skandal liegt darin, dass der WDR damit unterschwellig Saufen als ein gesellschaftlich sympathisches Phänomen präsentierte. Die Vorführung zelebrierte vor allem das zentrale Element, das auch das Koma-Saufen bei Jugend zu einer wahren Volks-Seuche gemacht hat: Nämlich den Gruppenzwang. Die Szene zeigte, dass die WDR-Leute – und auch einige Zuseher in der ersten Reihe – quasi zum Alkohol-Konsum genötigt wurden.

Genau nach diesem Muster breitet sich die Alkoholsucht unter Jugendlichen aus: Es wird ihnen das Gefühl vermittelt, sie seien „Spielverderber“, wenn sie nicht mitmachen. Am Nachmittag zeigte die ARD den Film „Koma-Saufen“ – ein platter Film, der nicht im Ansatz das bewirkt, was echte Suchtaufklärung erfordert, wie die Kritiker von moviepilot kritisieren. Aber immerhin – ein Versuch.

Und dann setzt sich am Abend der Intendant des WDR hin und spielt mit – in einer Sendung, in der die Milliarden, die der WDR an Gebühren einstrieft, verteidigt werden sollten. Wenige Minuten zuvor hatte sich Buhrow noch als der Anwalt des „Jugendschutzes“ präsentiert: Der WDR zeigte – als Werbung – einen Ausschnitt aus einem Tatort, der offensichtlich so brutal ist, dass er nicht um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden darf. Buhrow erklärte, dass der Jugendschutzbeauftragte eben „ein wichtiges Wort“ mitzureden habe – und warb bei den „Kreativen“ um Verständnis.

Die Kreativen, denen Buhrow wohl gefallen will, haben vor einigen Wochen auf dem Privatsender ProSieben ein „Trink-Spiel“ mit dem Schauspieler Matthias Schweighöfer veranstaltet, bei dem sich der Teenie-Schwarm in der Sendung „Circus Halligalli“ 14 Schnäpse am Stück reingekippt hatte. Die Kommission für Landesmedienschutz will den Vorfall untersuchen, wie DigitalFernsehen berichtet.

Buhrows Entgleisung wird von keiner Kommission untersucht werden.

Den selbstherrlichen Fernsehmachern ist vermutlich nicht einmal bewusst gewesen, in welchem Umfeld sie agieren – schließlich beklagte Buhrow in der Sendung, dass die öffentlich-rechtlichen Sender die Jugend nicht mehr erreichen.

Daher zur Aufklärung der WDR-Intendanz die Mitteilung von Destatis, die man unter dem Titel: „Diagnose Alkoholmissbrauch: 2011 wieder mehr Kinder und Jugendliche stationär behandelt“ findet:

Im Jahr 2011 wurden 26 349 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär in einem Krankenhaus behandelt. Das waren 1,4 % mehr als 2010 (25 995). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stieg ihre Anzahl gegenüber 2010 auf 325 je 100 000 Einwohner (+ 3,3 %).“ An zweiter Stelle der gesamten Statistik über akute „Einlieferungen ins Krankenhaus liegen psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (338 400 Fälle), worunter auch der akute Alkoholmissbrauch fällt“.

Damit kein Zweifel aufkommt, dass es sich wirklich um Wodka handelt, zeigt die Kamera auch die Flasche. (Screenshot: WDR)

Damit kein Zweifel aufkommt, dass es sich wirklich um Wodka handelt, zeigt die Kamera auch die Flasche. (Screenshot: WDR)

Und das sind nur die statistisch erfassten Fälle.

Tatsächlich ist der Alkoholmissbrauch die teuflischste Sucht in Deutschland – weil er vermeintlich auf eine gesellschaftliche Akzeptanz stößt und weil beim Alkohol – anderes als bei anderen Drogen – die Grenzen zwischen Genuss und Kontrollverlust fließend sind.

Es ist selbst mit einem sehr weitgefassten Begriff des Rundfunkauftrags nicht vereinbar, dass vor laufender Kamera dieser Entwicklung Vorschub geleistet wird.

Ob mutwillig oder aus Dummheit tut hier nichts zur Sache.

Interessanter Weise ist das sogar einem Teilnehmer in einem sonst nur aus unangenehmen Huldigungen bestehenden „Chat des WDR aufgefallen. Auch die Zensoren des WDR waren nicht schnell genug – der Beitrag rutschte durch.

Mit solchen Entgleisungen machen die GEZ-Sender tatsächlich Werbung in eigener Sache – wenngleich ganz anders als geplant.

Sie liefern unwiderlegbare Argumente für die Abschaffung der GEZ als Zwangsgebühr für alle deutschen Haushalte.

Mann, ist das lustig. (Screenshot: WDR)

Mann, ist das lustig. (Screenshot: WDR)

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