Zwangsabgabe: Erste Banken planen Straf-Zinsen für Spar-Guthaben

Die US-Banken werden von Sparern eine Strafgebühr erheben, sollte die Fed ihre Drohung wahrmachen und Negativ-Zinsen erheben. Sollte es wirklich dazu kommen, besteht die Gefahr eines Bank-Runs. Hinter den Kulissen läuft eine merkwürdige Betriebsamkeit – zur Vertreibung der Sparer aus den Banken.

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Es ist schwer zu beurteilen, welchen Zweck die erstaunlich konkreten Diskussionen über eine Straf-Gebühr für Spareinlagen wirklich verfolgen. Nachdem Obama-Berater Larry Summers negative Zinsen als „unkonventionelle“ Möglichkeit zur Lösung der Finanz-Krise ins Gespräch gebracht haben (hier) und die EZB in Person von Jörg Asmussen negative Zinsen für Europa ausdrücklich nicht ausschließen wollte (hier), berichtet nun die FT: Mehrere US-Banken werden, wenn es zu Negativ-Zinsen kommt, entsprechende Gebühren bei den Sparern einheben.

Die FT hat mit Bankern gesprochen, und mehrere Banken sagen: Wenn die Fed, wie aus den jüngsten Protokollen geschlossen werden kann, demnächst Negativ-Zinsen für Einlagen berechnen, dann „werden wir diese Kosten an die Kunden weiterreichen“. Im Moment könnten die Banken trotz der niedrigen Zinsen wenigstens noch ausgeglichen kalkulieren. Doch wenn die Zinssätze für jene Gelder, die die Banken bei der Fed halten, unter 0,25 Prozent gesenkt werden, „dann haben wir keinen Anreiz mehr, Sparguthaben von den Kunden entgegenzunehmen. Daher würden wir dann Gebühren von den Sparern für ihre Guthaben erheben.“

Die FT kann die Banker, mit denen sie gesprochen hat, noch nicht mit Namen nennen. Doch wenn das Fachblatt der City eine solche Geschichte so prominent und exklusiv fährt, dann kann man davon ausgehen, dass etwas dran ist.

Und man kann auch davon ausgehen, dass es nicht bei den US-Banken bleiben wird, die solche Schritte erwägen.

Diese Maßnahme würde unter anderem auch die Geldmarktfonds betreffen, weil sich die Banken dann auch dort keine Kredite mehr aufnehmen würden. Um Geld zu verdienen, müssten auch die Fonds dann in riskantere Anleihen ausweichen.

Die Debatte mutet gespenstisch an – vor allem, weil sie derart offen geführt wird: Ohne ein gleichzeitiges Bargeld-Verbot würde einen Sparbuch-Gebühr in jedem Land, das sie einführt, sofort zu einem Bank-Run führen (hier).

Möglicherweise würde über eine solche Straf-Gebühr für Vermögen hinter den Kulissen schon länger diskutiert: Die Schweizer Banken haben in den vergangenen Monaten mit erstaunlicher Hektik ihre Kunden, die nicht zu den Super-Reichen gehören, mitgeteilt, dass sie nur „vermögende“, aber nicht „reiche“ Kunden nicht mehr haben wollen: Die Credit Suisse schließt alle Konten für Kunden, die Vermögen unter einer Million Franken bei der Bank gelagert haben. Auch die UBS und Julius Bär wollen einen Schnitt machen – offiziell im Hinblick auf die Steuerproblematik in Deutschland. Die UBS, CS und Julius Bär verlangen von ihren Kunden eine Bescheinigung durch einen Steuer-Experten, sonst werden die Vermögen ab dem 1. Januar 2014 per Scheck oder Überweisung an die Eigentümer zurückgeschickt.

Es ist durchaus denkbar, dass die Banken versuchen, die Vermögen ihrer wirklich reichen Kunden auf die Schattenbanken auszulagern – wo die Banken praktisch ohne Kontrolle und ohne Transparenz spekulieren können (mehr zu diesem wichtigen Grund-Konzept des künftigen Bankings – hier). Die bei Schattenbanken gehandelten Derivate sind nur geschlossenen Benutzerkreisen zugänglich. Ein Kleinanleger hat keine Chance, Eintritt in dieses Kasino zu erhalten.

So zeichnet sich ein Dreiklassen-Geldsystem ab: Die wirklich Reichen werden von den Banken in das Reich der Schattenbanken geleitet, wo sie mit hohem Risiko hohe Renditen erzielen können. Dort gibt es keine Kontrollen, auch die Steuerbehörden haben kaum Zugriff dorthin. Die Wohlhabenden – also Leute, die mit ihrer Hände Arbeit ein kleines Vermögen erwirtschaftet haben (unter 1 Million Euro), sind die wirklich Gejagten: Denn sie müssen aus den Banken raus, wenn sie nicht mit einer Straf-Gebühr wegen der Negativ-Zinsen noch mehr reale Verluste einstecken wollen. Ihre Möglichkeiten zu Investments sind überschaubar – weil alle Märkte von Zinsen bis Gold gnadenlos manipuliert wurden und selbstverständlich weiter manipuliert werden.

Die dritte Gruppe der Klein-Sparer (Rentner, Familien) sollte sich in den kommenden Wochen intelligente Diversifikationen überlegen. Auch für sie ist es schwer, weil niemand genau sagen kann, wie weit eine Manipulation noch gehen wird.
Faktisch wollen die Zentralbanken und Regierungen mit der neuen Strategie für Zinsen die Inflation hochtreiben: Denn eine Deflation wäre für Europa noch verheerender, weil sie vor allem die mittelständische Wirtschaft lahmlegen würde (mehr hier).

Das Kalkül der Zentralbanken scheint zu lauten: Gegen eine Deflation können wir nichts unternehmen. Eine Inflation ist auch unangenehm, aber wir wissen wenigstens, wie man eine Inflation theoretisch bekämpft.

Für Anleger werden die kommenden Wochen sehr wichtig sein: Sie müssen darauf achten, dass sie von Politik und Bank-Technokraten nicht überrumpelt werden.

Die aktuellen Maßnahmen zur Vertreibung der Anleger aus den Banken lässt jedenfalls nichts Gutes ahnen.


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