Schweizer lehnen Begrenzung von Manager-Gehältern ab

Die Schweizer haben eine staatliche Begrenzung von Manager-Gehältern abgelehnt. 65,3 Prozent der Schweizer haben sich gegen einen solchen Eingriff ausgesprochen. Noch vor acht Monaten war eine Mehrheit der Schweizer für eine solche Begrenzung gewesen.

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Managergehälter werden in der Schweiz nicht durch den Staat begrenzt. 65,3 Prozent der Wähler lehnten am Sonntag die Volksinitiative „1:12 – Für gerechte Löhne“ ab.

Die Jugendorganisation der Sozialdemokraten wolle mit der Abstimmung erreichen, dass der Spitzenverdiener in einem Unternehmen maximal das Zwölffache des am niedrigsten bezahlten Mitarbeiters bekommen darf. Kritiker hatten gewarnt, das Vorhaben könnte der Wirtschaft des Landes schaden und große Unternehmen ins Ausland treiben.

Die Abstimmung war unter anderem von der exorbitanten Abfindung ausgelöst worden, die der scheidende Novartis-Chef Vasella beziehen sollte (hier). Die Abfindung wurde schließlich von den Aktionären gestrichen.

Der Schweizer Politologe Laurent Bernhard analysiert das Ergebnis für den Tagesanzeiger:

Im März haben die Stimmberechtigten der Abzockerinitiative deutlich zugestimmt. Diese verfolgte einen liberalen Ansatz, indem die Aktionärsrechte gestärkt werden sollten. Im Gegensatz dazu hat die Volksinitiative der Juso einen direkten staatlichen Eingriff in den Arbeitsmarkt vorgeschlagen. Angesichts der politischen Kräfteverhältnisse in der Schweiz überrascht es nicht, dass sich knapp zwei Drittel der Stimmbevölkerung gegen ein solches linkes Begehren ausgesprochen haben. Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Schweizerinnen und Schweizer sehr sensibilisiert darauf sind, den Bogen nicht zu überspannen. Diese Initiative ging vielen Bürgern zu weit.

„Das ist eine wichtige Entscheidung für den Wirtschaftsstandort Schweiz“, sagte Valentin Vogt vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. „Das Volk hat sich klar entschieden, dass es nicht Sache des Staates ist, die Löhne zu bestimmen.“ Die Befürworter sprachen von einem starken Signal gegen überzogene Gehälter: „Heute wagte es niemand mehr in der Schweizer Politik zu sagen, Millionen-Saläre seien gerechtfertigt“, sagte Juso-Chef David Roth der Nachrichtenagentur Reuters.

Das klingt etwas ratlos, nach den großen Tönen der Juso vor der Abstimmung.

Nach Berechnungen von Gewerkschaften verdienen Chefs von Schweizer Konzernen bis zum 260-Fachen eines einfachen Angestellten. Solche Zahlen heizten den Volkszorn an und brachten dem anfänglich belächelten Juso-Vorschlag auch bei vielen bürgerlichen Wählern Sympathie ein.

Vor acht Monaten hatten noch 68 Prozent der Schweizer Wähler der „Volksinitiative gegen die Abzockerei“ des Kleinunternehmers Thomas Minder zugestimmt, die die Hoheit über die Saläre von Verwaltungsräten und Geschäftsführung börsennotierter Unternehmen in die Hände der Aktionäre gelegt hatte.

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