16 Milliarden Dollar Börsenwert: Aufsicht zweifelt an Twitter-Hype

Die US-Börsenaufsicht hat Investoren gewarnt, ihr Geld blind in neue Technologie-Unternehmen zu stecken. Es könne nicht überprüft werden, dass die hohen Nutzerzahlen auch die Gewinne bringen, die die Investment-Banken den Käufern versprechen. Sie selbst werden allein mit dem Börsengang 72 Millionen Dollar verdienen.

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Kurz vor dem Börsengang von Twitter hat die US-Marktaufsicht SEC Skepsis an Wachstumskennziffern mancher Technologie-Unternehmen geäußert. SEC-Chefin Mary Jo White sagte am Mittwoch in New York, Investoren könnten bestimmte Größenangaben der Firmen falsch interpretieren. So könne es sein, dass etwa ein Konzern zwar korrekt auf 100 Millionen Nutzer hinweise und einen anhaltenden prozentual zweistelligen Anstieg dieser Zahl in Aussicht stelle. White: „Aber was ist, wenn nur ein kleiner Teil dieser Nutzer zahlende Kunden sind? Was bedeutet das für die künftigen Finanzergebnisse?“

White nannte Twitter zwar nicht direkt. Doch der Zeitpunkt deutet darauf hin, dass sie den mit viel Hype in den Markt gedrückten Kurznachrichtendienst gemeint haben dürfte: Am Donnerstag steht der Börsengang von Twitter an. Insidern zufolge gibt es eine sehr hohe Nachfrage nach den Papieren, der Börsenwert könnte sich auf mehr als 13 Milliarden Dollar summieren. Der Kurznachrichtendienst hat nach eigenen Angaben rund 230 Millionen Nutzer, schreibt aber Verluste.

White sagte, die Aufsicht habe sich die mitunter sehr speziellen Kennziffern von Tech-Firmen genau angesehen. SEC-Mitarbeiter seien besorgt, dass allein die schiere Größe mancher Zahl Eindruck auf Investoren mache. Diese könnten deshalb mangels ergänzender Erläuterungen vorschnell schlussfolgern, dass die Angaben hohe Gewinne der Unternehmen versprechen. „Aber möglicherweise gibt es gar keinen Zusammenhang“, sagte White.

Twitter machte im ersten Quartal 2013 etwa 400 Millionen Dollar Umsatz. In den ersten neun Monaten dieses Jahres erwirtschaftete das Unternehmen einen Verlust von 134 Millionen Dollar. 

Der Preis einer Twitter-Aktie wurde vom Unternehmen am Mittwoch mit 26 Dollar pro Aktie festgelegt. Twitter wird 80,5 Millionen Aktien auf den Markt bringen, das sind 13 Prozent am Unternehmen. Dadurch hat das Unternehmen eine Papier-Bewertung von 16 Milliarden Dollar.

Der Börsengang wird unter der Leitung von Goldman Sachs von mehreren Banken durchgeführt, unter anderem von der Deutschen Bank.

Mit dem nun festgesetzten Preis der Aktie werden die Banken für den Börsengang insgesamt 72 Millionen Dollar verdienen.

Das haben sie jetzt sicher.

Die künftigen Aktionäre müssen dagegen auf gutes Wetter hoffen.

Und darauf, dass es beim Twitter-Debut nicht zu ähnlichen Manipulationen technischen Problemen kommt wie beim Börsengang von Facebook (hier).

Auf den Zusammenhang von Hype und Lemmingen machen Börsen-Insider schon lange aufmerksam. Gehör finden sie bisher kaum (mehr zu diesem bemerkenswerten Thema hier).

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