Verbraucher-Zentralen warnen vor Immobilien-Kauf

Die Verbraucherschützer waren vor unbedachtem Immobilien-Kauf: Ein Kauf stellt im Niedrigzins-Umfeld für viele eine Verlockung dar. Doch viele Konsumenten haben offenbar nicht ausreichende Informationen, dass steigenden Zinsen für sie massive finanzielle Belastungen bringen.

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Der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, warnt in einem Reuters-Interview vor Naivität beim Haus- oder Wohungskauf: „Im Moment wäre es wichtig zu untersuchen, ob Verbraucher mangels Informationen Immobilien erwerben, die sie bei den jetzigen Niedrigzinsen finanzieren können, die für sie aber zum finanziellen Problem werden, sobald die Zinsen wieder steigen.“

Auch der sogenannte Graue Kapitalmarkt, der unter geringer Kontrolle der staatlichen Finanzaufsicht steht und zum Beispiel Beteiligungen an Immobilienfonds anbietet, müsse unter die Lupe genommen werden. „Wir werden genau untersuchen, wie die Gewerbeaufsicht die freien Vermittler kontrolliert, um zu sehen, ob diese ihrer Verantwortung gerecht werden.“

Handlungsbedarf sieht Billen etwa bei den oft als zusätzliche Altersvorsorge abgeschlossenen Lebensversicherungen. Aus Hinweisen von Verbrauchern wisse man, dass die Beratungen oft nicht angemessen gewesen seien. So sollte eine Lebensversicherung mit über 30-jähriger Einzahlungsdauer nur in engen Grenzen verkauft werden, zum Beispiel an Beamte, die einen sicheren Job hätten. „Während für viele andere durch Brüche in der Erwerbsbiografie etwa durch Arbeitslosigkeit solche langfristigen Verpflichtungen nicht durchzuhalten sind“, sagte Billen.

Billen wittert hinter den Entwicklungen einseitige Interessen der Banken und der Finand-Industrie. Deshalb will Billen die Rechte der Verbraucherzentralen bei der Finanzmarkt-Kontrolle stärken: „Es muss eine Verbindlichkeit der BaFin geben, nach Hinweisen der Verbraucherzentralen tätig zu werden und bei anerkannten Fehlentwicklungen regulierend einzugreifen“, sagte Billen.

Billen sagte, die Verbraucherschützer hatten der Behörde in einem Fall den Verdacht mitgeteilt, ein bestimmter Anbieter von Genussrechten bei erneuerbaren Energien arbeite mit einem Schneeballsystem, da die Rendite von acht Prozent nicht nachvollziehbar sei. Die Bafin habe jedoch erklärt, allein für die Prospektprüfung zuständig zu sein. „Das reicht nicht, die Bafin muss das Geschäftsmodell prüfen.“

Verbunden mit der Forderung nach mehr Kontrolle ist eine Forderung nach mehr Geld: Wenn die Zentralen in die Finanz-Prüfung einbezogen werden, brauchen sie 10 Millionen Euro von der Bunderegierung. Die Verluste der Konsumenten bei falschen Finanz-Produkten betragen nach Billens Aussage 20 Milliarden Euro im Jahr.

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