Draghis Schneeball-System: Deutsche Sparer zahlen für Finanz-Chaos in Italien

Italiens Banken haben große Probleme: Gewinneinbrüche, Milliarden-Abschreibungen, neue Bailouts werden zum Problem für die italienischen Steuerzahler. Der Crash wurde bisher nur vermieden, weil der Italiener Mario Draghi Italien und seinen Banken neue Schulden durch niedrige Zinsen ermöglicht. Im Gegenzug verlieren die deutschen Sparer täglich weiter an Vermögen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Italiens Banken haben große Probleme: Die Unicredit meldet einen  Gewinneinbruch, die Carige Bank muss Milliarden abschreiben. Die Monte Dei Paschi braucht neue Milliarden vom Steuerzahler.

Wie gut, dass es Mario Draghis großes Schnellball-System gibt.

Denn tatsächlich kann das marode System nur überleben, weil die EZB über die niedrigen Zinsen den Italienern hilft, ihre Probleme weiter vor sich herzuschieben.

Das System ist bestechend einfach.

Die Banken kaufen wie verrückt Staatsanleihen: Diese Staatsanleihen sind die Rückversicherung für die maroden Banken, um in den Genuss der Too-Big-To-Fail-Klausel zu kommen. Zum Kauf der Papiere verwenden die Banken das Geld, das ihnen der deutsche Sparer die EZB schenkt. Wegen der geringen Zinsen, die die Banken der EZB für frisches Geld zahlen, ist jede Staatsanleihe, die die Banken kriegen können, wie ein Lotto-Gewinn. Die Banken brauchen für Bonds keine Sicherheiten zu verlangen, können jedoch ihrerseits die Bonds als Sicherheiten für spekulative Geschäfte verwenden.

Je mehr die Banken im Kasino verjubeln, desto größer ist ihre Überlebenschance. Dieses Konzept wird von den Banken mit großer Intensität verfolgt (mehr dazu hier).

Mario Draghi erweist sich mit seiner Politik als Patriot und loyaler Bank-Mann. Der ehemalige Goldman-Banker hilft Italien, sich trotz aller Probleme neue Schulden aufzuhalsen, zugleich verteilt er an die Banken immer neue, todsichere Chips. Mit den Erlösen aus dem Verkauf von Staatsanleihen können die Banken wiederum Banken retten.

Der Kreislauf schließt sich.

Bravo, bravissimo!

Ein perfektes System.

Erst am Montag hatte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann diese Praxis scharf kritisiert (hier).

Für eine einjährige Anleihe zahlte Italien am Dienstag den niedrigsten Zins seit Einführung des Euro. Der Zins fiel auf 0,688 Prozent, wie das Finanzministerium mitteilte. Noch vor einem Monat mussten Investoren mit 0,999 Prozent gelockt werden.

Italien nahm mit der aktuellen Anleihe 6,5 Milliarden Euro ein. Trotz der geringeren Rendite war das Papier 1,8-fach überzeichnet, vor einem Monat nur 1,7-fach.

Italiens Notenbank rechnet bei der Bilanzprüfung der EZB mit größeren Kapitallücken bei den einheimischen Geldinstituten. Die Bank von Italien teilte am Dienstag mit, sie erwarte einen Fehlbetrag von insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Die dafür in Frage kommenden Institute seien aufgefordert worden, ihre Kapitaldecke zu stärken.

Im realen Geschäft sieht es für die Banken wesentlich schlechter aus: Der Überschuss der Unicredit fiel im Vorjahresvergleich um 40 Prozent auf 204 Millionen Euro. Die Einnahmen sanken um 8,5 Prozent. Einen noch dramatischeren Gewinneinbruch konnte die Bank nur durch den Verkauf des türkischen Versicherungsgeschäfts Yapi Kredit verhindern, der der Bank 181 Millionen Euro in die Kasse spülte. Die Geschäftskundensparte in Italien machte im Berichtszeitraum einen Verlust von 165 Millionen Euro.

Eine andere Bank ist bereits mit einem Bein im Abgrund: Die italienische Krisenbank Carige hat eine Abschreibung im Volumen von 1,65 Milliarden Euro auf ihren Firmenwert verbucht. Damit werde dieser nur noch bei 132 Millionen Euro angesetzt, teilte das Geldhaus am Montag mit. Die Berichtigung sei vorgenommen worden, nachdem die Aufsichtsbehörde Consob den Wert einiger Investments in den Geschäftsbüchern von 2012 und 2013 hinterfragt habe. Dazu zähle auch ein Anteil an Italiens Zentralbank.

Carige war bereits wegen eines Derivate-Deals mit der Deutschen Bank auffällig geworden. Auch waren dem Institut aus Genua vor einigen Monaten Tricksereien bei der Buchhaltung vorgeworfen worden. Die Bank versucht mit einem 800 Millionen Euro schweren Verkaufsplan für Vermögenswerte ihre Kapitalbasis zu stärken.

Die älteste Bank der Welt, die Monte Dei Paschi di Siena, braucht direkte Staatshilfe – und das schnell: Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi hat ihren Sanierungsplan in Brüssel eingereicht und hofft auf grünes Licht in den nächsten Tagen. Die EU-Kommission bestätigte am Montag, der Plan liege mittlerweile vor. Ein EU-Insider sagte Reuters, die Kommission werde das Vorhaben, das Staatshilfen im Umfang von 4,1 Milliarden Euro beinhaltet, wohl bis Ende des Monats absegnen. Die MPS braucht wegen verschiedener Rechtsvorschriften rasche Zusagen.

Die MPS steht im Mittelpunkt eines veritablen Finanz-Skandals.

Der Aufseher zur Zeit der Skandale ist der Retter von heute: Mario Draghi. In den vergangenen Jahren war sein Goldman-Kollege Mario Monti als Retter der MPS aufgetreten und hatte die Bank mit Milliarden aus Steuermitteln gerettet – ohne jegliche Wirkung, wie sich jetzt zeigt (mehr hier).

Monti ist Senator auf Lebenszeit – und damit durch Immunität geschützt bis ans Lebensende.

Auch Mario Draghi ist selbstverständlich niemandem Rechenschaft schuldig.

Das wird es tunlichst weiter so halten.

Denn die italienische Finanz-Misere ist nur noch durch massives Gelddrucken seitens der EZB zu kaschieren.

Bezahlt wird das Ganze von den deutschen Sparern: Sie verlieren wegen der Null-Zins-Politik täglich Geld. Ihre Vermögen schrumpfen, weil die italienische Krankheit nur mit frischem Blut Geld gebremst werden kann.

Mario Draghi führt die Blut-Transfusion durch.

Er ist der Mann, dem Europa Italien vertraut.


media-fastclick media-fastclick