Fukushima: Gefährlicher Rettungs-Versuch muss verschoben werden

Die Bergung der beschädigten Brennelemente aus der Atom-Ruine von Fukushima wird verschoben: Die japanische Regierung ist nervös – und verlangt vom Betreiber Tepco, dass zunächst nur ein Test durchgeführt werden darf. Die Operation ist äußerst riskant: Beim geringsten Fehler wird massiv Radioaktivität freigesetzt. Ein kanadischer Wissenschaftlicher berichtet von einem japanischen Geheimpapier, dass im schlimmsten Fall die ganze Westküste der USA evakuiert werden müsse.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die von der Betreiber-Firma Tepco für November angekündigte Bergung von 1.300 beschädigten Brennelemente aus der Atom-Ruine in Fukushima muss verschoben werden: Die Verschiebung wird mindestens zwei Wochen dauern, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Die japanische Nuklearsicherheits-Behörde hat angeordnet, dass Tepco mit der Entfernung der Brennelemente erst beginnen darf, wenn ein Test durchgeführt wurde. Tepco hat einen Kran über der Ruine des Reaktor-Blocks 4 in Fukushima Daiichi aufgebaut. Doch niemand weiß, ob die Konstruktion ausreicht, um die Brennelemente wirklich sicher zu bergen.

Der Nuklear-Experte Arnie Gundersen sagte in einem Interview auf nuclearhotseat.com, dass die Bergung der Brennelemente deswegen so schwierig sei, weil die Brennelemente nicht vertikal aufgerichtet seien, sondern durch die Beschädigungen von Erdbeben und Tsunami durcheinander gebracht worden seien. Die einzige Möglichkeit ist eine computergesteuerte Bergung, und nicht die von Tepco geplante manuelle Bergung. Gundersen sagt, er halte es für denkbar, dass die japanische Regierung wegen der großen Gefahren bei der Bergung unter Umständen darauf verzichten könnte, die Bergung überhaupt durchzuführen.

Richard Broinowsky von der Universität Sydney sagte im australischen Radiosender ABC, dass die Gefahr bestehe, dass die Brennelemente im Fall einer Kernschmelze ungeheure Mengen von Radioaktivität in die Atmosphäre abgegeben würden. Wenn die Winde ungünstig wehen, müsste in diesem Fall Tokio evakuiert werden.

Die japanischen Behörden scheinen genau vor diesem Szenario Angst zu haben. Sie hoffen offenbar, dass die Kühlung der Brennelemente mit Wasser fortgesetzt werden kann.

Die Hoffnung ist ganz und gar unbegründet: Tepco hat bereits 1.000 Tanks in den Bergen um Fukushima errichtet, in denen das verseuchte Kühlwasser gespeichert wird. Die Tanks sind für fünf Jahre gebaut, einige Tanks weisen bereits Lecks auf, durch welche das verseuchte Wasser in das Grundwasser gelangt.

Wie chaotisch die Zustände in Fukushima sind, zeigt der Besuch des amerikanischen Energieministers, Ernest Moniz, der in der vergangenen Woche die Atom-Ruine das erste Mal besuchte. Er sei „schockiert“ von dem Zustand, im dem sich die Anlage präsentierte. Moniz war von Tepco-Chef Hirose begleitet worden. Noch am Freitag sagte Moniz, dass er hoffe, dass durch die geplante Bergung der beschädigten Brennelemente der erste Schritt zur Entsorgung getan werde.

Drei Tage später ist auch diese Erwartung enttäuscht: Die Bergung muss verschoben werden.

Der kanadische Zoologe David Suzuki sagte bei einem Vortrag an der Universität von Alberta, er habe ein Papier gesehen, in dem es hieß: Wenn die defekten Brennstäbe nicht mehr gekühlt werden können und die Unit 4 durch ein Erdbeben zerstört würde, dann bedeute dies den „Abschied von Japan“ („bye-bye Japan“) und die Notwendigkeit einer vollständigen Evakuierung der amerikanischen Westküste.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick