Milliarden-Bombe: Spaniens Banken manipulieren Bilanzen

Mit kreativer Buchführung und Bilanztricks versuchen spanische Banken, ihren hohen Forderungen an ausstehenden Hypothekenrückzahlungen zu verschleiern. Dies geschieht durch die direkte und nahtlose Refinanzierung der faulen Kredite. Mit solchen Tricks gelingt es, die immensen Risiken in den Bankbilanzen zu verfälschen. Auf die europäischen Steuerzahler kommen Milliarden-Risiken zu.

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In Spanien braut sich neues Ungemach zusammen.

Einigen spanischen Bank-Analysten sind beim Studium der Bank-Bilanzen erhebliche Unstimmigkeiten aufgefallen, berichtet das WSJ.

Durch die nahtlose Refinanzierung gelingt es den Banken, die Verluste ihrer Darlehensforderungen zum überwiegenden Teil zu verbergen. Der Hintergrund hierfür ist, dass diese Hypotheken mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals von den Kreditnehmern getilgt werden.

Dabei liegen die offiziell verlautbarten Zahlen fauler Kredite und nicht einbringbarer Forderungen bei den spanischen Banken bei einem Rekordlevel von rund 12 Prozent der insgesamt vergebenen Kredite während des Baubooms in Spanien.

Nervös geworden, sah sich die spanische Zentralbank veranlasst, die Offenlegung der ständig neu refinanzierten Kredite bei den Banken durchzudrücken. Dabei stellte sich heraus, dass nahezu jede zwölfte Hypothek neu finanziert wurde.

Als Ergebnis war festzustellen, dass sich seit rund einem Jahr das Volumen der Umschuldungen bei sechs der größten spanischen Banken verdoppelt hat.

Dies entspricht einer Summe von rund 51 Milliarden Euro. Hiervon ist wiederum knapp die Hälfte als unwiederbringlich verloren einzustufen.

Origineller Weise beträgt die Summe, die die Spanier noch für ihre Banken aus dem ESM abrufen können, 53 Milliarden Euro. Dafür gibt es zwar noch keine Rechtsgrundlage.

Aber jetzt hätte man wenigstens einen Anlass.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young stellte Ende Oktober fest, dass im Jahr 2013 in der gesamten Eurozone etwa 7,8 Prozent und somit 940 Milliarden Euro in die Kategorie der faulen Kredite fallen, berichtet die Welt.

Teilweise werden diese nicht mehr einbringbaren Forderungen in Bad Banks umgeschichtet werden.

In der hoch offiziellen Sprache der Banker wird dieses Vorgehen als „Wertmanagement“ bezeichnet. Tatsächlich wird durch eine Verlagerung von faulen Krediten in eine Bad Bank eine bereits insolvente Bank gerettet.

Doch damit ist es das Problem nicht ausgestanden. Denn die Milliarden verschwinden nicht einfach so aus der Welt, früher oder später müssen die Steuerzahler diese Summen begleichen. Zwar bemüht sich eine solche Bad Bank wie im Fall Spanien die Abwicklungsbehörde „Sareb“, einige der Schrottimmobilien noch loszuwerden.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass dieses Vorhaben gründlich misslingt. Bis Mitte dieses Jahres wurden etwa 700 Immobilien von Sareb verkauft, geplant war für das Jahr 2013 der Verkauf von 7.000 Grundstücken und Häusern.

In Spanien wird indessen von einem Fall berichtet, dass der Sareb von einer Bank eine Immobilie übereignet wurde, die davor für insgesamt 150 andere Kredite als „Sicherheiten“ hinterlegt worden war.

Das erinnert doch sehr an die Lehman-Pleite.

Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos war Chef von Lehman in Spanien. Er verfügt also schon über einschlägige Expertise.

Im Fall der spanischen Bad Bank wird kolportiert, dass sie allein in diesem Jahr einige Hundert Millionen Euro als Verlust „erwirtschaftet“ hat.
Möglicherweise wird jedoch das Problem der faulen Kredite künftig über die Bankenunion oder bereits im Vorfeld des geplanten Stresstests gelöst.

Denn in Deutschland bereiten sich die staatlichen Stellen bereits für „Hilfeleistungen“ im Kontext der Bankenunion vor. „Daneben kommt der Übergang in die Stabilisierungsmechanismen der Europäischen Union auf uns zu“, sagte der Chef der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), Christopher Pleister, Mitte Oktober. Unter dem Dach der FMSA befindet sich auch der staatliche Rettungsfonds SoFFin.

Inzwischen möchte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ein neues Netzwerk aus allen bisherigen nationalen Abwicklungsfonds während der Übergangsphase zwischen Bankenstresstest und Bankenunion einrichten. Dieses Netzwerk soll sich dann wechselseitig mit Krediten für die „notleidenden Banken“ beispringen (mehr dazu hier).

Somit dürften alsbald auch die deutschen Steuerzahler für den einstigen Bau-Wahn in Spanien gerade stehen, zumal unter Wirtschaftswissenschaftlern derweil diskutiert wird, welcher Weg bei der Bankenunion künftig gegangen wird: der teure Weg über die Rekapitalisierung durch europäische Institutionen oder der „günstigere“ Aufbau einer „europäischen Bad Bank“. Auch an eine Refinanzierung einer solche europäischen Bad Bank über den ESM wird von den Finanzeliten diskutiert.

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