Antibiotika verlieren Wirkung: Tödliche Super-Bakterien auf dem Vormarsch

Die Medizin in Europa steht vor einem großen Problem: Eines der stärksten Antibiotika, Carbapenem, droht seine Wirkung zu verlieren. Der Grund: Durch den übermäßigen, globalen Einsatz von Antibiotika entstehen immer stärkere Super-Bakterien. Die Ärzte sind ratlos. Der Medizin droht ein Rückfall in das vorige Jahrhundert.

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Der Fluch der Globalisierung: Stäbchen-Bakterien mutieren rasend schnell, werden zu Super-Bakterien und sind auch gegen die stärksten Antibiotika resistent. (Foto: Center for Desease Control)

Der Fluch der Globalisierung: Stäbchen-Bakterien mutieren rasend schnell, werden zu Super-Bakterien und sind auch gegen die stärksten Antibiotika resistent. (Foto: Center for Desease Control)

Die stärksten bekannten Antibiotika verlieren langsam ihre Wirkung. Sie sind in den Krankenhäusern Europas das letzte Mittel im Kampf gegen tödliche Erreger. Die Sorge geht um, dass bisher leicht zu behandelnde Infektionen wieder zu unheilbaren Krankheiten werden. Darüber hinaus mutieren neue Bakterien wegen der Globalisierung zu immer resistenteren Gebilden und werden zu Super-Bakterien, gegen die Medizin keine Chance hat.

Das Bakterium Acinetobacter ist auch gegen Carbapeneme, die stärksten Antibiotika, resistent geworden, so ein Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Dies habe sich bereits in mehr als 25 Prozent der Fälle in acht der untersuchten 18 Staaten gezeigt.

In fünf europäischen Ländern waren Carbapeneme 2012 in mehr als 5 Prozent der Fälle resistent gegen Infektionen mit Klebsiella pneumoniae. Dieses Stäbchenbakterium kann die Harnwege, die Atemwege und den Blutkreislauf infizieren. Noch 2009 wurde diese hohe Resistenzquote nur in zwei Ländern beobachtet.

Carbapeneme sind die stärksten Antibiotika. Sie werden in Krankenhäusern gegen Erreger eingesetzt, die Resistenzen gegen verschiedene andere Antibiotika entwickelt haben. Die Entwicklung von Resistenzen wird immer wieder auch mit dem Missbrauch von Antibiotika begründet.

In China werden Antibiotika ohne Hemmungen verschrieben – weil die Krankenhäuser mit dem Verkauf der Medikamente Geld verdienen müssen. 47 Prozent aller verkauften Medikamente in chinesischen Krankenhäusern sind Antibiotika. Ärzte erhalten Kick-Back-Zahlungen, wenn sie Antibiotika verschreiben.

Vor allem sind Antibiotika in den Lebensmitteln faktisch explodiert: Wie das Magazin Mother Jones ermittelt hat, ist der Einsatz von Antibiotika für medizinische Zwecke deutlich weniger angestiegen als die Verwendung in der Nahrungsmittel-Kette.

Vor allem im Süden Europas sind immer mehr tödliche Bakterien (hier: Klebsiella pneumoniae) resistent auch gegen das stärkste Antibiotikum Carbapenem. Die Medizin ist um viele Jahrzehnte zurückgeworfen. (Grafik: ECDC)

Vor allem im Süden Europas sind immer mehr tödliche Bakterien (hier: Klebsiella pneumoniae) resistent auch gegen das stärkste Antibiotikum Carbapenem. Die Medizin ist um viele Jahrzehnte zurückgeworfen. (Grafik: ECDC)

Seit 25 Jahren sind keine neuen Antibiotika mehr entwickelt worden, sagt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Wenn nun die Carbapeneme unwirksam werden, gibt es keine Behandlungsmöglichkeit mehr gegen die multiresistenten Erreger. Einer von 18 Krankenhauspatienten ist von ihnen betroffen ist.

„Es kommt immer häufiger vor, dass Krankenhäuser Patienten behandeln müssen, die Carbapenem-resistente Infektionen aufweisen. Oft müssen dann alte und giftige Medikamente eingesetzt werden“, sagte ECDC-Direktor Marc Sprenger.

Tatsächlich besteht die Gefahr, dass der massive Einsatz von Antibiotika neue Super-Bakterien enstehen lässt, die gegen alle herkömmlichen Antibiotika resistent sind. In Kalifornien sorgten vor zwei Jahren solche Super-Bakterien für große Unruhe, nachdem mehrere Patienten in einem Krankenhaus in Los Angeles gestorben waren.

Die Entwicklung des Einsatzes von Antibiotika in Medizin und Ernährung. (Grafik: Mother Jones)

Die Entwicklung des Einsatzes von Antibiotika in Medizin und Ernährung. (Grafik: Mother Jones)

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