JPMorgan will Top-Personenschützer als Sicherheitschef anheuern

Der bisherige New Yorker Polizeichef Ray Kelly soll zur Investmentbank JPMorgan wechseln. Dort fürchtet man angesichts der Skandale offenbar ein Wiederaufleben der Occupy Wall Street Bewegung. Kelly verkörperte in New York unter den republikanischen Bürgermeistern das Prinzip von Null Toleranz gegen Gewalt auf den Straßen.

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Die New Yorker Polizei und die Banken an der Wall Street verstärken die Zusammenarbeit. Nun soll Ray Kelly, der Chef der New Yorker Polizei, in die Sicherheitsabteilung der Investmentbank JPMorgan wechseln, berichtet die New York Post.

Kelly war der Mann fürs Grobe in New York. Während die republikanischen Bürgermeister Rudy Giuliani und Michael Bloomberg den Kurs von Null Toleranz (zero tolerance) verkündeten, setzte Kelly die Politik in die Praxis um. Nicht ohne Erfolg: In seiner Amtszeit ging die Zahl der Morde in New York zurück. Allerdings ist das harte Vorgehen speziell gegen Hispanics Gegenstand eines Prozesses, bei dem der Richter bereits festgestellt hatte, dass einige Maßnahmen verfassungswidrig seien, weil sie eine ethnische Gruppe diskriminieren.

Der frisch gewählte New Yorker Bürgermeister, der Demokrat Bill De Blasio, will den harten Hund feuern – die Polizei soll liberaler werden. 

In seinem künftigen Job bei JPMorgan muss Kelly unter anderem Cyber-Angriffe und Terroranschläge gegen die Bank abwehren. Dabei wird er eng mit den US-Geheimdiensten zusammenarbeiten.

Die noch größere Delikatesse dürfte jedoch in den aktuellen Verfahren und Untersuchungen liegen, mit denen sich JPMorgan herumschlagen muss: FBI und CIA untersuchen in zahlreichen Bereichen kriminelle Machenschaften, wegen derer zahlreiche Anleger ihr Vermögen verloren haben.

Insider sind skeptisch, wie der ehemalige Polizist mit diesen Fällen umgehen wird.

Bevor Kelly im Jahr 2002 zum New York Police Department wechselte, war er Sicherheits-Chef bei der damaligen Wall-Street-Bank Bear Stearns, die im Zuge der US-Bankenkrise 2008 vom Konkurrenten JPMorgan übernommen wurde. Im Jahr 2013 wechselt Kelly nun zurück.

Tatsächlich haben die US-Investment-Banken in den vergangenen Jahren still und leise eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei etabliert.

Diese rührt aus der Zeit der Occupy Wall Street Bewegung her: Die Bank-Manager fürchteten um ihre persönliche Sicherheit und sorgten dafür, dass New York perfekt überwacht wurde.

Die Polizei arbeitet seither vor allem, um die Banken gegen die Bürger zu schützen.

Die Überwachungsmethoden der großen Wall Street Banken brauchen den Vergleich mit der Stasi nicht zu scheuen. Ihre technische Ausrüstung ist so perfekt, dass praktisch jede Bewegung eines jeden New Yorkers auf Computern in Echtzeit ausgewertet, vergrößert und scharf gestellt werden kann.

Wie das Magazin CounterPunch herausfand, arbeiten am Broadway Angestellte der Banken gemeinsam mit New Yorker Polizisten an der Überwachung der Bürger der Stadt. Am Eingang sind auf Messingschildern die Namen der Auftraggeber vermerkt. Goldman Sachs, Citigroup, JPMorgan Chase und all die anderen.

Eine Sprecherin des gemeinsamen Überwachungs-Zentrums von Banken und Polizei sagte nicht ohne Stolz, sie könne „mit einem Fingerschnippen“ jede Aktion der ahnungslosen Bürger isolieren und dokumentieren. Die als Lower Manhattan Security Initiative wurde für 150 Millionen Dollar aus Steuergeldern finanziert. Die Kosten, die von der Regierung in Washington und der Stadt New York getragen werden, steigen laufend, weil immer die neuesten verfügbaren Technologien hinzugefügt werden.

Die Terminals sind rund um die Uhr besetzt. Etwa 2.000 private Überwachungskameras gehören den Firmen der Wall Street, 1.000 sind im Eigentum der New Yorker Polizei. Zusätzliche 700 Kameras sind in Midtown installiert und liefern ihre Bilder in das Lower Manhattan Security Coordination Center.

Gerne führte der eben aus seinem Amt geschiedene Bürgermeister Michael Bloomberg ausländische Gäste durch das Zentrum. Bloomberg hat seinerzeit den Finanz-Terminal erfunden – auch über Bloomberg-Terminals sind Kundendaten – natürlich nur rein irrtümlich – der Privatheit entzogen worden. Noch-Polizeichef Raymond Kelly ist mächtig stolz auf die gute Zusammenarbeit der Banken mit der Polizei beim Ausspionieren der ahnungslosen Bürger (Fotos einer polnischen Nachrichtenagentur).

Die ganze Aktion ist nach amerikanischem Recht vollkommen illegal. Abgesehen von der Tatsache, dass es für die Überwachungsaktion kein Gesetz, keine Kontrolle und keine öffentlich einsehbaren Dokumente gibt.

Der New York Code verbietet ausdrücklich die Video-Überwachung ohne richterliche Anordnung. Die New York Civil Liberties Union (NYCLU) hat auf diesen Umstand mehrfach hingewiesen – um von der Stadt die Antwort zu erhalten, die Kameras hätten dieselbe Funktion wie der „Polizist um die Ecke, der auf einem öffentlichen Platz auch alle Vorbeigehenden beobachtet“.

Mit dem feinen Unterschied, dass der gute alte Officer nicht über die Möglichkeit verfügt, Bilder zu speichern, zu vergrößern, in Datenbanken zu speichern und wer weiß wem zugänglich zu machen.

Die Zweifel, die die High Tech-Experten an den technischen Fähigkeiten des möglichen neuen Sicherheits-Chefs bei JPMorgan haben, könnten sich jedoch als unbedeutend erweisen.

Möglicherweise fürchtet Jamie Dimon ein erneutes Aufflackern der Occupy-Proteste, wenn die diversen Skandale erst einmal in ihrem ganzen Ausmaß an das Licht der Öffentlichkeit gelangen.

Wenn aufgebrachte Bürger jedoch erneut vor die Wall Street Banken ziehen, dann können die Banker von versponnenen Cyber-Experten nicht ausreichend geschützt werden.

Dann brauchen sie einen Mann wie Polizei-Chef Ray Kelly.

Er versteht die wichtigste Regel des Personenschutzes.

Sie lautet: zero tolerance.

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