Cyborgs: Brite kann mit Implantat im Kopf Farben hören

Neil Harbisson kann durch ein Implantat im Kopf Farben hören. Blinde können durch Netzhaut-Implantate wieder sehen. Und ein Amerikaner pflanzt sich einen selbst gebauten Chip unter die Haut. Der Mensch wird zum Cyborg – und damit für Hacker angreifbar.

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Der Brite Neil Harbisson ist der erste Mensch, der von einer Regierung als Cyborg anerkannt wird. (Bild: Flickr/ Neil Harbisson)

Der Brite Neil Harbisson ist der erste Mensch, der von einer Regierung als Cyborg anerkannt wird. (Bild: Flickr/ Neil Harbisson)

Der farbenblinde Brite, Neil Harbisson, war auf der Suche nach einer technischen Lösung für seine Sehschwäche. Das Gerät, das dabei herauskam, taufte er auf den Namen Eyeborg. Dabei handelt es sich um einen implantierten Chip, der über eine Antenne mit einer Kamera verbunden ist. [TG1] Es ermöglicht ihm zwar immer noch nicht das Sehen von Farben, aber dafür kann Harbisson nun Farben hören.

Der Eyeborg nimmt die verschiedenen Farbspektren über die Kamera wahr und übersetzt diese in Töne. Die Tonfrequenzen werden an den Chip in Harbissons Kopf gesendet, der die Schwingungen an seine Knochen schickt und somit für Harbisson spürbar macht.

Er ist der erste Mensch, der von einer Regierung offiziell als Cyborg anerkannt wird. Als Cyborgs bezeichnet man Mischwesen aus Mensch und Maschine. [TG2]

Harbisson beschreibt seine Erfahrungen mit dem Implantat in dem Tech-Blog Futurezone.at:

„Ein Cyborg zu sein, ist das Gefühl, dass Technik ein Teil meines Organismus ist. Es ist kein externes Element, sondern ein Teil von mir. Ich habe mich zum ersten Mal als Cyborg gefühlt, als ich begonnen habe, in Farben zu träumen. Mein Gehirn erzeugte den Sound von Farben in meinen Träumen. Das war auch das erste Mal, dass ich diese Verbindung meines Organismus mit der Technik spürte.“

Blinde können wieder sehen

Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine lösen sich auf. Forscher der Universität Tübingen haben jüngst Ergebnisse einer klinischen Studie zu retinaler Implantationstechnologie veröffentlicht. Im Zuge der Studie wurde Patienten, die durch degenerative Netzhauterkrankungen erblindet sind, ein Chip in die Retina eingepflanzt. Die Studie legt nahe, dass die Patienten dadurch wieder Buchstaben und Gesichtsausdrücke erkennen konnten. Dies geht aus einem Artikel der Finanznachrichten hervor.

Do It Yourself-Implantate

Der Amerikaner Tim Cannon pflanzte sich einen selbst gebauten Chip unter die Haut. (Bild: Motherboard/ Vice)

Der Amerikaner Tim Cannon pflanzte sich einen selbst gebauten Chip unter die Haut. (Bild: Motherboard/ Vice)

Der Amerikaner Tim Cannon hat sich einen Chip von der Größe einer Zigarettenschachtel unter die Haut transplantieren lassen. Dieser misst seine Körpertemperatur und sendet sie in Echtzeit per Bluetooth an ein Empfangsgerät. Der Chip trägt den Namen Circadia 1.0 und lässt sich ebenfalls über Bluetooth aufladen. Cannon und sein Entwickler-Team von Grindhouse Wetware arbeiten zurzeit an einer Erweiterung des Chips, sodass auch der Herzschlag und der Blutdruck gemessen werden können, sowie die Nutzerfreundlichkeit durch verringerte Größe erhöht wird.

Warum herkömmliche Methoden zur Messung des Blutdrucks und der Herzfrequenz nicht mehr ausreichen, erklärt Cannon dem Tech-Blog Motherboard:

„Ich denke, dass die Umgebung akkurater und intuitiver darauf eingehen sollte, was in unserem Körper passiert. Wenn ich, zum Beispiel, einen stressigen Tag hatte, wird der Circada das an mein Haus kommunizieren, welches dann eine nette, entspannte Atmosphäre vorbereitet, wenn ich nach Hause komme: das Licht dimmen und eine heiße Badewanne einlassen.“

Neue Ziele für Hacker

Dass die Verschmelzung von Mensch und Maschine auch erhebliche Gefahren birgt, zeigte der Hacker Barnaby Jack auf. Ihm gelang es, transplantierte Herzschrittmacher und Insulin-Pumpen ohne einen direkten physischen Eingriff von außen zu manipulieren. Er nutzte dabei Sicherheitslücken der Geräte aus und konnte diese über eine drahtlose Kommunikation beeinflussen.

Herzschrittmacher konnte Barnaby Jack in einem Radius von 10 Metern durch eine spezielle Software aufspüren und durch einen elektrischen Schock lahmlegen. Eine weitere Software erlaubte es ihm, jede Insulin-Pumpe im Umkreis von 100 Metern ausfindig zu machen und über eine drahtlose Verbindung zu kapern. Anschließend wäre er in der Lage gewesen, mehr oder weniger Insulin freizugeben, was für den Patienten tödlich gewesen wäre.

„Ich war verblüfft von der Tatsache, dass lebenswichtige medizinische Geräte drahtlos kommunizierten. Ich entschied mich, einen genaueren Blick auf Herzschrittmacher und Insulin-Pumpen zu werfen, um zu sehen, ob sie sicher kommunizieren und ob es für einen Angreifer möglich wäre, sie fernzusteuern“, sagte Barnaby Jack dem Tech-Blog Motherboard.

Barnaby Jack wollte auf diese Sicherheitslücken auf einer Hacker-Konferenz in Las Vegas aufmerksam machen. Doch dazu kam es nicht mehr. Er starb wenige Tage vor der Konferenz aus ungeklärten Gründen in San Fransisco.

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