FC Bayern: Uli Hoeneß kann auch im Knast noch Präsident sein

Der FC Bayern München ist der Auffassung, dass Uli Hoeneß auch im Fall einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung weiter Präsident des Vereins bleiben kann. Er müsste den Job dann allerdings aus dem Gefängnis ausüben: Weil Hoeneß mehr als eine Million Euro Steuern hinterzogen hat, gibt es im Fall einer Verurteilung keine Bewährung.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß wird wegen seiner Steuervergehen der Prozess gemacht. Das Landgericht München ließ die Anklage wegen Steuerhinterziehung unverändert zur Hauptverhandlung zu. Der Prozess soll am 10. März kommenden Jahres beginnen und ist zunächst auf vier aufeinanderfolgende Tage angesetzt, teilte die Justiz am Montag mit.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß zeigte sich „überrascht“, dass er mit seiner Selbstanzeige einen Prozess wegen Steuerhinterziehung nicht verhindern konnte. Im Fall einer Verurteilung muss Hoeneß ins Gefängnis – weil er mehr als eine Million Euro hinterzogen hat.

Hoeneß hat eingeräumt, über Jahre hinweg dem Finanzamt ein Konto in der Schweiz verheimlicht zu haben. Medienberichten zufolge ging es um Millionen-Beträge. Anfang des Jahres hatte Hoeneß sich selbst angezeigt. Allerdings war die Selbstanzeige, die normalerweise vor Strafe schützt, fehlerhaft. Daher erhob die Staatsanwaltschaft im Juli Anklage wegen Steuerhinterziehung. Am Morgen des 20. März verhafteten die Strafverfolger Hoeneß in seinem Haus am Tegernsee und durchsuchten seine Wohnung und Büroräume. Gegen eine Kaution in Millionenhöhe kam er wieder frei.

Anders als nach den Bekanntwerden der Affäre unterließen die Sponsoren des Champion-League-Siegers eine Wiederholung ihrer bisherigen Bekenntnisse zu dem langjährigen Fußballmanager. Im Falle einer Verurteilung droht Hoeneß im äußersten Fall eine mehrjährige Freiheitsstrafe.

Doch beim FC Bayern gilt offenbar auch vor Gericht:

You never walk alone!

Der Aufsichtsrat des Vereins stärkte Hoeneß ostentativ den Rücken – als wäre Hoeneß Opfer einer Raubüberfalls geworden.

Der Aufsichtsrat zeigte sich besonders forsch und erklärte, dass Hoeneß selbst nach einer Verurteilung an seiner Spitze bleiben könne: Das Gesetz kenne „für Mitglieder des Aufsichtsrats kein Amtsverbot wegen einer strafrechtlichen Verurteilung“, hieß es in der Erklärung. Es gebe Beispiele dafür, dass Spitzenmanager selbst börsennotierter Firmen trotz strafrechtlicher Vorwürfe aus anderen Lebensbereichen ihr Mandat behalten hätten. Der FC Bayern sei, wie andere Aktiengesellschaften auch, nicht zu einer Null-Toleranz-Politik gegenüber seinen Managern verpflichtet.

Natürlich ist die reine Anklage daher erst recht kein Grund, Hoeneß von der Spitze zu entfernen.

„Der Aufsichtsrat der FC Bayern München AG ist einvernehmlich der Meinung, dass Uli Hoeneß das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG trotz der nun erfolgten Eröffnung des Hauptverfahrens weiter ausüben soll“, erklärte das Gremium am Montag trotzig. Zur Begründung führte der Aufsichtsrat an, die Anwälte hätten in einem Gutachten erklärt, die langjährigen Verdienste von Hoeneß um den Rekordmeister und die überwältigende Unterstützung der Mitglieder seien „sachgerechte Gesichtspunkte“ für die Entscheidung zu seinen Gunsten.

Die Vorbild-Wirkung für die Gesellschaft ist – wie alles beim FC Bayern – Weltklasse: Hoeneß wird also weiter mit steinerner Miene auf den VIP-Tribünen der Bundesliga herumturnen. Er kann, wenn man das wirklich glaubt, was der Verein von sich gibt, sogar aus dem Knast heraus Präsident des Vereins sein.

Die Fußball-Industrie ist ein Staat im Staat, der sich über Gesetz und Recht wähnt: Bayern-Manager Karl-Heinz Rummenigge war vor einigen Monaten mit einer Luxus-Uhr erwischt worden, die er nicht verzollt hat. Als die München Behörden den Spieler Breno verhafteten, weil er seine Villa abgefackelt hatte, polterte Hoeneß, dass dem armen Jungen damit psychischer Schaden zugefügt werde.

Finanziert wird das feudal Leben der Balltreter und ihrer Dompteure im Übrigen vom Zwangsgebühren-Zahler: Über die GEZ fließen Gelder der Steuerzahler direkt in die Taschen der Vereine, von wo sie ihren Weg in die Taschen von Hoeneß & Co. finden.

Weil diese Clique die Steuerhinterziehung offenbar als Kavaliersdelikt ansieht, muss der Steuerzahler noch härter arbeiten – weil eine „Null-Toleranz-Politik“ im Hinblick auf Steuerhinterziehung nicht vorgesehen ist.

Der FC Bayern ist ein Weltklasse-Vorbild.

Der Website des Vereins ist zu entnehmen, dass bereits mehr als 20.000 Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren Mitglieder im Kinder-Fan-Club sind.

Beim öffentlichen Training an der Säbener Straße gibt es „einen abgezäunten Bereich“ für die Kinder.

Dort sollen sie möglichst früh begreifen, dass man etwas Besseres werden kann beim FC Bayern.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick