Das große Fressen: Banken hoffen auf Banken-Sterben

Die große Bereinigung kommt: Die Banken in Europa bereiten sich auf viele Banken-Pleiten vor. Vor allem für die großen internationalen Investment-Banken brechen goldene Zeiten an.

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Top-Banker und Aufseher hoffen nach dem Stresstest auf einen Ausleseprozess in der europäischen Finanzbranche.

Was wir schon vor einiger Zeit beschrieben haben, nimmt Formen an: Die Haie sind in Fress-Laune. Es wird Opfer geben – und Profiteure (mehr dazu hier).

„Wir haben zu viele Banken in Europa, die den Fortschritt aufhalten, weil man sie zu lange am Leben erhält“, sagte Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen am Montag zum Auftakt der Euro Finance Week in Frankfurt. Wenn durch den Test tatsächlich die Spreu vom Weizen getrennt werde, könne so das Vertrauen in die Branche wiederhergestellt werden.

Vorstände anderer Institute erwarten nach dem Stress-Test durch die EZB Übernahmen schwächelnder Institute – auch in Deutschland. Der Wettbewerb auf dem Bankenmarkt hierzulande ist vergleichsweise hoch, was die Renditen schmälert.

Der Stresstest soll überprüfen, wie gut die größten europäischen Banken gegen Krisen gewappnet sind. Wer durchfällt, muss mit dem Misstrauen der Investoren kämpfen – das macht die künftige Finanzierung des Geschäfts schwieriger.

Der für den Aufbau der EZB-Bankenaufsicht zuständige Notenbank-Direktor Yves Mersch nannte die USA als Vorbild, wie marode Banken – ohne das Finanzsystem zu gefährden – aus dem Markt ausscheiden können. Dort seien seit 2008 knapp 500 Banken abgewickelt worden, ohne dass dies zu Finanzmarktturbulenzen geführt habe. „Auch der Steuerzahler ist weitgehend verschont geblieben. Davon können wir in Europa durchaus lernen.“

In Europa seien es weniger als 40 gewesen – zu wenige, sagte der Chef der EU-Bankenaufsicht, Andrea Enria, in einem Interview der FAZ. Die Regierungen neigten dazu, ihre nationalen Banken im Markt zu halten, und das habe den Reparaturprozess verlangsamt.

Die EZB soll in einem knappen Jahr die Aufsicht über die gut 125 größten Banken in der Eurozone übernehmen. Um dann vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein, will sie zunächst die Bilanzen der großen, meist grenzüberschreitend tätigen Häuser unter die Lupe nehmen und vergleichen.

Anschließend sollen die Banken in einem Stresstest unter Beweis stellen, dass sie eine Krise mit einem ausreichenden Kapitalpuffer überstehen würden. Mit Ergebnissen wird in einem Jahr gerechnet. Der Test soll laut Mersch einen Zeithorizont von drei Jahren abdecken.

An den Finanzmärkten wird vor allem kritisch beäugt, ob und wie dabei Ausfälle europäischer Staatsanleihen simuliert werden. Das war beim letzten Stresstest vor zwei Jahren noch zum Tabu erklärt worden. Mersch sagte, es sei offen, wie sie behandelt würden.

Die Banken bewerteten die mit Staatsanleihen verbundenen Risiken in den Bilanzen zu unterschiedlich, so Enria. „Wir werden auf einheitliche und konservative Bewertungen im Stresstest dringen.“ Dank des vorausgehenden Bilanz-TÜV könnten die Aufseher diesmal genauer prüfen, sagte er. Die Krisenszenarien sollten im Frühjahr festgelegt werden, um aktuell zu sein.

Als Konsequenz aus dem Test könnten mehr Banken aufgeben oder sich in Fusionen flüchten, um etwaige Kapitalprobleme zu lösen: „Der Konsolidierungstrend setzt sich fort, die derzeitige Regulierung fördert eher Größe“, sagte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch.

„Eine Konsolidierung ist überfällig“, erklärte Fitschen.

Helaba-Chef Hans-Dieter Brenner stellt sich darauf ein, dass in den nächsten Jahren nicht alle Landesbanken überleben werden. Er sei nach wie vor der Ansicht, dass drei Landesbanken in Deutschland ausreichten. Derzeit gibt es mit der LBBW, der BayernLB, der Helaba, der NordLB und der HSH Nordbank noch fünf größere Landesbanken.

Das wäre auch für Mersch eine Lösung, wie die Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten gezeigt hätten. Bei 450 nicht mehr lebensfähigen Instituten hätten die Behörden auf Fusionen und Übernahmen gesetzt. „Sie mussten also nicht vom Steuerzahler geschultert zu werden“, so Mersch.

In Europa wird über die Zuständigkeit für die Abwicklung von Banken noch heftig gestritten. Die Präsidentin der deutschen Finanzaufsicht BaFin, Elke König, drängt zur Eile: Die Hebel, mit denen Eigentümer und Gläubiger eines Instituts zu dessen Sanierung oder Abwicklung herangezogen werden können, sollten möglichst schon 2015 und nicht wie geplant 2018 zur Verfügung stehen.

Auch der deutsche Finanzstaatssekretär Thomas Steffen sprach sich dafür aus, den Abwicklungsmechanismus schnell in Betrieb zu setzen – „so früh es geht“. Vor allem die Bundesregierung streitet mit der EU-Kommission über die Frage, wer künftig den Daumen über eine marode Banken senken soll.

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