Unter der Hand: E.ON schnappt sich brasilianische Gas-Firma

Der Energieriese E.On hat sich in Brasilien die Erdgas-Tochter des insolventen Erdöl-Unternehmens OGX gesichert. Die Aufsichtsbehörden ermitteln: Denn der Deal war nicht angemeldet worden. Leichenfledderei oder ein Schlaglicht auf die globale Enteignungs-Maschine?

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Dem insolventen brasilianischen Ölkonzern OGX droht Ärger wegen des geplanten Verkaufs seiner Erdgastochter an den deutschen Energieriesen E.ON und den Investor Cambuhy. Das von dem deutschstämmigen Großunternehmer Eike Batista geführte Unternehmen habe die Aufsichtsbehörde ANP vor dem Verkauf nicht über den Deal informiert, zitierte die Zeitung Valor Economico Brasiliens Chefregulierer in einem Bericht am Freitag. OGX müsse deshalb womöglich mit einer Strafe rechnen.

OGX hatte am Donnerstag in Rio de Janeiro Gläubigerschutz beantragt, nachdem zuvor die Verhandlungen über eine Refinanzierung des 5,1 Milliarden Dollar hohen Schuldenbergs gescheitert waren. Einen Tag später stimmte der Konzern, dessen Aus die größte Pleite in der lateinamerikanischen Unternehmensgeschichte wäre, dem Verkauf seines 67-Prozent-Anteils an der Gastochter zu.

Ein OGX-Sprecherin war für eine Stellungnahme zu dem Bericht zunächst nicht erreichbar. Am Donnerstag hatte OGX mitgeteilt, der Verkauf müsse noch von den Gläubigern, der ANP und der Wettbewerbsbehörde Cade grünes Licht bekommen.

OGX war 2008 an die Börse gegangen, Batista hatte damals rund 4,1 Milliarden Dollar eingestrichen – der bis dahin größte Börsengang Brasiliens. Im Januar 2012 floss das erste Öl aus den Bohrlöchern, aber bald wurde klar, dass das Vorkommen viel kleiner als erwartet war. Im vergangenen Jahr rauschte der Aktienkurs von OGX um 95 Prozent in den Keller. Der letzte Strohhalm für den Konzern ist nun das Offshore-Ölfeld Tubarao Martelo, auf dem die Förderung Ende November beginnen soll. Wenn die Produktion dort nicht gelingt, könnte OGX die Förderrechte und damit jegliche Geschäftsgrundlage verlieren.

Der Deal zeigt, dass es mittlerweile eine globale Geschäftspraxis ist, sich gegenseitig Firmen zuzuschanzen – meist unter dubiosen Umständen. Die Rechnung würde in diesem Fall das brasilianische Volk bezahlen, weil ein wichtiges Rohstoff-Unternehmen aus einer – vermutlich auch vom brasilianischen Steuerzahler zu finanzierenden – Insolvenz an einen globalen Konzern wandert.

Es ist anzunehmen, dass E.ON den Deal rechtsfest geschlossen hat.

Die Brasilianer werden keinen Zugriff auf dieses Unternehmen mehr erhalten.

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