Teilzeitarbeit: Vielen deutschen Frauen droht Altersarmut

In Deutschland sind Geringverdiener stärker von Altersarmut bedroht als in jedem anderen Land. Vor allem Frauen, die nur in Teilzeit arbeiten, müssen mit teilweise drastischen Einbußen rechnen.

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Geringverdiener in Deutschland werden künftig so wenig Rente beziehen wie in kaum einem anderen Industriestaat. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Beschäftigte mit der Hälfte des durchschnittlichen Einkommens erhalten demnach Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich nur noch rund 55 Prozent ihrer Bezüge als Rente – „weniger als in allen anderen OECD-Ländern“. Der OECD-Schnitt liege bei fast 82 Prozent. Grund: In den meisten Ländern werde zugunsten der Geringverdiener umverteilt, während in Deutschland die Rentenleistungen stark von den Beitragszahlungen abhingen.

„Wir müssen aufpassen, dass die langfristigen Folgen für den sozialen Zusammenhalt und Altersarmut nicht aus dem Blick geraten“, sagte die Leiterin der OECD-Abteilung für Sozialpolitik, Monika Queisser. „Es fehlt an einer systematischen Lösung der Altersarmut in Deutschland.“ Niedrigverdiener sollten „nachhaltig abgesichert werden“. Allerdings hätten die Probleme ihre Ursache häufig im Arbeitsmarkt und könnten nicht allein durch das Rentensystem gelöst werden.

So würden Frauen – die besonders stark von Altersarmut bedroht sind – häufig nur Teilzeit arbeiten. Auch verdienen sie oft weniger als ihre männlichen Kollegen – bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit. Als Geringverdiener gilt, wer weniger als die Hälfte des mittleren Einkommens (Median) erhält – in Deutschland sind das 10,5 Prozent, OECD-weit 12,8 Prozent.

Die Höhe der künftigen Bezüge allein gebe aber noch keine Auskunft darüber, ob Menschen im Ruhestand ein würdiges Leben führen können. Das hänge auch von Immobilienbesitz, Finanzvermögen und staatlichen Leistungen ab.

Vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung profitiert in Deutschland den Angaben nach mit 50 Prozent nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Rentner. Im OECD-Schnitt seien es 76 Prozent. „Wohneigentum ist nur begrenzt absichernd“, sagte Queisser. So könne der Wert stark schwanken und Modernisierungen viel Geld kosten.

Nach OECD-Berechnungen werden in Deutschland etwa 17 Prozent des Einkommens der über 65-Jährigen aus Kapitaleinkünften gespeist, zu denen etwa private Renten- und Lebensversicherungen zählen. Das entspreche dem Industriestaaten-Schnitt.

Für Ältere besonders wichtig seien Gesundheits- und Pflegedienste, in manchen Ländern auch Ermäßigungen bei der Miete, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder für kulturelle Angeboten. Im Schnitt der OECD-Länder erhöhen diese öffentlichen Leistungen die Einkommen der Rentner um 40 Prozent, in Deutschland um 30 Prozent.

Insgesamt sieht die OECD das deutsche Rentensystem aber auf einem guten Weg. Es sei finanziell vergleichsweise stabil. Außerdem sei die Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer kräftig gestiegen. So arbeiteten heute gut zehn Prozent der 65- bis 69-Jährigen – fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren. „Deutschland hat hier eine Vorreiterfunktion“, sagte Queisser.

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