Draghi straft deutsche Sparer: EZB senkt Leitzins auf 0,25 Prozent

Die Lage im Euro-Raum ist offenbar noch schlechter als gedacht: Die EZB senkte den Leitzins am Donnerstag überraschend. Der Euro stürzte ab - offenbar kann die Euro-Zone ohne die Unterstützung von Mario Draghi in der Weltwirtschaft sonst nicht mehr mithalten. Schlechte Nachrichten für die deutschen Sparer.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt ihren Leitzins überraschend auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. Das teilte die Notenbank am Donnerstag nach einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt mit.

Der Dax stieg auf ein neues Rekordhoch von 9143,16 Punkten. Der Euro stürzt dagegen um mehr als ein Prozent auf 1,3359 Dollar ab.

Damit überrascht EZB-Chef Mario Draghi alle Beobachter: Die Mehrheit der Auguren war davon ausgegangen, dass die EZB die Zinsen auf demselben Niveau halten wird.

Draghi sagte am Nachmittag, dass die EZB viele Waffen in der Artillerie habe, um gegen die Krise zu kämpfen. Er sagte, dass die EZB die Möglichkeit habe, die Zinsen noch weiter zu senken. Draghi gratulierte Irland zu seinen Erfolgen bei der Schuldenrückzahlung.

Doch offenbar verheißen die Daten, die die EZB vorliegen hat, nichts Gutes über den tatsächlichen Zustand der Wirtschaft in der Euro-Zone.

Die Zinssenkung ist dem globalen Währungs-Krieg geschuldet: Allen voran die Japaner versuchen seit Monaten verzweifelt, ihre Deflation unter Kontrolle zu bringen. Auch die US-Notenbank hat sich nach einem kurzen Zwischenspiel von einer Zinserhöhung verabschiedet. Draghi sagte, dass über den Währungskrieg nicht explizit gesprochen worden sei. Ein niedriger Euro sei jedoch sehr wichtig für die Preise der Waren aus der Euro-Zone.

Draghi sagte jedoch, dass die Lage der Euro-Zone nicht mit der Japans zu vergleichen sei. Die Fundamental-Daten seien die besten der Welt: Defizite, Zahlungsbilanzen und Inflation seien in hervorragendem Zustand.

Die Rekord-Arbeitslosigkeit erwähnte Draghi in diesem Zusammenhang nicht.

Kurz vor der Zinssitzung der EZB hatte der italienische Unternehmerverband vor einem Preisverfall im eigenen Land gewarnt. Italien befinde sich im besorgniserregenden Zustand einer Deflation, sagte der Präsident des Verbandes Confindustria, Giorgio Squinzi, am Mittwoch vor Journalisten. Es sei ein sehr negatives Zeichen, dass die Inflationsrate trotz einer Mehrwertsteuer-Erhöhung zurückgehe.

Die Jahresteuerung war in Italien und in der gesamten Euro-Zone im Oktober auf 0,7 Prozent und damit weit unter das von der EZB angepeilte Niveau von knapp zwei Prozent gefallen. Mit einer Zinssenkung möchte die EZB die Erholung in Europa ankurbeln und der Gefahr einer Deflation – also eines konjunkturschädlichen Preisverfalls auf breiter Front – frühzeitig begegnen. Der Leitzins liegt seit Mai mit 0,5 Prozent so tief wie nie. Experten erwarten für die Zinssitzung am Donnerstag jedoch keine Senkung.

Für die deutsche Sparer sind das schlechte Nachrichten: Sie verlieren nun noch schneller Geld als zuvor.

Die neuen Sätze der Leitzinsen sollen ab dem 13. November gelten.

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