Koalition stärkt Banken: Dispo-Zinsen dürfen weiter Wucher bleiben

Union und SPD werden nichts gegen die unsittlich hohen Dispo-Zinsen unternehmen. Es bleibt bei einer freundlichen Ermahnung von Merkel und Gabriel an die Banken. Die Banken bekommen das Geld von der EZB für 0,25 Prozent, berechnen beim Dispo jedoch meist mehr als 10 Prozent.

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Trotz Senkung der Leitzinsen für die Banken durch die EZB bleiben die Dispozinsen in Deutschland auf dem bisherigen Stand. Sie sind von Bank zu Bank unterschiedlich und frei festsetzbar. Die Koalitionsverhandlungen beschränken sich indessen auf „Warnhinweise und Transparenz“.

Am 7. November senkte die EZB den Leitzins auf 0,25 Prozent. Für die Aktienmärkte bedeutet es einen kräftigen Auftrieb. Die Aktionäre profitieren, für die deutschen Sparer bedeutet es faktisch eine Enteignung.

Die Dispozinsen für Überziehungskredite bleiben für die Verbraucher jedoch unangemessen hoch.

Zwar sind jene Bankinstitute, deren Dispozins an die EZB gekoppelt sind, zur Weitergabe der Leitzinssenkung an ihre Kunden verpflichtet. Dies bedeutet für die Banken jedoch lediglich, den Dispozinssatz mindestens um die Höhe der Leitzinssenkung zu reduzieren. Belief sich der bisherige Leitzinssatz der EZB auf 0,5 Prozent, so ist dies im Unterschied zu den jetzigen 0,25 Prozent dementsprechend ebenfalls nur ein Viertelprozentpunkt, um den die Banken ihren Dispokreditkunden den Zinssatz reduzieren müssen.

Die Deutsche Bank kündigte indessen 0,35 Prozentpunkte weniger beim Überziehungskredit auf dem Girokonto an, ebenso die Deutsche Bank Tochter Berliner Bank.

Die Berliner Sparkasse wird den Dispozinssatz Mitte Dezember 2013 um 0,26 Prozentpunkte und die ING Diba Mitte Februar 2014 um 0,25 Prozentpunkte absenken.
In der Regel nehmen die Banken vom Verbraucher einen Zinssatz für Dispokredite, der teilweise bei mehr als 10 Prozent liegt.

Vor der Wahl forderte die SPD einen festen Grenzwert für Dispozinsen. Bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union war dies strittig. Inzwischen wird berichtet, dass es zur Deckelung der Dispozinsen bei den Koalitionsverhandlungen ein klares Nein von SPD und CDU/DCU gibt. Die Arbeitsgruppe Finanzen beschränkt sich bei ihrem Entwurf für den Koalitionsvertrag auf mehr Transparenz und Warnhinweise.

Wenn die Kunden regelmäßig vom Dispokredit Gebrauch machen, sollten die Banken ihren Kunden eine Beratung anbieten, um Alternativen anzuzeigen.
Der Vize-Fraktionschef der Linken, Klaus Ernst, möchte nun den Bundestag über eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen abstimmen lassen. Ernst spricht von Wucherzinsen. „Da formiert sich eine Große Koalition der Bankenknechte“.


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